„Mila", begann Alex: „ich habe kein Problem mit dir darüber zu reden, aber du darfst das nicht auf dich Anwenden. Ich war in einer ganz anderen Situation als du es bist und du kannst das nicht wirklich vergleichen".
Ich nickte. Meine Brüder haben nie mit mir darüber gesprochen, obwohl ich wusste, dass Alex wie auch Cole und Mike bereits angeschossen wurden.
„Ich wurde das erste Mal in Afghanistan angeschossen. Mir war bewusst worauf ich mich einlasse, ich war darauf trainiert und wusste, dass es jederzeit passieren konnte. Aus Erfahrungen von anderen Soldaten, ist es oft nur eine Frage der Zeit, die bei mir eben früher kam. Es war nichts Besonderes, wir hatten ein kleines Gefecht mit den Taliban. Als wir vorgerückt sind, hat mich eine Kugel in der Schulter erwischt. Es hat geblutet, aber es tat nicht sonderlich weh. In dem Moment ist man voller Adrenalin, der den Schmerz betäubt.
Ich habe mich zurückgezogen, bin ins Lazarett und die Kugel wurde entfernt. Ich durfte ein paar Tage das Camp nicht verlassen, bin dann aber sehr früh wieder mit ausgerückt. Im gleichen Einsatz wurde ich nochmal angeschossen, aber auch das war nichts Besonderes.
Das nächste Mal war beim FBI, wie du weißt. Wir hatten einen Einsatz. Ich darf nicht sagen worum es ging, aber wir mussten auf jeden Fall schnellstmöglich in ein Gebäude hinein, aus diesem allerdings auf uns geschossen wurde. Wir würden in solchen Fällen normalerweise auf das SWAT warten, aber so viel Zeit hatten wir nicht. Also sind vor vorgerückt.
Als wir kurz davor waren rein zu gehen, bleib eine der Kugeln in meinem Oberarm stecken. Trotzdem haben wir den Einsatz durchgezogen und ich bin danach ins Krankenhaus und habe die Kugel entfernen lassen. Ich denke, dass was ich interessiert ist nicht wie ich angeschossen wurde, sondern wie ich damit umgegangen bin. Aber genau das ist das, was du nicht von mir kopieren kannst.
Mir ist die ganze Zeit Bewusst gewesen und immer noch Bewusst, dass ich sowohl im Krieg als auch mein FBI jederzeit verletzt oder getötet werden kann. Das ist ein Risiko, mit dem ich im Klaren und mit dem ich Einverstanden bin. Ich weiß, dass es passieren kann, zu jeder Zeit. Aber ich weiß auch, dass es nichts Persönliches ist und das ist das Entscheidende.
Klar, ich könnte mir hunderte von Fragen stellen und ausmalen, was hätte alles passieren können, aber das bringt mich nicht weiter. Was mir immer geholfen hat ist wie gesagt, dass es nie etwas Persönliches war. Ich bin, übertrieben gesagt, der Feind, der alles kaputt machen möchte. Oft denken die Menschen nicht über die Konsequenzen nach, was sie mit einer Waffe anrichten können bevor sie schießen, oder es ist ihnen egal.
In dem Moment in dem sie auf mich schießen, wollen sie ihre Leben verteidigen und das was sie haben, dass ich ihnen kaputt machen könnte. Und um das zu machen, schießen sie auf mich. Das hat nichts mit mir zu tun, sondern einfach mit meinem Beruf. Außerdem kenn ich auch die andere Seite. Ich schieße auch auf Menschen und ich habe bereits mehrere Menschen erschossen. Nicht aus Böswilligkeit oder Ähnlichem. Wir schießen um Gefahr von Leib und Leben abzuwehren, also schieße ich auf Menschen um andere zu schützen. Das ist mein Grund warum ich auf Menschen schieße, auch das hat keine persönlichen Gründe.
