Virtueller Besuch bei Pegasus

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Ich landete sicher auf dem kleinem Felsvorsprung, etwas weiter drunter und drückte mich eng an die Wand. Hier würden mich diese beiden Kerle nicht sehen. Denn hier war ich früher hin verschwunden, wenn ich keine Lust auf meine Privatlehrer hatte.

„Verdammt, der ist hinüber!", hörte ich einen der Kerle reden. Denn unter uns sah man das tosende Meer und wie es gegen die Klippe schlug. Unsere Villa lag an einem Küstenstreifen. „Teilen wir das Mister Pegasus umgehend mit.", sagte der andere. „Allerdings sollten wir auf Nummer sicher gehen und das Gelände durchsuchen, bevor wir es unserem Boss sagen.", sagte der Erste. „Hast Recht. Ich funk es durch und dann machen wir uns an die Arbeit.", ergänzte der andere.
Ich blieb noch eine Weile in meinem Versteck, bis ich mir sicher war, das die beiden nicht mehr in meinem Zimmer waren. Dann schlich ich mich der Küste entlang und ging außen herum erneut auf das Gelände. Ich klettere an einer bestimmten Stelle über die Mauer und sprang in den Garten. Das war früher immer mein geheimer Ausgang gewesen, wenn ich die Schnauze voll hatte vor meinen Privatlehrern und mein Stiefvater hat es nie für nötig gehalten, etwas in diesem Teil des Geländes zu ändern. Sehr zu meinem Vorteil.
Gerade noch rechtzeitig schaffte ich es hinter einen Baum, denn die Männer von Pegasus waren zahlreich. Überall streiften sie herum und suchten offensichtlich nach mir. ‚Ich brauche nur einen Moment.', dachte ich grimmig. Nur einen Moment um hinter die nächste Hecke zu kommen. Dort befand sich ein geheimer unterirdischer Eingang zur Villa. Zum Herzen meines technischen Netzes.

Ich wartete einen weiteren Augenblick und dann kam er endlich. Schnell huschte ich an den Männern vorbei und zog an der Eisenkette. Das Tor öffnete sich und gab eine Treppe frei. Diese lief ich entlang und kam zu einer weiteren Tür. Versteckt hinter einem Bücherregal. Die Idee dazu hatte ich mir aus Lisas zahlreichen Erzählungen über alte Geheimgänge abgeschaut. Damals fand ich das ziemlich cool und mittlerweile erwies sich die Idee als goldwert. Gesichert mit Code und Retinascan. Beides nur auf mich zu geschnitten.

„Herzlich Willkommen, Seto Kaiba.", begrüßte mich die weibliche Computerstimme. „Was muss denn geschehen, damit Sie in ihr eigenes Haus einbrechen müssen?", fragte sie weiter. Ich nahm am Steuerpult Platz und gab manuell den Code für meine Überwachungskameras ein. „Grob geschätzt würde ich jetzt auf zwanzig Mann kommen.", sagte ich zum Computer ohne auf ihre Frage einzugehen. „Um genau zu sein befinden sich zweiundzwanzig Männer unbefugt auf diesem Gelände und im Haus weitere drei.", erklärte Darla, so hatte ich sie getauft. Mir war einfach kein besserer Name für einen Computer eingefallen.
„Fünfundzwanzig... Ganz schön viele Leute um mich festzusetzen.", murmelte ich. „Darla, wo ist der jetzige Aufenthaltsort von Mokuba?", fragte ich dann laut. „Diese Information liegt mir zur Zeit nicht vor.", antwortete sie. „Und der Aufenthaltsort von Lisa?". „Diese Information ist...", begann sie. „Ja, ich verstehe. Ist dir zur Zeit nicht bekannt.", gab ich genervt zurück. „Das bedeutet, beide befinden sich am selben Ort.", schlussfolgerte ich. Was hatte mein Diener nochmal gesagt? „Darla... Wo befindet sich Yugi Muto zur Zeit?". „Yugi Mutos Aufenthaltsort ist zur Zeit das Königreich der Duellanten.", gab Darla als Auskunft. „Na dann statten wir Pegasus einmal virtuell einen Besuch ab.", murmelte ich und begann mich in sein System zu Hacken.

