KAPITEL 15

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Liv

Wutentbrannt stiefelte ich zurück zu meinem Auto, während mir das unmögliche Aufeinandertreffen mit Luc nicht aus dem Kopf gehen wollte. Erst beobachtete er mich wie irgendein geisteskranker Stalker, dann fiel ihm ein, er müsste meinen Ritter in strahlender Rüstung spielen und mir dabei helfen, Akasha wieder einzufangen, und am Ende wollte er mich plötzlich nach Hause begleiten, als wäre ich ein hilfloses Kind, das den Weg zurück nicht alleine fand. Ich verstand diesen Kerl nicht mehr. Sah ich wirklich so dumm aus, dass er meinte, er müsste irgendein Spielchen mit mir spielen? Früher hätte ich mich über all diese Gesten gefreut und Luc jedes Mal ein bisschen mehr geliebt, aber heute wusste ich nicht, was ich damit anfangen sollte, weil es schlichtweg nicht zu dem Lucas Winston passte, der er heute war. Mir war klar, dass ich diesen neuen Luc nicht kannte, aber die Seiten, die ich bis jetzt von ihm kennengelernt hatte, passten nicht mehr zu dem Bild, das ich in Erinnerung hatte. Und aus diesem Grund zweifelte ich nicht daran, dass Luc mich an der Nase herum führen und für dumm verkaufen würde, wenn es ihm gerade in den Kram passte. Dafür waren die heutigen Ereignisse das beste Beispiel. Nicht nur hatte er meine Zeit verschwendet und mich auf die Palme gebracht, nein, er hatte auch dafür gesorgt, dass ich mit 100% Wahrscheinlichkeit zu spät zu meinem Treffen mit Mr.Wellington kommen würde, weil ich lieber über Luc nachgedacht und Löcher in die Luft gestarrt hatte, anstatt Akasha zurück in ihre Box zu bringen und ins Auto zu steigen.

Ich wusste, dass Mr.Wellington nicht einfach weggehen würde, aber es erschien mir irgendwie unhöflich, zu spät zu kommen, vor allem da ich seit Wochen von diesem Termin wusste. Kopfschüttelnd stieg ich in mein Auto, startete den Motor und fuhr los, um nicht vollends zu spät zu kommen. Mr.Wellington war der Besitzer des Wellington Books, Silverhavens berühmten Buchladen, den Mr.Wellington vor vielen Jahren, als er mit seiner Frau Elois aus Kanada hergekommen war, eröffnet hatte. Seit ich ein kleines Mädchen gewesen war, hatte ich diesen Laden mit ganzem Herzen geliebt und neben dem Stall auch dort unglaublich viel Zeit verbracht. Doch erst vor Kurzem war Elois Wellington, eine wunderbare Frau, deren selbstgemachtes Erdbeereis ich als kleines Mädchen vergöttert hatte, an einem Herzinfarkt gestorben. Sie war kaum 70 Jahre alt geworden und Mr.Wellington, der sie über alles liebte, hatte der Verlust seiner Frau sehr getroffen. Kommende Woche würde Elois endlich beerdigt werden. Allerdings nicht in Silverhaven, sondern Kanada, das Land, in dem sie geboren und aufgewachsen war, bis sie mit Mr.Wellington nach Silverhaven gekommen war. Dazu würde Mr.Wellington nach Kanada fliegen und dort noch einige Zeit bei seiner Familie bleiben und sich von seiner geliebten Frau verabschieden. Da er es sich nicht leisten konnte, das Wellington Books für diese Zeit zu schließen, hatte ich ihm kurzerhand angeboten, für die Zeit, in der er in Kanada war, die Leitung zu Übernehmen. Auch wenn in einigen Wochen die Klausurenphase beginnen würde, hatte ich mit der Uni nicht sonderlich viel zu tun, sodass es mir keine Umstände machte, den Buchladen solange zu übernehmen. Meistens war dort sowieso nicht sonderlich viel los, also konnte ich Mr.Wellington unter die Arme greifen und nebenbei etwas für die Uni tun.

Den Termin, zu dem ich mittlerweile 10 Minuten zu spät war, hatten Mr.Wellington und ich bereits kurz vor Beginn der Uni abgemacht. Denn auch wenn ich jeden Winkel des Buchladens besser kannte als mein eigenes Zimmer, gab es doch noch einiges, in das Mr.Wellington mich einweisen musste. Ich freute mich seit Wochen darauf, weil es nun einmal nichts Schöneres gab, als seine freie Zeit in einem Buchladen wie dem Wellington Books zu verbringen. Mir war klar, dass der Job nicht nur aus Rumsitzen und Bücherduftinhalieren bestand, aber der Bürokram und alles weitere war nur ein angenehmer Bonus für mich. Man mochte es glauben oder nicht, aber ich liebte es, Büroarbeit zu machen, auch wenn die meisten Menschen mich dafür wahrscheinlich für verrückt hielten. Doch für mich hatte es etwas Beruhigendes, die Finanzen zu machen und Ordnung in das gesamte System zu bringen, sodass man guten Gewissens nach Hause gehen und den Laden am nächsten Tag wieder öffnen konnte. Und das Beste war, dass ich abgesehen von den Ladenbesuchern alleine sein würde, weil Mr.Wellington seit Jahren zu stur war, um jemanden einzustellen, der ihm half. Also würde ich die Ruhe des Buchladens genießen und mich ganz auf meine Arbeit konzentrieren können, ohne dass irgendwelche nervigen Kollegen mich belästigen würden.

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