Luc
»Wenn du und Phoebe zu meinem Geburtstag nach Boston kommt, solltest du sie unbedingt mitbringen, Lucas.« Ich hörte das Lächeln in ihrer Stimme und hatte sofort das Bild vor Augen, wie Mom in ihre graue Lieblingsdecke eingekuschelt auf unserer Couch saß, die dunkelbraunen, schulterlangen Haare offen, während sie ihr Handy in der einen Hand balancierte und eine Tasse Kaffee in der anderen. Sie war die Einzige, die mich bei meinem vollen Namen nannte, und es gefiel mir, obwohl ich nie ein großer Fan meines Namens gewesen war.
»Ich werde sie fragen, Mom«, versprach ich und konnte mir ein Lächeln einfach nicht verkneifen. In den letzten Tagen war es viel zu oft geschehen, dass ich bei dem Gedanken an Liv angefangen hatte zu lächeln, und das in den unpassendsten Momenten. Damit hatte ich Newton in den letzten Tagen viel zu viele Steilvorlagen für seine bescheuerten Sprüche geliefert, aber das war es mir mehr als wert, auch wenn er mich damit vermutlich bis zu meinem Tod nicht mehr in Ruhe lassen würde. Doch Livs Liebesgeständnis hatte mich zu einem liebeskranken Idioten mit Herzchen in den Augen gemacht. Ihre Worte waberten in meinem Kopf herum und ließen mein verdammtes Herz schneller schlagen. Ich liebe dich auch, Luc. So sehr, dass ich an gar nichts anderes mehr denken kann. In meinem Kopf bist immer nur du. Sie liebte mich, obwohl ich diese Liebe nicht verdient hatte.
»Das will ich auch hoffen, junger Mann«, erwiderte sie mit gespielt tadelnder Stimme, ehe sie leise lachte. Es war schön, sie so zu sehen. Nicht traurig, gebrochen und kurz vorm Ende, sondern einfach nur wie meine Mom. »Ich würde mich wirklich freuen, Liv bei uns zu haben. Es ist schon viel zu lange her, dass ich sie das letzte Mal gesehen habe. Seit...Marcus Tod habe ich kaum noch Kontakt zu Livs Dad und auch Melodie ist in New York viel zu beschäftigt mit ihrem Job.« Ich hörte das Bedauern in ihrer Stimme und wünschte mir sofort, es ihr nehmen zu können. Schuldgefühle kochten in mir hoch. Vor Dads Tod waren Mom, Dad, Livs Eltern Jonah und Melodie sowie Greyson und seine Frau Sage unzertrennlich gewesen. Heute sah das allerdings anders aus, und es war allein meine Schuld.
»Liv wird sicher gerne mitkommen. Ich werde sie später fragen, wenn wir uns treffen«, versicherte ich ihr, während ich meine Sitzposition auf meinem Bett veränderte. Wenigstens das konnte ich meiner Mom schenken, nach allem, was ich ihr mit Dads Tod angetan hatte.
»Perfekt! Ich werde dann alles vorbereiten und deine Großeltern einweihen, sie kennen Liv schließlich gar nicht. Aber jetzt will ich dich auch nicht länger aufhalten, du hast sicher einiges zu tun, jetzt, wo die Uni wieder angefangen hat.«
Meinetwegen konnte sich mich für immer aufhalten. Ich hatte ohnehin nicht das Bedürfnis, noch mehr zu lernen. Der Wunsch, mein Studium einfach hinzuschmeißen, war in den letzten Tagen umso größer geworden. »Du hältst mich nie auf, Mom. Für dich habe ich immer Zeit, das weißt du doch.«
»Du machst ich noch ganz verlegen, Lucas. Na los jetzt, bevor ich noch anfange zu weinen. Ich habe dich lieb. Und grüß mir bitte Phoebe, ja?«
Ich lächelte. »Ich dich auch. Und mache ich, wir sehen uns dann an deinem Geburtstag«, erwiderte ich, ehe Mom mit einem letzten Gruß auflegte und mich meinem Gedankenkarussell überließ, das sich wild im Kreis drehte. Es hatte gutgetan, nach all der Zeit mit ihr zu telefonieren und ihre Stimme zu hören, die lange so sehr von Kummer erfüllt gewesen war. Aber heute war das endlich vorbei. Ich rieb mir über meine müden Augen, um die Bilder von Moms vergangenem Ich zu vertreiben, und öffnete schließlich eine Nachricht von Dex, die während des Telefonats mit Mom angekommen war. Ich brauchte dringend etwas Ablenkung.
[ Dexter – 9.31am]: Ich muss ausziehen, Mann. Und zwar dringend!!
Ich lachte leise, weil ich nicht lange überlegen brauchte, um zu wissen, von was Dex da redete. Gerade jetzt, wo ich mich dringend von meinen düsteren Gedanken ablenken musste, kam mir diese Nachricht mehr als gelegen. Als hätte mein bester Freund genau gewusst, dass ich ihn brauchte.
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REPEAT HIS LOVE TODAY
Romance»Ich habe nie dich gehasst. Ich habe das gehasst, was du mir angetan hast...« Liv und Luc. Seit ihrer Kindheit haben sie einander geliebt, bis Luc nach dem Tod seines Vaters spurlos verschwindet und Liv nichts als ein gebrochenes Herz bleibt. Drei...
