Endlich war der Weg frei um Mokuba zu retten. Und danach würde ich mich bei Lisa entschuldigen. Das musste ich tun, wenn ich sie nicht ebenfalls verlieren wollte. Am Tor angekommen, zeigte ich den beiden Gorillas in schwarzen Anzügen meinen vollen Handschuh und konnte die Burg endlich betreten. Ich ging über den Innenhof und dachte an Lisa. Ihr würde es hier gefallen. Ich kannte ihre Hingabe für alte Gemäuer und Geschichte. Schon lange liebäugelte ich mit einem Wohnobjekt etwas abseits von Domino, welches aus einer alten Villa mit großem Garten bestand. Ich hatte schon lange vor meine jetzige zu verkaufen, denn sie gehörte zu einem Teil meiner Vergangenheit, den ich vergessen wollte. Spätestens jetzt nach diesem Überfall war meine Entscheidung gefallen. Und wenn Lisa an meiner Seite blieb, würde sie sich ebenfalls über die neue Bleibe freuen. Und Mokuba, mein kleiner Bruder der Lisa wie eine Schwester liebte, würde garantiert nichts dagegen haben, wenn sie bei uns einzog.
Mit diesem neuen Zukunftsplan betrat ich das Haupthaus der Burg und wurde von einem Diener begrüßt. „Willkommen im Schloss von Master Pegasus. Ich geleite Sie zur Kampfarena.", sagte er und verbeugte sich. „Übertreib es nicht mit Höflichkeit und bring mich einfach dorthin.", verlangte ich. Der Diener nickte und drehte sich um. Ich folgte ihm durch mehrere Gänge und kam dann an einer großen Tür zum stehen. „Dahinter befindet sich die Arena. Sie können Ihren Platz schon einnehmen. Master Pegasus gesellt sich in wenigen Augenblicken zu Ihnen. Er muss sich noch um seinen Ehrengast kümmern.", sagte er, verbeugte sich erneut und verschwand dann. Ich öffnete die Tür und sah einen Steg vor mir, der ins Leere führte. „Will der mich verarschen?", fragte ich laut. „Aber nicht doch Kaibalein. Die Arena kommt sofort nach unten gefahren.", antwortete Pegasus von der Seite. Ich drehte mich zu ihm um und fragte: „Und wann bequemst du dich von deinem Thron herunter und gibst mir endlich die Chance auf ein Duell mit dir?". „Alles zu seiner Zeit. Ich erwarte noch jemanden... Ah da kommt sie ja schon. Na wie gefällt dir mein Geschenk an sie?", fragte Pegasus, sah in eine Richtung und stand auf. „Lass gefälligst deine Pfoten bei dir. Ich werd hier schon nicht wegrennen!", erklang Lisas Stimme. Und da tauchte sie auch schon auf. Allerdings in Begleitung eines Grobians von Pegasus.
Doch noch etwas war anders. Sie trug nicht mehr ihre normalen Klamotten, sondern ein Kleid in grau-blauen Farben. Es lag oben eng an und wurde nach unten ausgestellter. Doch was mich am meisten wunderte war, dass es keine Ärmel besaß. Ihre schlanken Schultern lagen frei. Nur ihr Pferdeschwanz, mit dem sie stets ihre langen Haare bändigte, zeigte ihr altes ich.
„Miss Lisa. Schön, dich endlich hier richtig begrüßen zu dürfen. Als du ankamst, hatte ich leider etwas Wichtiges zu tun. Und danach sagte man mir, du hättest die Burg verlassen. Umso mehr freut es mich, dich in meinem Geschenk zu sehen und es kleidet dich. Findest du nicht, Kaibalein?", fragte mich Pegasus, nachdem er Lisa mit einem Handkuss begrüßt hatte.
