Luc
»Ich bin froh, dass du die richtige Entscheidung getroffen hast, Winston«, sagte Everlyn mit warmer Stimme, als wir am nächsten Tag nach einem fast sechsstündigen Flug in ihr kleines, rotes Auto stiegen, das auf dem Flughafenparkplatz in Los Angeles schon auf uns gewartet hatte. Ich war verdammt froh, dass sie in diesem Moment auf das Display ihres Handys starrte und nicht mein Gesicht sah, das nur so vor Panik und Nervosität schrie. Nicht einmal vor meinen Abschlussprüfungen war ich so nervös gewesen wie jetzt.
»Ob es wirklich die richtige Entscheidung war, werden wir erst sehen«, murmelte ich. »Immerhin stehe ich noch nicht vor Liv, besteht also auch keine Gefahr, es zu vermasseln oder von Liv zum Mond gejagt zu werden.«
»Jetzt werde hier mal nicht zur Dramaqueen, das steht dir nicht.« Sie lachte und legte ihr Handy zur Seite, um den Motor ihres Wagens zu starten. »Es wird schon alles gut gehen, glaub mir.«
Ich wünschte, ich hätte Everlyns Optimismus gehabt, aber das hatte ich einfach nicht. Ich war noch nie besonders optimistisch gewesen, schon gar nicht seit Dads Tod. »Ich hoffe es, Monroe. Denn wenn nicht« Ich brach ab und schüttelte den Kopf. »Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was dann wäre. Ohne Livdas würde ich nicht noch einmal aushalten. Ich brauche sie.«
Everlyn verstand sofort und lächelte mir aufmunternd zu, während sie vom Parkplatz fuhr. Irgendwie war es ein Trost, zu wissen, dass sie auch hinter mir stand, obwohl sie mich eigentlich hassen sollte, nach dem, was ich Liv alles angetan hatte. »Ihr werdet wieder zusammen sein, Luc. Du musst nur daran glauben.« Und das wollte ich wirklich. Ich liebte Liv, bedingungslos und von ganzem Herzen. Allein der Gedanke, sie womöglich für immer zu verlieren, brach mir mein Herz. Als Everlyn merkte, dass ich erst einmal nicht mehr in der Lage dazu sein würde, mit ihr zu sprechen, schaltete sie das Radio ein und ließ mich für eine Weile einfach meinen Gedanken nachhängen. Wir schwiegen, doch es war kein unangenehmes Schweigen. Erst eine Stunde später, als wir uns durch den Verkehr von Los Angeles gekämpft hatten und endlich auf der Straße Richtung Silverhaven unterwegs waren, traute ich mir so weit zu, endlich wieder zu sprechen. Denn es gab da etwas, das mich seit gestern nicht mehr losließ. Etwas, das Everlyn gesagt hatte.
»Monroe?«, durchbrach ich schließlich die Stille.
»Raus damit, Winston. Was gibts?«
»Du hast gestern gesagt, dass du sogar deine Beziehung aufs Spiel gesetzt hast, um nach Boston zu kommen. Istist alles in Ordnung bei euch? Ich meine, bei Newton und dir?«
»Oh Gott, ja. Mach dir keinen Kopf, Winston. Bei uns ist alles bestens. Aber du kannst ja Newton. Er hat nicht gerade viel davon gehalten, dass ich mich in Sachen einmische, die mich nichts angehen. Aber das ist nichts, was sich mit Worten nicht wieder richten lässt. Er liebt mich, auch wenn ich ihm ab und zu auf der Nase herumtanze.« Sie grinste und zog eine Grimasse, die mich mit Erleichterung flutete. Ich hätte es nicht ertragen, wenn ich auch noch schuld daran gewesen wäre, Everlyn und Newton auseinander gebracht zu haben.
Ich entspannte mich auf meinem Sitz und nickte. »Das ist gut. Sehr gut sogar.«
Everlyn lachte. »Pass bloß auf. Du hörst dich fast so an, als hättest du dir ernsthaft Sorgen um uns gemacht. Nicht, dass noch jemand herausfindet, dass der unnahbare Lucas Winston tatsächlich Gefühle hat.«
Ich boxte ihr in den Arm, aber natürlich nicht zu doll. Immerhin hatte sie im wahrsten Sinne des Wortes das Steuer in der Hand. »Glaub es oder nicht, aber ich habe tatsächlich Gefühle.«
Sie drehte den Kopf und lächelte mich warm an. »Das weiß ich doch schon längst, du Doofi«, sagte sie. Und in diesem Moment war ich mir sicher, dass all die letzten Monate in Silverhaven noch viel mehr Gutes mit sich gebracht hatten, als die Tatsache, dass ich Liv wieder gefunden hatte. Ich hatte Freunde gefunden, auch wenn es sich verdammt seltsam anhörte, dies zu zugeben. Aber anders konnte ich es mir nicht erklären. Everlyn war eine Freundin geworden, genauso wie Newton. Und ich hatte wirklich das Gefühl, dass ich mit ihrer Unterstützung das zurückgewinnen konnte, was ich am meisten liebte: Liv.
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REPEAT HIS LOVE TODAY
Romance»Ich habe nie dich gehasst. Ich habe das gehasst, was du mir angetan hast...« Liv und Luc. Seit ihrer Kindheit haben sie einander geliebt, bis Luc nach dem Tod seines Vaters spurlos verschwindet und Liv nichts als ein gebrochenes Herz bleibt. Drei...
