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Cole POV

Nachdenklich sah ich mir die verschiedenen Akten an. Mike, Alex und ich hatten uns schon früh morgens zusammen in den Garten gesetzt um nochmal alles rund um die vermissten Mädchen durchzugehen. Während Alex aktiv an dem Fall arbeitete waren Mike und ich bisher nur über die einzelnen Schritte informiert worden.

Wir hatten beschlossen, dass wir zu dritt nochmals alles von Beginn an durchgehen um sicherzustellen, dass nicht doch etwas übersehen wurde. Oft fällt einer Person, die bisher nicht direkt involviert war etwas auf, was anderen eventuell untergegangen war, jedoch nicht in diesem Fall.

Seit 4 Stunden gingen wir alle Möglichkeiten durch, aber hatten trotzdem keinen neuen Anhaltspunkt. Auch der Fakt, dass niemand etwas gesehen hatte und es keine Zeugen gab, erschwerte uns die Arbeit. So groß Los Angeles war und so viele Menschen sich hier aufhielten und bewegten, so blind und eigenfixiert waren sie leider auch oft und bekamen nicht mit, was eventuell genau neben ihnen passierte.

"Also, wie sollen wir weiter machen?", richtete sich Alex fragend an uns. Wir sind inzwischen wirklich alle Möglichkeiten und Chancen zusammen durch gegangen, aber haben keine neuen Erkenntnisse erlangt. "Wir müssen weiterhin auf Hinweise aus der Öffentlichkeit warten", erwiderte Mike.

Diesen Samstag kam die kleine Dokumentation über die vermissten Fälle heraus. Wir haben mit der Film Produktion kooperiert, sodass diese Wahrheitsgetreu die einzelnen Fälle und Mögliche Tathergänge wiedergeben konnten und gaben ebenfalls ein Täterprofil bezüglich möglicher Eigenschaften und Charakterzüge heraus. Wir erhofften uns dadurch, dass die Menschen zum einen aufmerksamer wurden, aber zum anderen auch Hinweise, die uns zu einem möglichen Täter führen können.

"Ihr habt in der Landesweiten Datenbank nach ähnlichen Fällen gesucht, oder?", richtete ich mich an Alex. Der Täter war so gut organisiert, dass wir nicht davon ausgingen, dass dies seine ersten Entführungen waren. "Ja, wir haben ebenfalls in Kanada und Südamerika die Datenbanken durchsucht, aber nichts gefunden", erwiderte Alex.

"Habt ihr auch nach verschwunden Personen in Obdachlosenheimen gesucht?", hakte nun Mike nach, was Alex wieder bejahte. Viele Jugendliche wohnten in Obdachlosenheimen nachdem sie von zuhause weggelaufen waren. Sie waren oft nicht sehr verlässlich und reisten von einem Heim in das andere. Falls dort mal ein Jugendlicher verschwinden würde, wäre es also schwer nachzuvollziehen.

Es wäre für einen Täter also ein leichtes Opfer zu entführen, ohne, dass jemand sie vermisst, aber auch dort ist in letzter Zeit niemandem etwas aufgefallen. Falls wir herausfinden würden, ob und wo er diese Fähigkeiten, Mädchen quasi spurlos zu entführen erlangt hat, können wir eventuell auch Rückschlüsse auf den Täter ziehen. Jedoch war es ebenfalls nicht das einfachste das herauszufinden.

Wir hatten offen und ehrlich gesagt nicht wirklich eine Spur und alle Hinweise verliefen bisher ins Leere. Gerade, als ich noch etwas sagen wollte, kam ein verschlafener Luke zu uns in den Garten.

Gähnend und mit verstrubbelten Haaren setzte er sich zu uns an den Tisch. "Auch schon wach?", fragte Alex schmunzelnd mit Blick auf die Uhr, die bereits 1 pm anzeigte. "Sind Ferien", brummte Luke müde, während ich meinen Laptop schloss. Es war uns zum einen wichtig, dass die Jungs und Mila nicht viel von unserer Arbeit mitbekamen, aber zum anderen wollten wir auch nicht immer arbeiten, wenn sie bei uns sind.

