„Wow, ich hätte niemals ein Fabrikgelände hier erwartet.", staunte Mokuba nachdem wir durch die nächste Tür gegangen waren. „Ja, das ist echt mal was anderes, als immer nur Wüste oder in eurem Fall Wald.", grinste Lisa und zwinkerte meinem Bruder zu. Doch mich störte etwas gewaltig an dieser Fabrik. Erst die Fatamorgana mit Nesbits Büro und dann das hier? Das musste doch in irgendeinem Zusammenhang stehen. Außerdem wurde ich das Gefühl nicht los, dass ich diesen Platz hier kannte.
„Oder was meinst du, Seto?", riss mich Mokuba aus meinen Gedanken. „Was?", hakte ich verwirrt nach und zwinkerte ein paar Mal um im hier und jetzt wieder anzukommen. „Sieht du, Seto ist ganz schön abwesend, seit wir hier sind.", meinte Mokuba und zuckte mit den Schultern. „Würdest du deine Frage nochmal wiederholen?", bat ich. „Eigentlich war es Lisas Frage.", erklärte Mokuba. Fragend sah ich meine Freundin an. „Was? Ach, so... Ich wollte eigentlich nur wissen, ob du dich auch verfolgst fühlst?", fragte sie, nachdem sie meinen Blick verstanden hatte. „Verfolgt? Nicht das ich wüsste.", erklärte ich und sah mich um. Aber die Lagerhallen um uns herum wirkten verlassen und ziemlich menschenleer. Dieses Mal schien Mokuba und mich keine Erinnerung heimzusuchen.
„Mhm... dann muss ich mich wohl getäuscht haben.", erklärte Lisa und zuckte mit den Schultern. „Bestimmt. Oder vielleicht wirst du ja wieder von einer virtuellen Kopie von mir verfolgt.", witzelte ich. Lisa schüttelte sich und wiegelte an: „Nein, danke. Darauf kann ich gut verzichten. Ein Seto reicht mir.". „Der Meinung bin ich aber auch. Es gibt nur einen einzig Wahren und der steht vor uns.", stimmte Mokuba zu. Gemeinsam liefen wir nach diesem kurzen Gespräch weiter, denn wir waren stehen geblieben als Lisa ihren Verdacht geäußert hatte. Doch so langsam verstand ich, was sie mit ihrem Gefühl meinte. Wenn man etwas aufmerksamer hier lang lief, bekam man tatsächlich das Gefühl, als würden man verfolgt werden.
„Da!", rief Lisa, als wir kurz vor einer weiteren Lagerhalle zu stehen bekam, und zeigte auf deren Dach. Ich folgte ihrem Blick und entdeckte jemand bekannten auf dem Dach stehen. „Hey, das ist doch Tristan!", rief Mokuba erfreut, endlich ein bekanntes Gesicht zu sehen. „Hallo Tristan.", winkte mein kleiner Bruder ihm zu. Doch dieses diabolische Lächeln auf seinen Lippen passte so gar nicht zu ihm. „Du Mokuba, ich glaube nicht, dass das Tristan ist.", meinte Lisa. Und tatsächlich! Tristan hob ein Holzschwert und sprang. Lisa nahm sofort Mokuba hinter sich und ich ging einen Schritt zur Seite, während ich einen Schritt nach hinten trat. „Gute Reflexe. Aber die werden Ihnen beiden nicht länger weiter helfen.", erklärte Tristan und stand auf. „Würdest du mir mal erklären, was das soll?", wetterte ich. „Ich habe Rache geschworen und die werde ich gleich bekommen.", stellte Tristan klar und zeigte drohend mit dem Holzschwert auf mich. Doch bevor wir etwas tun konnten, kamen von einer anderen Gasse Yugi mit der gesamten Truppe angelaufen.
