Liv
Hier draußen unter dem klaren Abendhimmel fühlte ich mich so viel wohler als zwischen all den Menschen in der stickigen Sporthalle. Ich liebte den Weihnachtsball unserer Uni, aber ab einem gewissen Punkt musste ich für ein paar Minuten auf Pause drücken, um ein paar tiefe Atemzüge zu nehmen und meine Nerven neu zu verbinden. Hier, alleine auf dieser Bank etwas abseits der Sporthalle, konnte ich atmen und meine wirren Gefühle, die durch Phoebes Worte vollkommen durch den Wind waren, wieder an ihren Platz bringen. Ich wusste nicht, wie lange ich hier schon saß oder ob es eventuell Zeit wurde, zurück zu den anderen zu gehen, damit diese sich keine Sorgen machten. Aber ich wusste ziemlich genau, dass ich noch nicht bereit dazu war, meinen eigenen kleinen Ruheplatz zu verlassen, wo es doch so still und angenehm kühl war. Vermutlich hätte ich noch eine halbe Ewigkeit hier gesessen und meinen Gedanken nachgehangen, wenn nicht in diesem Moment das Geräusch von nahenden Schritten an mein Ohr gedrungen wäre. Ich hatte keine Ahnung, wer sich, außer mir, um diese Uhrzeit noch hierher verirrte, und das führte dazu, dass mein Herzschlag sich automatisch beschleunigte und meine Hände feucht wurden. Ich wagte es kaum, meinen Kopf zu heben, um zu schauen, wer kam. Ich hörte nur das Rasen meines Herzens und war bereits kurz davor, wie ein Angsthase davonzulaufen, als eine Stimme an mein Ohr drang. Eine Stimme, die Gefühle in mir hochschwappen ließ, die ich eigentlich gar nicht fühlen sollte, genauso wenig wie die Gänsehaut, die meinen Körper augenblicklich überzog.
»Blue.« Der Name aus seinem Mund klang so unglaublich sanft, dass sich mein Kopf ganz von alleine hob. Als meine Augen seine Gestalt fanden, wünschte ich mir noch im selben Moment, es nicht getan zu haben. Denn Luc...er sah atemberaubend aus in seiner schwarzen Jeans, die nur an ihm so elegant aussehen konnte, und dem schlichten, weißen Hemd, das er bis zu den Ellenbogen hochgekrempelt hatte. Wie Chase, nur, dass es an Luc noch so viel besser aussah. So gut, dass es eigentlich kaum möglich war. Dann waren da noch seine wunderbaren, haselnussbraunen und verstrubbelten Haare, die das Bedürfnis in mir wecken, meine Hände in ihnen zu vergraben und sie nie wieder loszulassen. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, wo diese Gedanken herkamen, aber ich konnte mich nicht gegen sie wehren, genauso wenig wie gegen den Ausdruck in Lucs ozeanblauen Tiefseeaugen, zu deren Mittelpunkt ich geworden zu sein schien. Denn Luc sah mich an, er sah mich wirklich und das sehnsüchtige und überwältigte Aufleuchten in mitten seiner Tiefseeaugen traf mich direkt in mein Herz, das sich wegen derselben Gefühle schmerzhaft zusammenzog. Dieser Moment zwischen uns schien magisch zu sein. Wir standen hier, zwei praktisch Fremde füreinander, und konnten nicht aufhören, den jeweils anderen anzusehen, anzusehen, als wäre er das Wasser, das uns vor dem Verdursten rettete. Und seltsamerweise...mochte ich diesen Moment, weil er so viel schöner war als alles andere, das zwischen uns stand.
»Blue«, wiederholte er meinen Spitznamen mit rauer Stimme. Ich sah den Adamsapfel in seiner Kehle hüpfen, als er deutlich schluckte und sich durch die Haare fuhr. Eine Geste, die voller Nervosität steckte. Dann räusperte sich Luc und sah mich weiterhin unverwandt an, während tausend Gefühle gleichzeitig über sein Gesicht huschten. »Du siehst wunderschön aus.«
Seine unerwarteten Worte schlugen wie ein Blitz in mein Herz ein und fluteten mich mit einer unendlichen Wärme. Schmetterlinge tanzten in meinem Bauch. Schmetterlinge, die seit Jahren nicht mehr aktiv gewesen waren. Meine Augen weiteten sich, während meine Gefühle drohten, mich zu überwältigen. Warum sagte er sowas? Und warum schaffte er es mit diesem einen Satz, mein Herz höher schlagen und meine Gefühle Achterbahn fahren zu lassen? Noch immer vollkommen überwältigt und zutiefst verlegen, löste ich mich aus meiner Starre und lächelte ihn sanft an, ehe ich leise »Danke« hauchte und Luc dabei nicht eine Sekunde aus den Augen ließ. Er schien mein Lächeln nicht erwartet zu haben, aber mir entging auch nicht, wie bei meinem Dank etwas in seinen Augen aufflackerte. Als er sich mit etwas Abstand neben mir auf die Bank gleiten ließ, die Ellenbogen auf die Knie stützte und mich von der Seite ansah, verspürte ich das plötzliche Bedürfnisse, ihm seine Worte zurückzugeben. Denn Luc hatte schon immer gut ausgesehen, doch heute übertraf er all meine Erinnerungen. »Auch wenn ich weiß, dass ihr Jungs dieses Wort nicht gerne hört, aber Luc«, ich lächelte und er sah mich an, »du siehst auch wunderschön aus, auf viele Weisen und so sehr, dass mein Herz gar nicht mehr aufhören will zu rasen.« Ich hatte nicht vor, es so auszudrücken, doch ich konnte die Worte, die meinen Mund verließen, nicht aufhalten.
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REPEAT HIS LOVE TODAY
Romance»Ich habe nie dich gehasst. Ich habe das gehasst, was du mir angetan hast...« Liv und Luc. Seit ihrer Kindheit haben sie einander geliebt, bis Luc nach dem Tod seines Vaters spurlos verschwindet und Liv nichts als ein gebrochenes Herz bleibt. Drei...