Genauso so wenig die der Amokläufer. Er hatte seine eigenen Gründe um auf dich zu schießen, aber das hatte nichts mit dir oder deiner Persönlichkeit zu tun. Du kannst dich jetzt immer fragen, warum er auf dich geschossen hat, aber du wirst nie eine Antwort darauf bekommen, die du nachvollziehen kannst. Es gibt meistens Gründe für einen Amoklauf: Mobbing, Hass, Rache, es sei mal dort hin gestellt was das Motiv für diesen Amoklauf war, aber egal was es ist, es wird nie Rechtfertigen, warum jemand deswegen auf Menschen schießt. Du kannst dich jetzt entweder mit der „Warum" frage kaputt machen, oder du versuchst dich damit abzufinden keine Antwort darauf zu bekommen und suchst dir deinen eigenen Weg, wie du damit zurechtkommst. Das klinkt hart und unfair, aber das Leben ist leider nicht immer fair.
Was du aber auch nie vergessen darfst ist die Ausgangslage. Egal wo ich bin, ob es im Krieg war oder ein FBI-Einsatz ist, ich hatte immer eine andere Ausgangslage als du. Ich bin auf solche Situationen trainiert, ich weiß worauf ich achten muss. Ich kenne meine Gegner. Außerdem hatte ich immer mindestens 1 Pistole bei mir und kenne mich mit Waffen aus, also konnte ich zurück schießen. Ich hatte jedes Mal eine Kugelsichere Weste an und war somit geschützt. Und ich war nie alleine. Ich hatte und habe immer ein Team, also selbst wenn irgendetwas schief geht, es ist immer jemand da der aushelfen kann.
In der Situation gestern, hattest du eine ganz andere Ausgangslage. Du konntest dich nicht wehren, du warst alleine, hilflos und verletzlich und nicht geschützt. Du kennst solche Situationen nicht und weißt nicht wie du dich verhalten sollst. Du hast nicht die Erfahrung und Routine die ich habe. Das was dir gestern passiert ist, kannst du deshalb nicht mit dem vergleichen was mir passiert ist, oder Cole oder Mike.
Wenn mir jemand mit einer Waffe gegenüber tritt, selbst wenn ich keine hätte, ich sehe bereits an der Körpersprache wie stark der Wille der Person ist die Waffe zu benutzen. Ich erkenne den Moment, bevor die Person schießen wird und ich weiß wie ich jemandem die Waffe enteignen kann, ohne dabei verletzt zu werden. Wenn du nach heute jemanden mit einer Waffe siehst der auf dich Zielt, wirst du dich anders verhalten. Weil du andere Erfahrungen gemacht hast, weil du nicht die Kenntnisse hast die ich habe, weil Waffen eine andere Bedeutung für dich haben als sie für mich haben. Aber niemand erwartet von dir, dass du so regierst wie wir es tun.
Es ist okay Angst zu haben, vor allem nach gestern. Du musst für dich einen Weg finden, wie du damit klar kommst, dass auf dich geschossen wurde und jemand versucht hat dich umzubringen. Das ist nicht schön zu reden und die Wahrheit. Wir helfen dir dabei, dass weißt du, aber nur du kannst für dich heraus finden was dir hilft".
Jemand hat auf mich geschossen und versucht mich umzubringen, es liegt an mit, wie ich damit umgehen werde. Es klang logisch, aber es war das eine das zu verstehen und das andere das auch umzusetzen und ich wusste nicht, ob ich jemals lernen werde mit dem was gestern passiert ist klar zu kommen.
Ich fühlte mich komischerweise trotzdem ein klein wenig besser, aber ich wusste auch, dass dieses Gefühl nicht echt war.
Unter diesem Oberflächlichen, falschen Gefühl, spürte ich noch immer die Trauer, den Schmerz und die Angst und ich wusste, dass dieses Gefühl, das wahre, echte Gefühl, bald an die Oberfläche kommt und mich der Amoklauf mit voller Wucht treffen wird...
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Big Brothers 8
AvventuraDer 8. Teil von Big Brothers. Beginnt am besten bei Teil 4, alles andere davor ist sehr schlecht geschrieben.
