Unangenehme Besucher

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„Wieso hast du eigentlich acht Uhr angegeben für den Beginn?", fragte Lisa, während wir uns anzogen. „Je eher wir beginnen um so eher bin ich der neue König der Spiele.", beantwortete ich ihre Frage. „Du machst auch keine halben Sachen, was?", kicherte sie und legte die Klamotten vom Abend zusammen. „Kennst mich doch. Aber woher hattest du eigentlich die Sachen?", fragte ich sie und hielt inne. „Roland gab sie mir. Ich konnte ja schlecht in Jeans schlafen.", erklärte Lisa und begann sich nun ihre Haare fertig zu binden. „Dann muss ich zugeben, dass Roland einen ausgezeichneten Geschmack hat.", erklärte ich und betrachtete sie. „War doch nur ein Tshirt.", meinte Lisa achselzuckend und schlang ein letztes Mal das Haargummi um ihren Pferdeschwanz. Ich wollte gerade etwas darauf erwidern, als das Luftschiff wackelte und wir beide aufs Bett fielen.

„Was war das?", fragte Lisa unter mir. Ich sah in ihrem Gesicht, dass ihre Höhenangst keineswegs verschwunden war. „Bestimmt nur ein Luftloch, nichts schlimmes.", beruhigte ich sie und stand auf. Ich zog sie hoch, doch kurz bevor sie richtig stand, wackelte das Schiff erneut. „Verdammt! Und deswegen hasse ich das Fliegen.", moserte Lisa. „Ich versprech' dir, dass das der letzte gemeinsame Flug von uns war. Ab sofort reisen wir nur noch ebenerdig. Aber ich glaube, dass das Luftschiff den Kurs gewechselt hat. Eben der Ruckler war eine Kursänderung.", erklärte ich und sah mich um. Doch da ihre Fenster wirklich abgedunkelt worden waren, konnte ich nichts erkenne, was meine Vermutung bestätigen würde. „Das hast du bemerkt?", hakte Lisa nach und sah mich anerkennend an. „In der Flugschule hat man uns das beigebracht.", meinte ich und hielt ihr meine Hand hin. „Keine Sorge, ich bin bei dir.", erklärte ich, als sie fragend darauf blickte. Nun ergriff meine Freundin meine Hand und gemeinsam liefen wir zu Brücke. Immer wieder begann das Schiff zu ruckeln und Lisas Hautfarbe wurde immer blasser.

„Was ist hier los!?", fragte ich meinen Bruder als ich auf der Brücke ankam. „Mister Kaiba, das Luftschiff hat den Kurs gewechselt.", erklärte ein Handlanger von mir und bestätigte somit meine Vermutung. „Ja, das habe ich bemerkt. Aber warum?", fragte ich unwirsch nach. „Seto, jemand hat sich in der Nacht in das System des Luftschiffes gehackt und den Autopiloten umgeschrieben.", erklärte mein Bruder. Ich lies Lisas Hand los, die sich sofort am Geländer der Brücke festhielt, und wollte diesen Hacker eliminieren, als zwei Dinge geschahen. Die Losertruppe betrat ebenfalls die Brücke und das Luftschiff sackte ein gutes Stück nach unten ab. „Verdammt, Kaiba, was ist hier los? Und würdest du uns mal erklären, wo wir eigentlich hinfliegen?", wetterte Wheeler, der seine Schwester schützend festhielt. Ich sah nach Lisa, die mittlerweile weiß wie eine Wand war, sich hingesetzt hatte und sich regelrecht am Geländer festkrallte, bevor ich die Frage beantwortete: „Jemand mischt sich erneut in mein Turnier ein.". „Seht ihr die Insel da vorne? Da findet die finale Runde statt. Aber jemand will uns offenbar davon abhalten, dahin zu fliegen.", erklärte Mokuba, der sich am Steuerpult festhielt. „Dieser Schrotthaufen von Insel?", hakte Tristan abschätzig nach. „Hey! Das war mal der Firmensitz der Kaiba Corporation. Nachdem mein Bruder die Firma übernommen hatte, hat er dort alles plattgemacht und sein Monument errichtet...", erklärte Mokuba. „Es reicht, Mokuba! Die müssen nicht alles wissen.", maßregelte ich meinen Bruder. „Lass mich ans Steuer. Ich werd' diesem Hacker zeigen, dass man sich nicht mit mir anlegt!", erklärte ich. Doch erneut sackte das Luftschiff ab und ein Bildschirm fuhr herunter. Darauf erschien ein grünhaariger kleiner Junge. „Hallo Seto Kaiba, na wie gefällt es dir, so die Kontrolle verloren zu haben?", fragte er dreckig grinsend.

„Wer zum Henker bist du?", rief ich. „Niemand besonders im Moment. Aber das wird sich bald ändern. Ich bin Noah und ich lade euch auf meine Unterwasserplattform ein.", grinste er. Und tatsächlich nahm das Luftschiff Kurs darauf. Ich wollte es manuell umleiten, doch jeder Versuch wurde mit einem heftigen Ruckler quittiert.
„Boah Lisa, du bist so grün wie dem seine Haare!" rief Wheeler aus. „Ja, und wenn der das noch mal macht, dann muss ich hier her kotzen.", erklärte Lisa, nachdem das Schiff erneut absackte. Ihre Aussage lies mich innehalten in meinem Vorhaben. Zum einem weil ich ihr das nicht mehr zumuten wollte und zu anderen waren bis jetzt sämtliche Versuche fehlgeschlagen. „Gute Entscheidung, Seto endlich aufzugeben. Und falls ihr es noch nicht bemerkt habt. Gerade seit ihr gelandet und ich bitte euch doch höflich, das Luftschiff zu verlassen. Ansonsten...", begann er. „Alles klar. Ich bin dann mal weg. Alles ist besser als diese Lufthöllenmaschine.", rief Lisa, sprang auf und unterbrach damit unseren Entführer. Ich konnte es ihr nicht mal verdenken, dass sie so schnell wie möglich hier weg wollte.

„Ihr solltet es Lisa nachmachen und ebenfalls das Luftschiff verlassen. Ansonsten...", begann er erneut. „Ansonsten was? Bis jetzt kam sowieso nur heiße Luft von dir.", schoss ich zurück. Was bildete sich dieser Grünschnabel eigentlich ein mich so von oben herab zu behandeln? „Ansonsten werdet ihr Bekanntschaft mit meinen Laserkanonen machen.", beendete er nun endlich seinen Satz und schoss auch ein paar von diesen ab.

„Alles klar. Wir kommen.", erklärte ich, nachdem ich mich schützend über meinen kleinen Bruder gebeugt hatte und folgte meiner Freundin. Tatsächlich lies uns dieser Noah aus dem Luftschiff gehen, doch als meine Mitarbeiter es verlassen wollten, schoss er erneut ein paar Laserstrahlen ab. „Leider ist der Zugang nur Duellanten erlaubt.", erklang Noahs Stimme. „Na dann kann ich ja wieder zurück gehen! Ich bin nämlich keiner.", rief Lisa und machte auf dem Absatz kehrt. Augenscheinlich hatte sie vorgehabt, dem Entführer nur das willige Opfer vorzuspielen um uns hinten rum hier raus zu hauen. Ein paar Kniffe im Hacken hatte ich ihr, trotz einiger Proteste ihrerseits, beigebracht und sie besaß einen geheimen Zugangscode, den ich als Sicherheit eingebaut hatte, damit mich niemand ungehindert aus meinem System aussperren konnte.

Doch direkt vor ihren Füße trafen weitere Laser ein, sodass sie inne halten musste. „Du bist mein persönlicher Ehrengast, Lisa. Ich weiß, dass du keine Duellantin bist. Aber es hat andere Gründe, weswegen deine Anwesenheit erwünscht ist. Deswegen sei es nur dir gestattet, mein Reich zu betreten, als Nichtduellant.", erklang weiter Noahs Stimme. „Das kann ja wohl nicht wahr sein.", grummelte sie und stellte sich nun neben mich.
„Da ihr ja jetzt alle so folgsam seit, bitte ich euch diesem Weg zu folgen. Meine Partner werden euch dann empfangen.", verabschiedete sich Noah und öffnete eine Tür. Lisa und ich sahen uns an und dachten dasselbe. Wir mussten gehen, ansonsten würden wir von diesen Kanonen getroffen werden. Und wer weiß, was sie anrichten würden, wenn sie uns getroffen hätten. Widerwillig folgten wir alle dem uns vorgeschriebenen Pfad bis wir in eine gewaltige Halle eintraten. Und dort sah ich sie. Ich kannte sie besser als jeder sonst im Raum. „Ach ne, sieh mal an. Die Ratten haben sich doch irgendwie retten können.", begrüßte Lisa die Big Five und verschränkte die Arme vor der Brust. Bei ihrer Aussage musste ich schmunzeln, denn bevor wir damals in mein Cyberspace gegangen waren, hatte sie die Big Five schon einmal als Ratten bezeichnet.

„Du kennst die Kerle?", fragte Wheeler. „In Fachkreisen sind die Männer dort als Big Five bekannt gewesen. Sie haben früher für unseren Vater gearbeitet und dann für Seto. Bis sie ihm im Cyperspace versucht haben, gefangen zu nehmen. Die Kerle waren es übrigens auch, die Pegasus unsere Firma versprachen, wenn er Yugi besiegen würde.", erklärte Mokuba und zählte dann die Kerle auf. Jedoch lies mich ein Name aufhorchen. Und zwar wie Lisa ihn betonte. „Leichter.", knurrte sie und starrte ihn wütend an. ‚Was war da denn vorgefallen?', fragte ich mich, denn eigentlich war mir nur bekannt, dass Leichter den allergrößten Respekt vor meiner Freundin hatte.

„Da ihr ja nun alle unsere Namen kennt, werden wir euch zeigen, was es heißt, sich mit uns anzulegen.", riefen alle fünf gleichzeitig und lachten. Um uns herum verdunkelte sich alles und ich verlor jegliche Orientierung.

Das Herz des Seto KaibasGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt