Doch was wir dahinter zu sehen bekamen, erstaunte uns. Wir befanden uns mitten in einer Disco, die sehr gut besucht war. „Das ist irgendwie schräg.", staunte Mokuba grinsend, nachdem er sich umgesehen hatte. „Ich hätte Lisa nie für eine Disco-Queen gehalten.", meinte ich und konnte kaum glauben was ich sah. Hier sah es zwar modern aus, aber doch auch wieder nicht. Es war schwer, es irgendwie in Worte zu fassen und dennoch konnte man die Freude der Menschen regelrecht spüren.
„Aber wie es scheint, sind wir Noah erneut auf den Leim gegangen.", murrte ich, nachdem ich mich umgesehen hatte und zwischen all den Tänzern meine Freundin nicht ausmachen konnte. Ich wollte mich zur Tür drehen, als Mokuba mich am Mantel zurückhielt. „Seto, sieh mal da.", sagte er und deutete auf eine Plattform. Und dort stand sie. Lisa, aber auch irgendwie nicht. Sie trug etwas total untypisches für sich und sie wirkte so jung und dynamisch. Ihr Outfit war eng und betonte jede Kurve ihres Körpers. Und auch der Rock, der dazu gehörte, schwang bei jeder Bewegung mit. Allerdings trug sie darunter eine kurze Hose, sodass man nichts verfängliches sehen konnte. Außerdem lachte sie aus vollstem Herzen. So ein befreites Lachen hatte ich noch nie an ihr gesehen. Lisa unterhielt sich mit einem anderen, braunhaarigen jungen Mann, dessen Gesicht aber im Schatten lag. Und auch dieser Mann trug etwas total untypisches. Er hob sich von der Masse ab, aber sein Outfit passte wiederum zu dem von Lisa. Es war, wie als wollten die beiden unbedingt auffallen, was ich überhaupt nicht von Lisa kannte. Sie hielt sich eigentlich immer im Hintergrund.
Die Musik änderte sich und Lisa nickte zwei weiteren Männern auf einer anderen Plattform zu. Auch deren Gesichter lagen im Schatten, aber ihre Outfits waren fast dies selben wie die von Lisas Tanzpartner. Jedoch schien es, als wären die Gesichter absichtlich vergessen worden oder man wollte sich einfach nicht daran erinnern. Jedenfalls begannen die vier zu tanzen und die restliche Disco folgte ihnen. Diese Szene war mehr als merkwürdig. Angefangen von den seltsamen altmodischen Klamotten, die die anderen Leute in der Disco trugen (und mir kam der Verdacht, dass wir hier auf einer Kostümparty gelandet waren) bis hin zu Lisa selbst, wirkte alles so anders. Wie aus alter, vergangener Zeit... Ich war mir sicher, dass Noah etwas daran gedreht haben musste, denn Lisa konnte niemals in einer Disco gearbeitet haben, geschweige denn dort aus freien Stücken hingegangen sein. Als ich Lisa kennen lernte, war sie zwar freundlich und offen, aber kein Partygirl. Und auch solch ein Auftreten kannte ich gar nicht. Lisa war zwar offen, aber sie genoss auch ihre Zeit für sich. Sie würde niemals freiwillig in einer Disco als Vortänzerin arbeiten und so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
„Gehen wir näher ran. Vielleicht erkennen wir etwas, was uns von hier entgeht.", rief Mokuba und ich folgte ihm. Eine Weile sahen wir der tanzenden Lisa zu, die ihre Haare sehr kunstvoll frisiert hatte. Diese Frisur passte so gar nicht zu der Lisa, die ich kannte: Ihr Haare waren immer einfach frisiert und sie hasste enge Sachen. Das hatte sie mir ja noch einmal vor dem Flug hierher gestanden. Wie also konnte diese Lisa so anders und so glücklich sein?
„Kommt dir irgendwie Lisa verändert vor?", fragte Mokuba. „Was genau meinst du?", hakte ich nach, denn ich konnte die Veränderung nicht genau in Worte fassen. Zu viele kleine Dinge kamen hier zusammen. „Naja, sie wirkt hier so fröhlich und... jung.", versuchte Mokuba zu erklären. Und er hatte ja Recht. Hier wirkte Lisa tatsächlich wie ein junges unbeschwertes Mädchen. Aber wieso? Lisa war doch so alt wie ich. Wie konnte sie da hier so anders sein? Natürlich war mir oft aufgefallen, dass Lisa etwas belastete und sie älter wirkte, als sie eigentlich war. Aber die vor mir war ja fast das komplette Gegenteil meiner Freundin.
