„Wie bist du eigentlich zu deinem Spitznamen gekommen?", fragte Mokuba sie, als wir am Abendbrotstisch saßen. „Welchen meinst du denn jetzt?", fragte Lisa nach, nachdem sie ausgekaut hatte. Seit sie in unserer Stadtvilla aufgetaucht war, hatte Mokuba sie in Beschlag genommen und mit ihr diverse Spiele gespielt. Von Karten über Brettspiele war alles dabei und jedes einzelne hatte er gewonnen, wobei mich nach ihrer dritten Niederlage der leise Verdacht beschlich, dass sie ihn gewinnen lies.
„Das mit dem Juwel.", ergänzte Mokuba. „Ach, der... Naja, ich vermute einfach, dass es an meinem Talent Klavier zu spielen lag, dass ich ihn bekam. Aber so richtig weiß ich das auch nicht. Nur das mich echt jeder so nennt.", erklärte Lisa, nachdem sie kurz überlegt hatte. „Es lag nicht nur daran. Soweit der Rektor mir erklärte, hast du Bestnoten und bist überall ein wenig vertreten. Oft hilfst du bei den Künstlern aus oder leitest den Chor der jüngsten Klassen, wenn mal wieder Not am Mann ist ... Aus diesem Grund bekamst du diesen Spitznamen.", erklärte nun mein Stiefvater. „Das ist ziemlich beeindruckend.", ergänzte ich und war wirklich begeistert. Sie war wirklich fleißig und zielstrebig. Und dabei auch noch so talentiert und stets mit einem Lächeln im Gesicht.
„Ach Quatsch. Das macht man doch gerne. Und oft haben wir aus der Musikklasse genug Zeit um den Künstlern zu helfen.", wiegelte sie das Kompliment ab und widmete sich nun ausgiebig ihrem Essen. „Also ich find's cool. Aber du hättest mich nicht gewinnen lassen müssen. Vorhin...", meinte Mokuba und brachte sie damit zum Verschlucken. „Du hast das mitbekommen?", hakte sie nach ihrem Hustenanfall nach. „Ich bin ja nicht blöd.", merkte Mokuba stolz an. „Habe ich auch nie behauptet. Ich muss im Verlieren einfach nur besser werden.", konterte Lisa mit einem Zwinkern.
„Na das schreit doch nach einer Schachpartie zwischen Seto und dir. Denn nur beim Schach zeigt sich der wahre Charakter.", erklärte mein Stiefvater. „Schach?", fragte ich nun nach. „Ja, mein Sohn. Schach ist ein idealer Zeitvertreib um jemanden kennen zu lernen. Außerdem hat Schach auch dein Leben verändert. Nicht wahr?", provozierte er mich. „Na da ist das Verlieren ja vorprogrammiert.", meinte Lisa und unterbrach so die aufgeheizte Stimmung zwischen mir und ihm.
„Sicher?", fragte ich und sah sie nun an. „Naja, es ist ewig her, dass ich Schach gespielt habe.", erklärte sie ruhig und zuckte dabei mit den Schultern. „Dann machen wir das ganze doch spannender. Wenn Seto gewinnt, dann darf er einen ganzen Tag nur mit dir verbringen und wenn du gewinnst, darfst du dir etwas aussuchen.", meinte Mokuba und mein Vater stimmte dem zu, ohne das Lisa und ich eine Möglichkeit hatten, etwas dagegen zu sagen.
Und so kam es, dass ich mich mit ihr im Schach messen musste. Anfangs lief es tatsächlich gut für mich, aber mit drei geschickten Zügen schaffte sie es, meine Verteidigung aufzubrechen und mir meine Dame zu klauen. „Anfängerglück.", meinte sie nur achselzuckend, aber solch einen Zug brauchte genug Vorarbeit. Und als ich mir das Schachbrett noch einmal genauer ansah, bemerkte ich meinen Fehler. Ich hatte nicht genug auf ihre Bauern geachtet. Während ich versuchte, ihre wichtigsten Figuren zu schlagen, hatte sie langsam aber stetig ihre Bauern in Postion gebracht und mich so kurz vors Schachmatt gebracht. ‚Von wegen Anfänger.', dachte ich leicht verärgert und sah sie an. Doch sie wirkte irgendwie abwesend, als sie sich ihren nächsten Zug überlegte. Und da fiel mir noch etwas auf: Mein Schachmatt war nur zwei Züge entfernt und ich hatte keine Möglichkeit daraus zu kommen. Ich stand mit dem Rücken zur Wand. Und das fiel auch meinem Stiefvater auf, wie auf seinem Gesicht zu lesen war.
Gelassen setzte ich die nächste Figur um sie zu verwirren, doch sie kam nicht mehr dazu eine Figur zu setzen, denn Leichter kam herein und stieß aus Versehen das Schachbrett um als er sich zu meinem Stiefvater vorbeugte.
„Ich bitte um Verzeihung, aber Mr Kaiba wird in seinem Büro erwartet. Ein wichtiger Anruf.", erklärte er. „Dann lass ich euch etwas alleine.", erklärte er und verlies uns dann. „Tja, soviel zum Thema die Wette gewinnen.", kommentierte Lisa die Situation und begann die Schachfiguren weg zu räumen. „Du hättest gewonnen.", sagte ich knapp und half ihr dabei. „Quatsch. Wenn du statt deines Läufers den König zum Turm geschoben hättest, hätte ich anders agieren müssen. Und da hättest du dann gewinnen können.", erklärte sie ganz fachmännisch. „DU hast also doch mehr Schacherfahrung, als du zugegeben hast.", meinte ich und schaffte es so, dass sie rot wurde. „Naja... Also... so würde ich das nicht sagen.", stammelte sie und hielt inne. In diesem Moment trafen sich unser Finger. Es war tatsächlich wie ein Stromschlag, als ich sie berührte. Mein Herz begann zu rasen und ich konnte nur sie ansehen. War mir vorher schon aufgefallen, dass mir der Schwung ihrer Lippen so gefiel?
„Lady Lisa, Mister Kaiba möchte gerne mit Ihnen unter vier Augen reden.", unterbrach Leichter den Moment zwischen uns beiden. Sie entzog mir ihre Hand, die ich umschlossen hatte, und lief ihm hinterher. Dabei hatte ich einen schönen Blick auf ihren knackigen Po.
„Dich hat's erwischt, was Seto?", fragte Mokuba grinsend, während er sich über die Stuhlehne lehnte. „Wie kommst du darauf?", gab ich zurück und räumte das Schachbrett weg. „Du hast sie mehr betrachtet als das Brett und deine Züge waren nicht gut genug berechnet. Deswegen hättest du auch beinah verloren.", erklärte Mokuba neunmalklug. „Du kleines... Ach komm her.", sagte ich lachend und wuselte ihm durch die Haare. „Aber ich glaub schon, dass du recht hast.", murmelte ich. Doch weiter darauf eingehen konnte ich nicht, denn wir hörten vom Hausflur zwei Stimmen lauthals miteinander streiten. Ich lies Mokuba los und lief mit ihm gemeinsam zur Tür. Im ersten Moment lauschten wir nur, denn es waren Lisa und Gozaburo die sich da stritten. „So ganz dicht bist du auch nicht mehr!", schrie sie ihn an. „Das hier ist mein Haus und hier gelten meine Regeln. Ich lasse mich von einer dahergelaufen Göre nicht beleidigen. Und dein Versprechen kannst du dir sonst wohin stecken.", konterte er. „Ach tatsächlich. Das heißt also im Umkehrschluss das ich mich von dir erpressen lassen muss?", gab sie zurück. „Wer Geheimnisse hat muss damit rechnen zur Zielscheibe zu werden.", sagte Gozaburo kalt. „Dann fang bei dir an. Ich weiß genug über dich, was mein Geheimnis alt aussehen lässt.", giftete sie.
Mokuba und ich hatten nun genug gehört und traten ebenfalls auf den Flur. „Was ist denn los?", fragte ich diplomatisch und sah dabei aber Lisa an. Sie starrte mich wütend an und wies auf meinen Stiefvater: „Frag das ihn!". „Darf ich dir deine Verlobte vorstellen, Seto?", fragte Gozaburo. „Es ist noch überhaupt nichts beschlossen, verdammt nochmal!", zeterte Lisa weiter. „Verlobte? Aber ich verstehe nicht ganz.", sagte ich verwirrt. Klar, wollte ich mit ihr zusammen kommen aber aus eigenen Antrieb und nicht so. Wer dachte denn schon mit Sechszehn ans Heiraten?
„Du hast schon richtig verstanden. Wieso sollen wir lange nach einer geeigneten Kandidatin suchen, wenn du sie mir schon auf dem Silbertablett servierst. Leichter hat mir von deiner Handkussaktion berichtet. Und ich hab doch selbst gesehen, wie gern du sie hast. Nicht umsonst hättest du beinah verloren. Ideale Vorraussetzungen. Die Alternative wäre übrigens Tiffany gewesen. In unseren Kreisen sind arrangierte Ehen keine Seltenheit.", erklärte mein Stiefvater. „Und mich nennt der alt.", grummelte Lisa während sie die Arme vor der Brust verschränkte. Doch mein Stiefvater ging nicht weiter auf ihre Unterbrechung ein sondern sagte: „Und wenn der Sprössling der Kaiba Familie das Juwel der Kaiba Academy heiratet gibt das sogar noch bessere Presse als wenn du die Tochter einer konkurrierenden Firma heiratest.". „Lass wenigstens deinen Sohn entscheiden, wenn du meine Meinung schon nicht akzeptierst. Seto hat da immerhin noch ein Wörtchen mit zu reden.", warf Lisa ein. „Bitte. Wenn das dein Wunsch ist.", meinte mein Stiefvater. Natürlich las ich in ihren Gesicht den Wunsch nach einem Nein, doch ich war kurz vor meinem Ziel und ich war nicht so dumm, es sausen zu lassen. „Dieses eine Mal gebe ich meinem Vater recht und stimme dem zu.". Meine Entscheidung hatte zwei Konsequenzen. Mokuba sprach danach mehrere Wochen nicht mehr mit und Lisa scheuerte mir zu ersten Mal eine. „Du bist nicht viel besser als dein VATER!", schrie sie und rauschte davon.
Ich rieb mir die Wange aber innerlich war ich zufrieden. Sie gehörte nun mir , ganz so wie ich es wollte und wenn sie nicht von der Schule fliegen wollte, würde sie bald zusagen.
Huhu, eure Autorin hier :)
Ja, ich weiß, dieses Mal habe ich Seto ein wenig als Böse dastehen lassen, aber eine Freundin, die vorab diese Story schon lesen durfte, meinte dieses Verhalten würde zu ihm passen. Wie steht ihr dazu?
Findet ihr ebenfalls, dass diese erzwungene Verlobung zu Setos 'bösem' Verhalten passt, oder eher nicht?
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Das Herz des Seto Kaibas
RandomMan kennt ihn als egoistischen und egozentrischen Geschäftsmann, der noch dazu ein herausragender Duellant ist. Doch wer ist er eigentlich wirklich? Was denkt Seto, wenn er sich mit Yugi duelliert und was wäre wenn Seto eine Freundin hätte und er di...