"Ich habe Hunger", sagte Luke gähnend. "Dann mache dir was zu essen", erwiderte ich. Luke sah mich augenverdrehend an. "Ich glaube, da wurde jemand etwas zu sehr verwöhnt in letzter Zeit", sagte ich leicht kopfschüttelnd.

"Ihr sagt doch immer, dass wir noch nicht erwachsen sind, warum müssen wir dann unter unmenschlichen Umständen so früh am Morgen selber für unser Essen sorgen", erwiderte er müde, während er sich langsam von seinem Stuhl erhob. "Ganz hartes Leben", erwiderte Alex schmunzelnd. "Ja, total", sagte Luke ernst, bevor er ins Haus schlürfte.

Das Summercamp der Jungs wurde auf unbestimmte Zeit nach hinten verschoben. Nach dem Amoklauf gab es deutlich mehr Absagen als erwartet, sodass die Veranstalter erstmal abwarten wollten bis die alles wieder etwas beruhigte. Ich konnte verstehen, dass die Jungs genervt davon waren. Der Amoklauf hat auch in ihrem Leben viel durcheinander gebracht und ihnen hätte das Camp mit Sicherheit gut getan.

Wir waren froh, dass die Jungs inzwischen wieder ihren Spaß hatten, abends weg gingen und alles andere machten, was sie vor dem Amoklauf auch getan haben. Auch wenn sie nicht direkt daran beteiligt waren, hat sie das alles natürlich trotzdem tangiert. Alleine schon wegen Mila.

Auch Dylan kam inzwischen gut mit Lennys Tod zurecht. Es war gut, dass wenigstens für ihn, Luke und Mason das Leben wieder weiter ging, ohne, dass sie negativ von den Ereignissen beeinflusst wurden. Liam war da sowieso anders und Milas Situation konnte man damit ebenfalls nicht vergleichen. Aber auch sie machte sehr große Fortschritte und es ging in die richtige Richtung.

Verschlafen schürfte Luke mit einer Müslischale in der Hand zurück zu uns in den Garten. Er war wie auch sein Zwilling und Mason ein richtiger Morgenmuffel. Sie brauchten ihre Zeit um wach zu werden und in dieser Zeit konnte man auch nicht sonderlich viel mit ihnen anfangen. "Sollen wir nachdem du gegessen hast 'ne Runde laufen gehen?", fragte Alex an Luke gerichtet, was dieser mit einem Nicken beantwortete.

Egal wie müde er war, bei Sport war er immer dabei. Es war gut, dass alle Jungs im Sport ihren Ausgleich gefunden hatten und das auch gerne, manchmal zu gerne, ausübten.

Während Luke sein Müsli löffelte, kamen auch Dylan und Mason nacheinander in den Garten. Sie waren genauso verschlafen und dementsprechend ruhig war es am Tisch. Erst als sie sich umziehen gingen und anschließend zurück kamen war etwas leben in ihnen und sie begannen sich gegenseitig zu ärgern, wie sie es nur allzu gerne machten.

Auch wenn manchmal die Stimmung etwas dabei kippte und es auch sehr anstrengend sein konnte, gehörte das zu ihnen dazu. Würden sie sich nicht gegenseitig ärgern wäre etwas nicht in Ordnung. Schmunzelnd beobachtete ich ihre Kabbeleien, bis Alex ebenfalls umgezogen zurück kam und die Jungs mit zum Joggen nahm.

Nachdem sie weg waren, öffneten Mike und ich wieder unsere Laptops und besprachen das weitere Vorgehen. Auch wenn wir bisher keiner verwertbare Spuren hatten, war es nur eine Frage der Zeit bis wir den Täter fassen werden. Irgendwann macht jeder einen Fehler...

Big Brothers 8Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt