Ich konnte nicht schlafen.
Seit geraumer Zeit drehte ich mich in meinem Bett hin und her, drückte immer wieder Werners einnehmende Arme von mir weg, nur um am Ende einfach aufzustehen. Ich hatte das Gefühl, mein Herz würde mir nach dem heutigen Ereignis aus der Brust springen. Selbst das ein oder andere Glas Wein hatte daran nichts ändern können, sodass ich nun hier stand: Auf dem Balkon unseres geräumigen Hotelzimmers.
Ich seufzte in die kühle Nacht hinein, während ich zum Meer starrte. Es rauschte leise in der Dunkelheit vor sich hin. Ganz sachte schien es dabei ans Land anzustoßen. Ganz vorsichtig tastete es sich an es heran, um dabei vielleicht den einen oder anderen Teil mit sich fortzureißen. Meine Lippen pressten sich aufeinander.
Ja – ich dachte schon wieder an ihn. An diesen Fremden, der meinen Blick nur durch sein bloßes Sein an sich gefesselt hatte.
Warum nur sah ich ihn seit heute Mittag immer wieder in meinen Gedanken vor mir? Warum konnte ich dieses Treffen nicht einfach vergessen? Er war immerhin nicht der erste attraktive Mann, den ich in meinem Leben gesehen hatte, und er würde auch nicht der Letzte sein, dem war ich mir sicher. Doch diese Erkenntnis brachte mir zurzeit rein gar nichts.
Mein Blick wanderte zu Werner, als mir die Idee aufkam, mich mit seiner Lust zu berauschen oder gar abzulenken. Doch die Erinnerung daran, wie sehr er mich beim letzten Mal erniedrigt hatte, ließ mir einen Schauer über den Rücken laufen. Er hatte mir nicht in einem Moment, in dem wir miteinander geschlafen hatten, das Gefühl gegeben, mir etwas zurückgeben zu wollen. Im Gegenteil: Unser Sexleben war vollkommen nach ihm getaktet, so wie alles in unserem gemeinsamen Eheleben. Was, wie, wann – das waren die Dinge, die er regelte. Ob nun hier oder in unserer Heimat spielte dabei keine Rolle. Ich stöhnte genervt, als ich bemerkte, wie die Sonne langsam hinter dem Horizon emporstieg, um mir anzukündigen, dass diese Nacht bereits vorbei war. Ein neuer Tag brach an. Ein Tag, der wie jeder andere sein würde – so dachte ich, als meine Augen in das Sonnenlicht starrte, um für einen kurzen Moment die Orientierung zu verlieren.
Ich spürte die Wärme, die sich auf meinem Gesicht ausbreitete. Die salzige Luft in mich einsaugend, überlegte ich, was ich tun könnte, um mir selbst diesen Tag ertragbar zu gestalten. Werner würde so oder so frühestmöglich zu seinem Termin eilen und mich damit mir selbst überlassen. Warum das Ganze nicht etwas beschleunigen?
Eilig hinterließ ich meinem schlafenden Gatten eine Nachricht, ich würde mich sportlich betätigen. Eine Ausrede, die er sicherlich schlucken würde, hatte dieser Charmeur doch schon so oft betont, dass ich außer Form geraten war. Doch warum sich beschweren, wenn er mir damit genau den Grund gegeben hatte, den ich nun brauchte, um Abstand zu ihm zu gewinnen?
Ich legte den Zettel leise auf seinen Nachtschrank ab, zog mir eine Hose und Bluse über, bevor ich schleichend das Zimmer verließ, nur um nach dem Zufallen der Tür loszumarschieren. Ein befreiendes Seufzen begleitete meine Schritte. Das Verlassen des Hotels ließ mein Herz klopfen, wobei ich den Weg Richtung Stadtmitte einschlug.
Entspannt schweifte mein Blick in den Straßen umher. Einige Cafés öffneten gerade ihre Türen, während die Zeitungsstände bereits gut besucht waren. Ein Jeder ging seinen Pflichten nach oder versuchte zumindest einen produktiven Start in diesen sommerlichen Tag einzulegen, um nicht negativ aufzufallen. Ein Jeder mit Ausnahme von mir, die nun schon fast schlenderte, um hier und da in die Geschäfte zu schauen. Immerhin hatte ich keinen Zeitdruck.
„Vielleicht was frühstücken..." ,seufzte ich, als ich bereits den Duft von frischem Gebäck und Kaffee ausmachen konnte.
„Nein, -dN-, das ich dich noch mal wiedersehen würde" ,rief plötzlich eine freundliche Stimme. Ich sah dem Ausruf nach und entdeckte ihn: Onyankopon. Seinen Hut leicht ins Gesicht ziehend, um dem Blenden der Sonne zu entgehen, lief er mir entgegen. Eilig wich er dabei einigen Leuten aus, bis er mich einfach umarmte.
„Onyankopon" ,meinte ich und erwiderte diese Geste.
„Du bist gesund und munter. Ein Glück, -dN-. Was führt dich nach Marley?"
Mein alter Bekannter ließ von mir ab, nur um mir grinsend die ersten Fragen entgegenzuwerfen. Wie zur Zeit unserer Zusammenarbeit – sie war von einem reichen Informationsaustausch für meine Heimat und der Anti-Marley-Bewegung geprägt – wirkte er ausgeglichen und fröhlich.
„Ich bin auf Reise" ,warf ich ein, bevor mich Onyancopon bereits unterbrach:
„Du hast nichts vor, oder -dN-? Komm, ich lade dich auf einen Kaffee ein!"
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Spin Off - Grenzen vergessen Levi x Reader
RomanceWer sagt, dass das Schicksal immer gleich ablaufen muss? Wer meint zu wissen, wie sich ein Moment auswirken kann, während ein Andere das ganze Leben in sich verschluckt? Wer weiß schon, was das richtige Ende ist und was vielleicht nur ein Traum war...