„Ich mag sie eher in ihren Alltagsklamotten.", konterte ich, denn ich sah an ihrem Blick, dass sie sich in diesem Kleid nicht wohl fühlte. Sie lächelte mich an und formte mit ihrem Lippen ein „Danke.". „Kein Geschmack dein Freund. Aber um dem ganzen mehr Stil zu geben, habe ich ein Armreif für dich anfertigen lassen. Silbern mit einem Drachen darauf.", erklärte Pegasus und schnipste nach einem Diener. Dieser erschien mit einer Schmuckschatulle. Pegasus holte den Armreif heraus und legte ihn Lisa ans rechte Handgelenk. Sie runzelte die Stirn und bedankte sich. „Nicht der Rede wert. Aber jetzt werde ich mich um den großen Kaiba kümmern.", erklärte Pegasus und verlies dann seinen Platz. Lisa kam an die Brüstung und sah mich an und rief: „Seto, pass auf. Pegasus' Deck solltest du nicht unterschätzen!". „Ich verstehe. Aber mach dir keine Sorgen, wir sind hier schneller raus als du Kaiba Corporation sagen kannst.", beruhigte ich sie. Ihre Antwort war ein Lächeln, welches ich mir sooft gewünscht hatte. „Ach wie süß. Diese junge Verliebtheit. Nur schade, dass ich zwischen all deinem Glück stehe.", meinte Pegasus und stellte sich an den Rand des ins Nichts. „Showtime!", rief er und dann fuhr eine meiner Duellarenen nach unten. Sie hielt genau an den Stellen, wo die Stege aufhörten.
„Was meinst du eigentlich mit: Du stehst zwischen all meinem Glück?", fragte ich, während ich meinen Platz einnahm. „Meinen Bruder habe ich bald herausgeholt und Lisa ist ein freier Mensch.", erklärte ich. „Bist du dir da so sicher?", fragte Pegasus und schnipste erneut. „Ah.", rief Lisa aus. Als mein Blick zur ihr ging, sah ich was Pegasus angedeutet hatte. Der Armreif war zu einer Handschelle geworden und Lisa kniete nun neben seinem Thron und war festgekettet. „Das ist jetzt nicht dein Ernst, Pegasus!", wetterte Lisa, während sie an ihrer Fessel zog. „Meine liebste Lisa. Du bist aus vielen Gründen hier. Und einer ist nun mal, Seto Kaiba unter Druck zu setzen.", erklärte Pegasus süffisant und legte seine Karten ab. „Eins verspreche ich dir, Pegasus. Das wirst du noch bereuen.", moserte sie weiter. „Na darauf bin ich mal gespannt. Also Kaibalein, was hält's du davon, den Wetteinsatz zu erhöhen. Wenn du gewinnst, ist dein kleiner Bruder frei. Und deine Freundin dazu. Gewinne jedoch ich, dann wirst du deinem Bruder im Reich der Schatten Gesellschaft leisten.", sagte Pegasus und ich nahm an. Eigentlich wollte ich Pegasus mit meiner tragbaren Duel Disc herausfordern. Aber er stellte sich erst blöd an und dann schlug er doch tatsächlich vor, dass mein Bruder sie an seiner statt werfen sollte. Wie sollte ich gegen meinen Bruder ankämpfen? Und so verzichtete ich schweren Herzens auf meinen Vorteil und nahm meinen Platz in der Arena ein.
Lisa hatte mit ihrer Aussage Recht gehabt. Seine Toons waren schwerer zu besiegen als gedacht. Egal was ich tat, seine dämliche Toonwelt verhinderte, dass ich ihm Schaden zufügen konnte. Laut Lisas Aussage war die Toonwelt eine spezielle Feldzauberkarte, die permanent wirkte und einen Schutzwall für die darin befindlichen Toons bildete. Außerdem erlaubte die Toonwelt, dass jedes Monster von Pegasus die Eigenschaften eines Toons annahm. So auch mein weißer Drache mit eiskaltem Blick, den er mir klaute.
Seine Toons mähten jedes meiner Monster nieder, sodass ich einsehen musste, verloren zu haben, als ich dank meiner eignen Falle, der Crush-Karte, keine Monsterarten mehr spielen konnte. Auch diese Karte hatte Pegasus mir dank Copy-Cat gestohlen. Ich hatte versagt und meinen Bruder enttäuscht. Und das alles vor ihren Augen.
„Tja, kleiner Kaiba. Die Gelegenheit hast du wohl verpasst. Aber jetzt musst du deine Schulden bezahlen.", sagte er. Und wieder leuchtete sein Auge. Und dann umfing mich Schwärze und ein Gefühl der Einsamkeit.
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Das Herz des Seto Kaibas
RandomMan kennt ihn als egoistischen und egozentrischen Geschäftsmann, der noch dazu ein herausragender Duellant ist. Doch wer ist er eigentlich wirklich? Was denkt Seto, wenn er sich mit Yugi duelliert und was wäre wenn Seto eine Freundin hätte und er di...