„Komm Mokuba, verlassen wir diese Disco. Ich bin mir sicher, dass Noah uns nur in die Irre führen will. Diese Erinnerung hat niemals stattgefunden, oder hast du Lisa schon mal so unbeschwert erlebt?", fragte ich meinen Bruder. „Nein, leider nicht. Sie wirkt immer so bedrückt, obwohl sie sich selten was anmerken lässt. Hinter ihrem Lächeln verbirgt sich immer etwas. Das bemerkt man jedoch nur, wenn man sie wirklich kennt... Du hast recht. Noah hat uns wieder reingelegt.", antwortete Mokuba und seufzte. Gemeinsam verließen wir die Disco und standen nun in einer altertümlichen Stadt.
„Was zum Henker soll das jetzt Noah?", rief ich und ballte die Fäuste. So langsam hatte ich die Schnauze voll von seinen Spielchen. „Jetzt bin ich mir sicher, dass wir hier veräppelt werden.", erklärte Mokuba und sah sich um. „Diese Bauweise hatten wir letztens im Unterricht. Viele ältere Städte haben sich Rom zum Vorbild genommen, aber dann doch ihren eigenen Stil entwickelt. Aber hier ist ganz klar römischer Einfluss zu sehen. Also hat Noah in meinen Erinnerungen herumgestöbert und das hier erschaffen.", erklärte mein kleiner Bruder. „Du bist ganz schön neunmal klug geworden. Aber was hat das mit Lisa zu tun?", fragte ich mit hochgezogener Augenbraue nach. „Naja, sie hat mir bei der Hausarbeit geholfen.", gab Mokuba kleinlaut zu. Doch bevor ich darauf etwas erwidern konnte hörten wir einen lauten Schrei. „NEIN!", schrie die Frau und ich erkannte sofort die Stimme. Ein Blick in Mokubas Gesicht verriet mir, dass er sie ebenfalls erkannt hatte. Wir liefen so schnell wir konnten in die Richtung und dabei bemerkte ich, dass diese Simulation begann rum zu zicken. Immer wieder flackerten die Häuser und die Straße begann an einigen Ecken Löcher zu zeigen.
Und dann endlich sah ich sie. Meine Lisa, die jedoch käseweiß im Gesicht war und sich umsah, als hätte sie einen Geist gesehen. Als ihr Blick an etwas hängen blieb, was ich nicht einsehen konnte, stammelte sie: „Nein, das kann nicht wahr sein... Das kann nicht echt sein.". Und dann geschah etwas merkwürdiges. Lisas Beine gaben nach und sie fiel auf die Knie und lies sich dann noch vor auf die Hände fällen. Ihr Kopf fiel ebenfalls nach vorne und es schien, als würde sie beginnen zu weinen. Noch nie hatte ich sie so verzweifelt erlebt. Ich wollte zu ihr eilen um sie zu trösten, doch eine weitere Stimme hielt mich davon ab.
„Na, gefällt dir was du siehst?", fragte Noah, der nun vor Lisa auftauchte. „Raus aus meinem Kopf.", erklärte Lisa mit fester Stimme und sah Noah an. Und ich erschrak. Eiskalter Hass war in ihrem Gesicht zu sehen. Auch Noah schien das zu sehen, denn er trat zwei Schritte zurück. „Es fängt doch gerade an Lustig zu werden.", erklärte er, doch sein Selbstbewusstsein schien sich Stück für Stück zu verabschieden. „Verschwinde aus meinem Kopf oder ich werde dir etwas zeigen, was dich nie wieder friedlich schlafen lässt.", erklärte Lisa und stand auf. Sie baute sich vor Noah auf und fixierte ihn. Er musste etwas darin gesehen haben, denn sofort verschwand um uns herum die Stadt und Lisa mit ihr.
„Verdammt und wir waren so nah an ihr dran!", rief Mokuba, als wir uns wieder in einem Wald befanden.
Tja, was haben Seto und Mokuba da wohl gesehen? War es wirklich eine Szene aus Lisas Vergangenheit, oder spielt hier Noah doch nur ein falsches Spiel? Aber wieso hat dann Lisa so merkwürdig reagiert?
Ihr könnt mir ja mitteilen, was so eure Gedanken zu dieser Situation sind und ob ihr denkt, dass Noah die Wahrheit gezeigt hat oder nicht? :)
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Das Herz des Seto Kaibas
AcakMan kennt ihn als egoistischen und egozentrischen Geschäftsmann, der noch dazu ein herausragender Duellant ist. Doch wer ist er eigentlich wirklich? Was denkt Seto, wenn er sich mit Yugi duelliert und was wäre wenn Seto eine Freundin hätte und er di...
