„Das war echt knapp.", meinte Lisa und lachte, nachdem wir die Wand wieder geschlossen hatten. „Wie kamst du auf die Idee mit dem Stein?", fragte ich sie und hob meinen Koffer auf. In dem Gang, in dem wir nun standen, brannten Fackeln.
„Hab ich mal in nem Buch gelesen und gedacht, vielleicht funktioniert es hier auch.", erklärte sie und zog nun ihre Jacke an. Anscheinend war ihr etwas kalt geworden. Aber gut, hier in der Burg was es schon kälter.
„Komm, suchen wir meinen Bruder und dann nichts wie weg hier.", sagte ich und reichte ihr meine Hand. Sie ergriff sie und gemeinsam irrten wir durch die Gänge.
„Seto, warte mal.", sagte Lisa, nachdem wir gefühlt an der selben Ecke raus kamen. „Was denn?", hakte ich ungeduldig nach. „Wenn wir weiter so blind herum laufen, dann wird das wahrscheinlich nie etwas. Ich würd gern etwas versuchen.", sagte sie. „Und was?", fragte ich. „Lass mich einfach machen und vertrau mir.", bat sie. Mir fiel das zwar schwer, aber anderseits war die Alternative weiter umher zu irren.
Ich lehnte mich an die Wand und beobachtete sie. Lisa hockte sich hin, legte eine Hand an die Wand neben sich und auf den Boden. Dann schloss sie die Augen und atmete tief durch. Und eine ganze Weile geschah nichts, außer das sie ab und zu die Stirn runzelte.
Dann geschah etwas merkwürdiges. Die Fackeln begannen zu flackern und ihr Gesicht begann sich sichtlich zu entspannen. Etwas änderte sich im Raum, aber ich konnte nicht verstehen was.
So schnell wie der Moment kam, so schnell war auch schon wieder verschwunden und Lisa saß nun endgültig aufm Boden. „Mokuba ist zwei Räume weiter, wenn ich es richtig gehört habe und das Kettenrasseln von ihm kommt.", meinte sie. „Kettenrasseln?", rief ich empört aus. „Ich denke mal, Pegasus wollte auf Nummer sichergehen, dass sein Unterpfand wirklich hier bleibt. Nachdem Mokuba schon einmal geflüchtet war.", knurrte sie und stand auf. Doch sie schwankte ein wenig. „Hey, alles in Ordnung?", fragte ich besorgt. „Soweit schon. Aber hast du mal versucht, extrem angespannt zu lauschen? In der Schule war das irgendwie leichter.", witzelte sie. „Lauschen? Das hast du eben gemacht?", fragte ich. Langsam gingen wir in ihre vorgeschlagene Richtung. „Jap. Wir Musiker sollten ein Ohr für gewisse Dinge entwickeln und da hat Arron einen Typen zu uns in die Klasse eingeladen, der uns blinde Kuh hat spielen lassen. Wir sollten uns nur auf die Geräusche verlassen. Vier ganze Wochen hat es gedauert, bis der Erste jemanden fand. Ich hab ne Woche länger gebraucht. Aber der Trick ist einfach, alles ausblenden und sich auf die Umgebung einzulassen. Deswegen habe ich auch die Wand und den Boden berührt. Wenn man einen Sinn ausschalten, dann verschärfen sich die anderen.", erklärte sie und begann dann herzhaft zu gähnen. „Und sie machen anscheinend müde.", kommentierte ich grinsend. „Das auch.", meinte sie und lehnte sich erschöpft an die Wand. „Nur fünf Minuten...", bat sie und ich sah, dass ihre Augenlider immer schwerer wurden. „Ich trag dich einfach ein Stückchen und du kannst dösen.", erklärte ich und setzte meinen Plan in die Tat um. Ich nahm sie Huckepack und kaum lehnte sie an meiner Schulter, schlief sie auch schon. Langsam lief ich die von ihr beschriebene Route entlang und mit der Zeit veränderten sich die Fackeln. Es wurden immer mehr und ich kam an einigen Gefängniszellen vorbei. Schauer liefen mir über den Rücken. Kettenrasseln und Zellen... keine guten Omen.
„Das ist echt gruslig.", kam eine Antwort an mein Ohr. „Du bist ja wieder wach.", stellte ich fest und lies sie sanft herunter. Jetzt sah sie nicht mehr so erschöpft aus. „Jap, Powernapping hilft.", erklärte sie und lächelte mich sanft an. Gemeinsam liefen wir die Zellen ab, doch in keiner saß mein kleiner Bruder. Bis wir an der letzten ankamen.
Mein kleiner Bruder war angekettet und sah schäbig aus. „Oh mein Gott.", flüsterte Lisa und hielt sich die Hand vor den Mund. „Mokuba.", rief ich aus. Mein Rufen lies ihn zusammen zucken. „Seto... Du hast mich gefunden.", sagte er schwach und lächelte mich an. „Ich seh weiter hinten nach ob wir einen Schlüssel übersehen haben.", sagte Lisa und wollte losgehen, doch ich hielt sie auf. „Hast du vielleicht Haarnadeln?", fragte ich und wies auf das Schloss. „Haarnadeln? Die sind total unpraktisch. Also nein.", erklärte sie. Ich seufzte, ging vor dem Schloss in die Knie und sagte zu Mokuba: „Ich hol dich hier raus. Das verspreche ich dir. Und dann fliegen wir nach Hause. Doch vorher knacke ich noch dieses Schloss.", sagte ich. „Das sehe ich aber anders.", sagte eine Stimme von der anderen Seite des Ganges. „Pegasus du feige Schlange. Komm raus!", rief ich. Natürlich hatte ich ihn an seiner Stimme erkannt.
„Ach Kaibalein... Ich hoffe dir gefällt Mokubas neues Zimmer. Leider wurde der Bursche ein wenig aufmüpfig und wollte sein ursprüngliches Zimmer nicht behalten. Deswegen gab ich ihm dieses. Hier ist er sicher vor allem Gefahren.", erklärte Pegasus, während er aus den Schatten trat. „Sicher? Vor wem? Lass sofort meinen Bruder frei.", verlangte ich. „Sei mal ein bisschen freundlicher, sonst kommst du nie ans Ziel.", erklärte er. „Seto... Er will deine Firma haben. Das habe ich selbst gehört. Nicht umsonst sollte ich herkommen. Er will dich so zwingen zu verkaufen.", erklärte Mokuba mir fast schon hysterisch. Und es ergab Sinn. Ich hatte nicht viele Schwachpunkte, aber Mokuba war einer davon. Und das machte sich dieser Dreckskerl zu nutze um sich meine Firma zu krallen.
„Aus der Übernahme wird nichts, Pegasus. Du kannst also meinen Bruder ruhig wieder frei lassen.", sagte ich so cool ich nur konnte. „Ach Kaibalein. Es geht um viel viel mehr. Aber zu allererst werde ich diesen kleinen Plagegeist los.", erklärte Pegasus und schob seinen Haarscheitel zur Seite. Dort, wo normalerweise sein Auge sein sollte, war etwas goldenes. Und es begann zu leuchten. „Sieh nun die Macht des Millieniumsauges.", lachte er höhnisch. Mokuba, Lisa und ich hielten uns die Augen zu. Was war das für ein Ding?, fragte ich mich in Gedanken, bis ich einen dumpfen Aufprall hörte. Ich nahm den Arm, den ich schützend vor mein Gesicht gelegt hatte herunter und sah in die Zelle. Dort lag mein Bruder und rührte sich nicht mehr.
„Was hast du getan!?", schrie ich und funkelte ihn wütend an. „Ich habe ihn nur dahin gebracht, wo er nichts mehr verraten kann und weg laufen auch unmöglich ist.", erklärte Pegasus und hielt eine Duellkarte nach oben. Ich konnte gar nicht glauben, was ich da sah. Mokuba war auf dieser Karte!
Lisa, die ein paar Schritte hinter mir war, erschrak als sie Mokuba auf der Karte sah und wollte sich mutig Pegasus entgegenstellen. Doch ich bat sie, zurück zu bleiben. „Ach Kaibalein. Denkst du wirklich diese Distanz könnte mich davon abhalten, ihr nicht dasselbe anzutun wie deinem Bruder?", fragte Pegasus und holte eine weitere leere Duellkarte heraus. „Wag es dir...", knurrte ich. „Sonst was? Zwei Druckmittel sind besser als eines.", lachte Pegasus und erneut begann sein Millieniumsauge zu leuchten. Ich lies meinen Koffer fallen und lief auf Lisa zu. Wenn ich nicht meinen Bruder beschützen konnte, dann wenigsten sie. Schützend legte ich meine Arme um sie und drückte sie an mich. Das Licht umschloss uns und ich spürte, wie ein Ruck durch ihren Körper ging. Doch es war Pegasus, der aufschrie.
„Wie kann das sein?!", rief er aufgeregt. Lisa stand immer noch bei vollsten Bewusstsein in meinen Armen. Sie schälte sich aus meinen Armen und sah Pegasus selbstbewusst und ohne Angst in die Augen an. „Vielleicht bist du auch einfach nur zu alt für diese Art von Magie.", meinte sie. „Lustig, das ausgerechnet du das Wort Magie benutzt.", meinte Pegasus und versteckte sein Milleniumsauge erneut. „Vieles sehe ich jetzt klarer. Ich gebe dir hier einen Ausweg, Kaibelein. Hier hast du fünf Sterne. Du brachst zehn um meine Burg betreten zu dürfen. Besiege Yugi Muto in einem Duell, bekomme fünf Sterne von ihm und komm dann zu mir. Schaffst du das, bekommst du Chance um die Seele deines Bruders zu spielen. Deine Freundin lasse ich erst einmal in Ruhe.", erklärte mir Pegasus, warf die Sterne vor unsere Füße, zusammen mit einem Duellhandschuh. „Das kannst du nicht machen, Seto. Pegasus lässt dich gegen Yugi antreten, weil er selbst zu viel Angst vor ihm hat.", erkannte Lisa. Doch für mich war das der einzige Weg meinen Bruder zu retten.
„Wir reden später. Über dein Verhalten hier. So benimmt sich kein zufriedener Gast.", sagte Pegasus zu Lisa. Doch sie bliebt ihm eine Antwort schuldig. Schulterzuckend verschwand Pegasus und lies uns alleine.
Lisa und ich wechselten einen Blick, der alles sagte: Ich musste Yugi auf seinem Weg zur Burg abpassen und zu einem Duell herausfordern. Ich musste gewinnen um Mokuba zu befreien.
Endlich ist die Zeit für eine Revanche gekommen. Doch wird sie genauso ablaufen, wie Seto sich das vorstellt?
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Das Herz des Seto Kaibas
RandomMan kennt ihn als egoistischen und egozentrischen Geschäftsmann, der noch dazu ein herausragender Duellant ist. Doch wer ist er eigentlich wirklich? Was denkt Seto, wenn er sich mit Yugi duelliert und was wäre wenn Seto eine Freundin hätte und er di...