Einige Firewalls und einem Satellitenabsturz später war ich endlich drin, doch wirklich näher war ich Yugi Muto nicht gekommen. Ganz zu schweigen von meinem Bruder und meiner Freundin. „Darla, zeig mir die Duellarenen an. Befindet sich dort ein Schwarzer Magier im Deck eines Duellanten?". „Ja, auf Plattform 146. Ein schwarzer Magier wurde gerade gespielt.", bestätigte sie. „Darla stelle eine Verbindung zu den Videokameras her. „Ich werde mir derweil ansehen, mit wem sich Yugi gerade duelliert.", erklärte ich und begann erneut zu hacken. Der Besitzer des Schwarzen Magiers war tatsächlich Yugi Muto. Aber mit wem er sich duellierte überstieg meine kühnsten Träume. „Darla, ist das richtig, was ich dort sehe?", hakte ich nach. „In der Tat. Der Gegner von Yugi Muto ist Seto Kaiba. Mit dem Deck von Seto Kaiba.", antwortete Darla. „Aber wie?", fragte ich mich selbst. Doch dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Bei meiner Flucht hatte ich mein Deck auf dem Tisch liegen gelassen. Die zwei Grobiane aus meinem Zimmer mussten es an sich genommen haben und es schnurstracks ins Königreich der Duellanten gebracht haben. Nur so konnte ich mir das erklären, dass derjenige, der sich gerade mit Yugi duellierte, mein Deck besaß. 

„Na das wird ja für Yugi ein Kinderspiel. Immerhin hat er die mächtige Exodia in seinem Deck.", stellte ich fest und lehnte mich entspannt zurück. „Ich kann keine Exodia-Kartenkombination im Deck von Yugi-Muto erkennen.", sagte Darla. „Wie das?", rief ich empört aus. Ohne diese Karten war es für ihn unmöglich, mein Deck zu schlagen. „Das kann ich Ihnen nicht sagen. Aber dafür habe ich nun eine Verbindung zu den Überwachungskameras hergestellt.", erklärte sie und schon ploppte auf meinem Bildschirm ein weiteres Fenster auf. Dieses Mal mit Livebildern zum Duell. Und dort waren sie endlich: Lisa, in deren Nacken ein Grobian stand und mein kleiner Bruder, der rüde von einem weiteren Grobian festgehalten wurde. Kemo, wenn ich mich richtig an den Handlanger von Pegasus erinnerte.

„Das kann doch nicht wahr sein!", rief ich aus. Die beiden schienen Geiseln zu sein. Darla bestätigte meine Vermutung, dass Mokuba eine Geisel war, und das meine eigentlichen Geschäftspartner vorhatten, meine Firma an Pegasus zu verkaufen. Und Lisa war ebenfalls als Geisel dort, für den Fall das ich mich doch einmischen sollte. Pegasus schien auf Nummer sicher zu gehen, in dem er all das was mir lieb war, an sich riss und als Druckmittel gegen mich einsetzen wollte. Doch mein Alptraum wurde noch schlimmer. Yugis Gegner war in der Tat eine billige Kopie von mir. Doch mein Deck war echt. Und gerade wurde ein weißer Drache mit eiskalten Blick gespielt.

„Na dann wollen wir mal sehen, ob wir Yugi nicht ein bisschen helfen können.", sagte ich und begann mich in Pegasus Duellsystem zu hacken. Vom Urprinzip war es so wie meines. Aber er hatte einige Veränderungen vorgenommen, die es mir nicht einfach machten, mich in die Angriffspunkte des Weißen zu mischen.

„Seto Kaiba, ich will Sie nur ungern zu Eile antreiben, aber wenn Sie nicht zum nächsten Zug etwas machen, wird Yugi verlieren.", erklärte Darla. „Ich beeil mich ja schon. Aber ich bekomme das verdammte Passwort für die letzte Tür nicht raus.", knurrte ich. „Vielleicht hilft Ihnen ja diese Karte.", sagte Darla und zeigte sie mir auf dem Bildschirm. „Die Hohepriesterin des Drachen? Von dieser Karte habe ich ja noch nie etwas gehört.", stellte ich verwundert fest. „Diese Karte war, laut meinen Aufzeichnungen und denen die ich in Mister Pegasus' Archiv gefunden habe, ein Geschenk an Miss Lisa und ist ein Unikat. Außerdem ist sie nicht frei verkäuflich.", erklärte Darla. „Das sieht diesem Schleimer ähnlich. Nicht umsonst sieht diese Priesterin fast so aus wie sie.", knurrte ich und gab den Kartennamen als Passwort ein.

Und tatsächlich: Es stimmte. „Na dann, Hohepriesterin. Wirke deinen Zauber.", flüsterte ich, während ich die Angriffspunkte des Weißen Drachen immer weiter nach unten schraubte. „Seto Kaiba, es klappt.", sagte Darla und als mein Blick auf die Überwachungskamera fiel, sah ich es. Mein stolzer weißer Drache erstarrte zu Stein und verlor seine Angriffskraft. Und Yugis schwarzer Magier konnte ihn vernichten.

„Ha! Wenn jemand Yugi besiegt, dann bin ich das höchstpersönlich.", rief ich aus. „Ich mildere Ihre Freude nur ungern ab, aber der andere Seto Kaiba hat noch einen Drachen auf dem Feld und wir sind aus dem System geflogen.", erklärte Darla. „Verdammt!", rief ich. Es war zwar nicht unmöglich noch einmal in das System zu kommen aber nicht so schnell, wie ich es bräuchte.

Doch dann geschah etwas merkwürdiges. Der zweite weiße Drachen verlor von sich aus seine Punkte und war damit schwächer als Yugis Magier. Ich sah auf die Monitore der Überwachungskamera und entdeckte überall erschrockene und erstaunte Gesichter. Außer von Lisa. Sie beäugte den Gorilla hinter sich. Wieso war sie nicht erstaunt?, fragte ich mich.

Gespannt beobachtete ich den Ausgang des Duells und freute mich, das Yugi gewann. Dieser billige Abklatsch war es nicht wert, sich Seto Kaiba zu schimpfen. Doch ein Blick ins Publikum lies mich zusammen zucken. Mokuba war verschwunden und der Grorilla hinter Lisa hatte ihr den Arm auf den Rücken verdreht.
„Verdammt...", stieß ich aus. Doch dann überraschte sie mich erneut. Mit einem geübten Manöver hievte sie, trotz ihres schlanken Körpers, ihren Angreifer über die Schulter und warf ihn zu Boden. Dann sagte sie etwas zu ihm, was zur allgemeinen Erheiterung diente. Dieser Loser Wheeler nahm sie nach ihrem Move anerkennend in den Arm.
„Seto Kaiba, die Angreifer verschwinden langsam vom Anwesen. Ich rate Ihnen, bleiben Sie noch mindestens einen Tag hier unten.", sagte Darla. „Den Teufel werd ich tun. Mein Bruder ist in Gewahrsam dieses Wahnsinnigen und meine Freundin muss sich selbst verteidigen. Also werde ich mir jetzt einen Helikopter kapern und ebenfalls zum Königreich der Duellanten fliegen. Es wird Zeit, dass ich mir meinen Bruder, meine Freundin und meine Firma persönlich zurückhole.", teilte ich meinem Computer mit und setzte diesen Plan sofort in die Tat um.

Und im nächsten Kapitel sehen wir endlich das Königreich der Duellanten :)

Das Herz des Seto KaibasGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt