Das Königreich der Duellanten
Licht.
Das war das Erste was ich bemerkte, als ich wieder zu mir kam. Helles Licht, welches durch Vorhänge schien. Ich öffnete meinen Augen ganz und sah mich um. Ich lag in meinem Bett und jemand hatte die Vorhänge so weit offen gelassen, dass Licht herein scheinen konnte, ohne das es mich stören konnte. Ich setzte mich hin und erschrak. Niemand saß an meinem Bett, obwohl dort ein Stuhl stand. Und darüber lag eine Jacke, die ich sehr gut kannte. Ihre Jacke. Aber wo war sie?
Langsam stieg ich aus meinem Bett und sah mich um. Mein Zimmer war immer noch so wie zuvor, doch wie war ich überhaupt in mein Bett gekommen? Da Letzte woran ich mich erinnerte, was das Duell gegen Yugi Muto. Und das ich verloren hatte. Er hatte Exodia gespielt und mich damit besiegt. Und dann war etwas merkwürdiges passiert. Ich sah ein grelles Licht und hörte Yugis Stimme in meinem Kopf. Er sprach von einer Finsternis und das sie nun endlich aus mir verschwunden sei.
Danach nichts mehr. Nur wie ich jetzt in meinem Bett wach geworden war. Doch wie lange hatte ich geschlafen? Es mussten mehrere Tage gewesen sein, wenn Lisa an meinem Bett gesessen hatte. Doch wie lange genau?
Ich warf einen Blick auf meinen digitalen Wecker und erschrak erneut. Ich hatte ganze drei Wochen geschlafen! Das erklärte auch die Kanüle in meiner Hand. Ich ging ins Bad und sah mich im Spiegel an. Nichts hatte sich verändert. Ich sah immer noch so aus wie vorher. Was also hatte diese Stimme, die Yugis so ähnlich war, gemeint?
Während ich mir die Kanüle zog, kam ich zu dem Schluss, dass mir nur Yugi das beantworten konnte. Doch wo war der grade? Ich konnte ja schlecht nach drei Wochen einfach so wieder in der Schule auftauchen. Außerdem hatten wir gerade Ferien, da würde er dort sowieso nicht sein.
Ich muss erst einmal herausfinden, was geschehen war in jenen Wochen.
Ich ging duschen und grübelte weiter nach. Was fiel mir noch ein? Genau, mein Bruder war ebenfalls bei diesem Duell anwesend gewesen. Und Lisa. Mit ihr war noch irgendetwas... Hatte sie nicht zu Mokuba etwas gesagt? Wenn mein Gedächtnis mich nicht trog, dann hatte sie zu Mokuba gesagt, dass es ihr langsam reichte. Aber mit was? Und vor allem mit wem?
Hatte sie endgültig vor, Schluss zu machen?
Nass und nur mit einem Handtuch bekleidet ging ich zurück in mein Zimmer und sah dort eines meiner Dienstmädchen. Ich grüßte sie, doch sie sah aus als hätte sie einen Geist gesehen. „Mister Kaiba...", stotterte sie, versuchte mich nicht allzu sehr zu begaffen und lies das Tablett mit einer weiteren, klaren Transfusionsflasche fallen. Dann rannte sie hysterisch aus dem Zimmer. In Gedanken vermerkte ich mir, dass ich sie abmahnen sollte und nahm den klaren Beutel, der ebenfalls auf dem Tablett gelegen hatte an mich. Auf dem Etikett standen eine Reihe Benzodiazipane. In Chemie hatten wir gelernt, dass diese Stoffe schlaffördernd wirkten. Jemand hatte mich also unter Drogen gesetzt. Die Frage war nur wieso?
Während ich mir etwas dunkles anzog, grübelte ich weiter. Wieso war Mokuba nicht hier? Und vor allem, wo waren die ganzen Hausdiener? Ich hatte doch mehr als nur ein Hausmädchen.
Nachdem ich fertig angezogen war, betrat ich die Eingangshalle und entdeckte dort einen kleinen dicken Mann. Ein alter Hausdiener meines Stiefvaters.
„Ah, Mister Kaiba. Es freut uns, Sie wieder bei bester Gesundheit zu sehen.", begrüßte er mich und verbeugte sich. „Lass deine Heuchelei. Wo ist mein Bruder?", fragte ich unwirsch nach. Bevor ich in die Eingangshalle gegangen war, hatte ich schnell einen Blick in sein Zimmer geworfen und es leer vorgefunden.
„Master Mokuba ist im Königreich der Duellanten. Auf der Insel von Mister Pegasus. Da Sie, Mister Kaiba, gesundheitlich nicht in der Lage waren dorthin zu reisen, haben die Big Five entschieden, als Vertreter der Kaiba Familie Ihren Bruder hinzuschicken.", erklärte er mich. „Ach haben die das.", grummelte ich und ballte die Fäuste. Was fiel diesen Kerlen ein, einfach so darüber zu bestimmen, was mein Bruder zu tun hatte. „Seien Sie nicht wütend, Mister Kaiba. Jede Entscheidung der Big Five ist zum Wohle der Firma. Aber Miss Lisa ist mit dem Schiff, dass die Gäste des Königreich der Duellanten dorthin bringt, gereist um Master Mokuba zur Seite zu stehen. Außerdem ist sie der persönliche Gast von Mister Pegasus.", versuchte er mich zu beruhigen. „Versammeln Sie in zwei Stunden sämtliche Hausdiener hier unten. Ich habe einige wichtige Entscheidungen mitzuteilen. Bis dahin bin ich in meinem Zimmer und möchte nicht gestört werden.", teilte ich diesem alten Diener harsch mit und rauschte davon.
Natürlich beruhigte es mich, dass Lisa Mokuba hinter her gereist war. Das erklärte ihre Jacke auf meinem Stuhl. Aber das sie der persönliche Gast von Pegasus war stiess mir sauer auf. Seit jenem Tag, an dem wir unsere Partnerschaft besiegelten, schrieb er ihr dauernd Briefe und schickte ihr kleine Geschenke von seinen Ausgrabungen. Sie liebte Geschichte und antike Teile, sodass sie ihm gegenüber stets freundlich war. Doch in mir nagte die Angst, sie durch mein Desinteresse verloren zu haben.
Meine damalige Drohung würde bald verpuffen, da sie ihre Schule so gut wie abgeschlossen hatte. Würde sie dann an meiner Seite bleiben? Um meiner Selbst willen?
In meinem Zimmer kramte ich aus meinem Geheimfach einen großen silbernen Koffer heraus und pustete den Staub davon. Meine neueste Erfindung war zum Glück von demjenigen nicht entdeckt worden, der mich unter Drogen gesetzt hatte. Eine tragbare Dueldisk. Sie sollte das Duellieren noch einfacher gestalten. Damit konnte man sich überall duellieren und war nicht mehr an die starren Arenen gebunden. Noch war sie ein wenig klobig und noch nicht ganz ausgereift, aber sie war ein guter Prototyp.
Ich legte den Koffer offen auf meinen Schreibtisch und holte aus einer Schreibtischschublade ein kleines Set mit Schraubenziehern heraus.
Doch kaum als ich begonnen hatte, hörte ich Tumult vor meiner Tür. Ich klappte meinen Koffer zu und stand auf. Und das keine Minute zu spät. Genau in diesem Moment stürmten zwei bewaffnete in schwarzen Anzügen bekleidete Männer in mein Zimmer. „Mister Kaiba. Ergeben Sie sich auf direkten Befehl von Mister Pegasus.", rief einer und zielte mich der Waffe auf mich. „Und wenn nicht?", fragte ich selbstbewusst, obwohl mir die Knie schlotterten. Hinter meinem Rücken griff ich nach meinem Koffer. „Dann haben wir den Befehl Sie mit Gewalt ins Königreich der Duellanten zu bringen.", sagte der andere. „Richten Sie Pegasus aus, dass ich leider verhindert bin.", erklärte ich und riss dann mit Schwung meinen Koffer nach vorne. Ich hatte gut gezielt, denn ich erwischte die Waffen der beiden und während die Waffen sich von mir abwanden, löste sich ein Schuss. Direkt neben meinem Fenster drang die Kugel ein und durch die Wucht zersplitterte es. Und ich sah meinen Fluchtweg. Ich drehte mich zusammen mit meinem schwingenden Koffer und sprang aus dem Fenster.
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Das Herz des Seto Kaibas
RandomMan kennt ihn als egoistischen und egozentrischen Geschäftsmann, der noch dazu ein herausragender Duellant ist. Doch wer ist er eigentlich wirklich? Was denkt Seto, wenn er sich mit Yugi duelliert und was wäre wenn Seto eine Freundin hätte und er di...