„Kaiba, Mokuba und Lisa! Schön euch endlich gefunden zu haben.", rief Yugi erfreut. „Und ihr habt Tristan gefunden!", rief Wheeler. „Das ist nur leider nicht Tristan. Das ist Nesbit, wenn mich nicht alles täuscht.", erklärte Lisa, die immer noch beschützend vor meinem Bruder stand. „Ja, das ergibt sogar Sinn. Immerhin haben wir noch vor ein paar Minuten mit ihm ein Duell bestritten.", erklärte Duke düster.
„Gut geraten. Aber Frauen wie Sie eine sind, Miss Lisa, werden einem nur gefährlich.", erklärte Nesbit. „Und was soll das heißen?", fragte Lisa. „Frauen sollten sich um den Nachwuchs kümmern und den Haushalt führen und sich nicht in das Kriegsgeschäft einmischen. Ihr kindischer Vorschlag von einem Kriegsspiel habe ich sofort verworfen. Ich kann immer noch nicht glauben, dass der große Seto Kaiba sich von einer Frau etwas sagen lässt. Ich hätte Sie für schlauer gehalten. Aber ihre Entscheidung, die Kaiba Corporation umzustrukturieren war ebenfalls unklug. Krieg wird es immer geben. Spiele werden vergehen.", wetterte Nesbit. „Wow, ich wusste gar nicht, dass du einen solchen Frauenhasser in deinen Reihen hattest.", konterte Lisa. Doch sie hätte das vielleicht nichts sagen sollen, denn Nesbit ging zum Angriff über. Meine Freundin schob Mokuba zu mir und fing mit beiden Händen das Holzschwert ab. „Jetzt beruhigen Sie sich doch einfach mal. Ich hab Ihnen doch gar nichts getan!", verteidigte sich Lisa und stemmte das Schwert weg. Doch leider verlor sie dabei das Gleichgewicht und fiel auf ihren Hintern. „Sie haben sich in etwas eingemischt, was Sie nichts anging. Es wäre besser gewesen, Sie hätten sich in die Rolle eingefügt, die Mister Kaiba Senior Ihnen zugedacht hatte, anstatt seinem Ziehsohn Flausen in den Kopf zu setzen.", erklärte Nesbit wütend und wollte erneut zuschlagen. Doch Mokuba warf mir eine Eisenstange zu und ich konnte dazwischen gehen. Leider hatte ich die Wucht unterschätzt und verlor diese sofort wieder. Und erneut fragte ich mich, wie meine kleine Freundin sie so leicht gegen die Raritätenjäger nutzen konnte, wie als hätte sie nie etwas anderes damit getan.
Um mich erneut zu verteidigen, zog ich aus meiner Jackentasche meinen weißen Drachen und schleudert ihn auf Nesbits Hände. Die Karte traf und er lies das Schwert mit einem Schmerzensschrei fallen. „Das werden Sie mir büssen!", rief er, hielt sich seine verletzte Hand und verschwand in der nächsten Lagerhalle. Ich wollte Lisa aufhelfen, doch dann rief sie: „Seto, pass auf!", und sprang auf. Dabei warf sie mich um, denn Nesbit hatte sich aus einer der Lagenhallen ein Motorrad geholt und war damit direkt auf mich zugefahren. Wenn Lisa mich nicht umgeworfen hätte, hätte er mich umgefahren. Nesbit jedoch nutze den Moment der Verwirrung und schnappte sich meinen Bruder, der ganz ohne Schutz da stand. „Seto, hilf mir!", rief Mokuba, während er über das Motorrad geworfen wurde. Nesbit lies den Motor aufheulen und brauste davon. Ich wollte ihnen hinterher rennen, doch das wäre zwecklos gewesen. Ich war zwar schnell, aber nicht so schnell, dass ich mit einem Motorrad mithalten konnte.
„Hier und ich hoffe du kannst Motorrad fahren", rief Lisa, warf mir einen Schlüssel zu einem weiteren Motorrad zu und gemeinsam fuhren wir den beiden hinterher. Lisa hatte hinter mir Platz genommen und hielt sich an mir fest. Doch gerade hatte ich keine Zeit mir Gedanken um sie zu machen. Ich wollte nur meinen kleinen Bruder aus den Klauen dieses Mistkerls befreien. „Seto, da vorne fehlt die Brücke!", rief Lisa schockiert. „Das hab ich gesehen. Halt dich noch fester!", sagte ich zu ihr und beschleunigte das Motorrad. Ich hoffte und betete, dass mein Plan aufgehen würde. Zum Glück hatten wir genug Tempo drauf, sodass wir die Lücke überspringen konnten. Beinah hätten wir Nesbit eingeholt, doch ein Fremder mit Kaputzenmantel stellte sich uns in den Weg. Ich riss das Motorrad rum und verlor die Kontrolle. Lisa fiel vom Motorrad und ich folgte ihr. Krachend kam das Rad zum Erliegen und flog in die Luft. Ich hatte es so ungünstig fallen lassen, dass der Benzintank getroffen wurde.
„Lisa, alles in Ordnung?", fragte ich und lief zu ihr. „Um ein paar Schrammen bin ich jetzt reicher. Aber sonst ist alles in Ordnung. Deine langen Klamotten haben dich davor ja bewahrt.", erklärte sie grinsend und nahm meine Hand zur Hilfe, die ich ihr reichte. „Nur Schrammen?", fragte ich besorgt und sah an ihr herunter. Und tatsächlich hatte sie ein paar böse Schürfwunden am Arm davon getragen.
„Ja, nur ein paar Schrammen. Ehrlich Seto, es geht mir gut. Aber wieso hast du das Motorrad herumgerissen?", fragte sie. „Wegen dem da.", erklärte ich zähneknirschend und gemeinsam drehten wir uns zu ihm um. „Der stand auf einmal da.", sagte ich. „Und ich habe auch nicht vor, Sie so schnell zu verlassen.", erklärte der maskierte Typ. „Tut mir Leid, Sie enttäuschen zu müssen, aber ich werde jetzt an Ihnen vorbei gehen und meinen Bruder aus den gierigen Griffeln von Nesbit holen.", erklärte ich. „Das können Sie nach unserem Duell machen, falls Sie gewinnen. Darf ich Sie daran erinnern, was der eigentliche Grund war, warum Sie überhaupt hier drin gelandet sind?", erklärte der Kerl. „Ich habe es nicht vergessen. Beginnen wir endlich. Je schneller ich das hinter mir habe umso schneller kann ich zu meinem Bruder.", murrte ich. „Zuerst suchen wir aus der digitalen Datenbank unser Deck aus...", begann der Kerl zu erklären. „Ja, und dann suchen wir unseren Deckmaster aus. Ich leide nicht an Alzheimer.", grummelte ich und wählte Herrn der Drachen als meinen aus. Lisa war die ganze Zeit über sehr schweigsam und sie betrachtete den Kerl vor uns. „Und welchen Deckmaster werden Sie wählen?", fragte ich. „Das werden Sie schon sehr bald erfahren. Aber haben Sie immer noch nicht erraten, mit wem Sie es zu tun haben?", fragte der Kerl. Ich überlegte und natürlich kam mir die Stimme bekannt vor, aber ich konnte sie noch nicht zuordnen. „Oh verdammt, das ist Leichter!", rief Lisa aus und wich gleich zwei Schritte zurück. Und da fiel bei mir der Groschen. Natürlich... Ausgerechnet dieser Kerl musste mir über den Weg laufen! Das hatte mir gerade noch gefehlt!
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Das Herz des Seto Kaibas
AléatoireMan kennt ihn als egoistischen und egozentrischen Geschäftsmann, der noch dazu ein herausragender Duellant ist. Doch wer ist er eigentlich wirklich? Was denkt Seto, wenn er sich mit Yugi duelliert und was wäre wenn Seto eine Freundin hätte und er di...
