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Jake POV

Ich war in Rekordzeit im Krankenhaus und begann alles und jeden auch die nächsten Stunden vorzubereiten.

Keiner wusste bisher, wie viele verletzen wir bekommen werden. Es kann sein, dass wir sehr viele verletzte Kinder und Lehrer bekommen, oder auch keinen einzigen. Entweder weil es keine gibt, oder weil alle Tod sind. Alles ist Möglich und wir mussten alles in Betracht ziehen.

Der Umgang mit verletzten Kindern und Jugendlichen ist immer schwer, aber ein Amoklauf war trotzdem etwas anders. Es versuchte unfassbar viel Leid, auch wenn man nicht persönlich betroffen ist. Auch für mein personal ist dies eine Belastungsprobe und der ein oder andere, wird das nicht können.

Es lag an mir zu entscheiden wen ich wo einteile und wem ich was zutraue.

In erster Linie geht es darum, für die Opfer die Best Mögliche Behandlung zu gewährleisten und alles andere kam erst danach.

Es dauerte nicht lange, bis wir die ersten Opfer bekamen. Es waren Jugendliche im Alter meiner Geschwister. Von einem Streifschuss am Arm bis zu mehreren Kugeln im Oberkörper war alles dabei.

Ich verteilte die Opfer auf verschiedene Ärzte, als Jackson, mein bester Freund und Leiter der Notaufnahme zu mir gerannt kam, „wir haben eine Anmeldung für einen neuen Rettungswagen bekommen. Schusswunde im Unterarm und Bauch. Es ist Mila. Sie ist bei Bewusstsein, hat aber viel Blut verloren. Sie ist jeden Moment hier, Luke ist bei ihr".

Das ist nicht das, was ich hören wollte. Ich hatte gehofft, dass Cole mich irgendwann anruft und mir Bescheid gibt, das Mila sicher und unverletzt bei ihm ist. Aber ich konnte an der Situation nichts ändern und ich musste ruhig bleiben so wie ich es immer tat.

Mila ist bei Bewusstsein, dass ist schon einmal sehr gut. Alles Weitere sehen wir wenn sie hier ist. Ich pickte mir meine besten verfügbaren Ärzte in einen Trauma Raum. Mila wird die beste Behandlung bekommen, die wir ihr bieten können.

Bevor ich allerdings weiter darüber nachdenken konnte, wurde sie bereits in die Notaufnahme geschoben. Ich konnte die Angst und die Schmerzen in ihren Augen sehen.

Sie befand sich in einer absoluten Ausnahmesituation. Erst der Amoklauf, jetzt im Krankenhaus. Das waren Momente mit sehr hohem Stresslevel für sie.

Sie klammerte ihre Hand an die von Luke, welcher völlig überfordert neben der Liege her lief. Ich beschloss zuerst zu ihm zu gehen. Er kann nicht mit in den Trauma Raum.

Ich weiß nicht genau wie Milas Zustand ist und würde es nicht riskierte Luke noch weiter damit zu traumatisieren, was eventuell dort mit Mila passiert. Also stoppte ich ihn, während Mila Weg gebracht wurde. Überfordert sah er mich an.

„Ich kümmere mich um Mila, versprochen. Du musst hier bleiben. Kannst du mir sagen, was passiert ist?", ich würde mir gerne mehr Zeit für Luke nehmen, aber Mila hatte Priorität. „Der Amokläufer hat aus dem Fester geschossen und sie am Bauch erwischt. Sie ist sofort zusammen geklappt. Keine Ahnung was mit ihr ist", Luke war total durcheinander. Kein Wunder.

„Geh zu Mila, ich bringe ihn hier Weg" hörte ich Jacksons Stimme neben mir. Dankbar sah ich ihn an, bevor ich zu dem Trauma Raum meiner kleinen Prinzessin lief.

Regungslos lag sie auf der Liege. Anhand der Bilder an der Wand konnte ich erkennen, dass die Ärzte gerade ein Röntgenbild gemacht hatten. Ich warf einen kurzen Blick darauf, sowie auf Milas offene Bauchwunde bevor ich mir ihr widmete.

Sie war völlig überfordert. Die Augen Angsterfüllt. Ich versuchte sie zu beruhigen. Es war ihr anzusehen, dass sie nur noch teilweise mitbekam, was um sie herum geschieht. Das kommt zum einem von dem Blutverlust, aber zum anderen auch von dem Schockzustand, in dem sie sich immer noch befindet.

Ich sprach mit meinen Ärzten, was komplett an Mila vorbei ging, bevor ich ihr erklärte, dass wir ein CT machen mussten. Mir war bewusst, dass sie auf jeden Fall operiert werden muss, aber das verschwieg ich ihr noch ein wenig. Sie wird von Sekunde zu Sekunde abwesender und bekommt weniger mit, je später ich ihr das erzähle, umso weniger wird sie davon mitbekommen.

Als es dann aber zu dem Punkt kam, an dem ich es ihr sagte, wurde sie wie erwartet sehr nervös.

Auf dem CT war zu sehen, dass die Kugel zwar keine lebenswichtigen Organe verletzt hatte aber Mila starke innere Blutungen hatte.

Das war durchaus weniger, als ich erwartet hatte, allerdings war auch das sehr ernst und durfte nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Ich hielt ihre Hand, bis sie in die Narkose gefallen war und intubierte sie, bevor ich ihr sanft durch die Haare strich. Sie sah so friedlich aus. Es wird wahrscheinlich das letzte Mal für eine Weile sein, dass sie so friedlich schlafen wird wie gerade.

Mal ganz von den körperlichen Verletzungen angesehen, wird das alles auch psychisch sehr viel in ihr Auslösen. Nur weil sie körperlich vielleicht wieder vollständig gesund wird, bedeutet das nicht das gleiche für ihre psychische Gesundheit.

Ein Amoklauf war immer schrecklich für alle, aber es war etwas anderes wenn die kleine Schwester plötzlich dabei verletzt wird. Sie wird von meinen besten Ärzten operiert und ich wusste, dass sie dadurch die beste Chance hatte.

Ich fuhr mich durch die Haare während ich zurück in die Notaufnahme lief. Jackson hatte hier übernommen als Mila eingeliefert wurde. "Wie geht es Mila" fragte er als er mich sah. "Wird operiert, wir müssen abwarten. Wie sieht es hier aus?".

Wir haben viele verletzte des Amokläufers in die Notaufnahme bekommen, wobei bei einigen er sehr kritisch aussah.

"Die schwerverletzten sind alle im OP, es gibt mehrere Patienten mit Fleischwunden, sie warten bis ein OP frei wird und werden dann operiert. 2 Schülerinnen sind verstorben bevor sie es in den OP geschafft haben. Wir haben ein Notfall Seelsorge Zimmer für die Familien eingerichtet, das FBI wird bald kommen um die Schüler zu identifizieren, dann können wir mit den Eltern sprechen" brachte Jackson mich auf den neusten Stand.

"Du hast das im Griff, oder?". Jackson machte sehr gute Arbeit und die Notaufnahme war in guten Händen. "Natürlich. Kümmere dich um Mila und Luke. Ich habe ihn in Behandlungszimmer 28 gesetzt, dort hat er seine Ruhe, aber ich hatte noch keine Zeit nach ihm zu sehen", erwiderte mein bester Freund. "Danke dir".  Ich sah mich nochmal kurz in der Notaufnahme um, bevor ich mich auf den Weg zu Luke machte...

Big Brothers 8Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt