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Cole POV

Immer wieder sah ich von meinem Laptop auf um zu Mila zu blicken. Nachdenklich saß sie auf dem Stuhl und starrte Löcher in die Luft.

Die letzten Tage wurden besser und wir gingen regelmäßig mit ihr nach draußen an die frische Luft. Nach anfänglichen Schwierigkeiten begann sie sich langsam wieder wohler zu fühlen, auch außerhalb des Hauses, was sich auch in ihrer Stimmung widerspiegelt.

Sie kam vorhin schon fast euphorisch von einem Spaziergang mit Jake zurück, aber während des Frühstückes war ihr anzusehen, wie ihre Stimmung zu kippen begann. Ihre Köpersprache begann sich zu ändern. Sie zog ihre Beine an ihren Körper, verlor ihre Körperspannung und saß wortlos und ruhig auf ihrem Stuhl. Ihre Augen wurden immer leerer und ihr Blick immer trauriger. Es ging ihr bereits deutlich besser, aber trotzdem überwiegten die schlechten Momente noch deutlich.

Wobei es ihr selbst in diesen bereits besser ging. Sie war nicht mehr ganz so traurig und emotional wie zuvor und konnte alles etwas rationaler Betrachten. Trotzdem ging es ihr natürlich noch schlecht. So gerne wir ihr helfen würden, ist das leider nicht immer möglich. Sie muss durch diese Momente durch, das gehörte zum Prozess dazu und wir konnten ihr das nicht abnehmen.

Umso mehr freuten wir uns natürlich über ihre Fortschritte. Sie lachte wieder, hatte ein paar unbeschwerte Momente und fand in winzigen Schritten und in kleinen Momenten wieder die Freude am Leben. Mila begann sich wieder gegen die Jungs zu wehren, wenn ihr etwas nicht passte und hatte auch bereits den ein oder anderen launischen Moment. Das alles passierte in ihren guten Phasen, die sie aktuell 1-2 Stunden am Tag hatte.

Es wird in den nächsten Tagen und Wochen immer besser werden. Die guten Phasen werden besser und länger und die schlechten weniger schlimm und kürzer werden. Das alles war ein langer Prozess und es wird trotz allem noch eine Weile dauern, bis sie wirklich wieder in ihr Leben zurück finden kann.

Sie wird trotz allem auch die schlechten Phasen beibehalten und niemand kann beantworten, ob diese auch irgendwann vollständig weggehen werden. Der Amoklauf war nun Teil ihres Lebens und es hat und wird sie und ihr Leben auch weiterhin verändern. Die Frage ist nur, wie sehr sie das negativ beeinträchtigt.

Es ist das eine, wenn es ihr hier im Haus, wo sie sich sicher fühlt und ihre Umgebung kennt, besser geht und sie sich wieder sicherer fühlt, wenn sie mit uns unterwegs ist, aber sie muss auch lernen alleine wieder zurecht zu kommen und das auch außerhalb ihrer gewohnten Umgebung und mit fremden Menschen. So gerne wir ihr dabei helfen würden, können wir das nicht und wir werden die Hilfe einer außenstehender Therapeutin in Anspruch nehmen, die sie dabei unterstützen soll, dass sie sich auch in der Öffentlichkeit wieder wohl und sicher fühlt.

Dabei sprechen wir von einer Praxis bezogenen Therapie, bei der die Therapiestunden nicht wie gewohnt in einem Büro stattfinden, sondern die Therapeutin mit Mila nach draußen geht. Dabei soll sie gleich in der Praxis lernen mit ihrer Angst und Unsicherheit umzugehen.

Wenn wir das mit ihr machen würden, würde es nicht so gut funktionieren, wie mit einer außenstehenden Person. Mila vertraut uns und weiß, dass wir immer auf sie aufpassen. Sie fühlt sich sicher in unserer Gegenwart und selbst wenn wir mit ihr raus gehen und sie versuchen soll, sich alleine wieder wohl und sicher zu fühlen, ist das immer anders, da sie weiß, dass wir jederzeit eingreifen werden sollte etwas sein.

Einer außenstehende Person, die sie nicht kennt, vertraut sie nicht so leicht und hat auch nicht das Gefühl, das diese Person auf sie aufpassen wird, falls etwas sein sollte. Sie ist dabei wirklich auf sich gestellt, wie es später auch sein wird wenn sie alleine unterwegs ist.

Es war essenziell wichtig, dass sich Mila auch ohne uns wider wohl und sicher fühlt. Sie ist 15 und sollte Spaß und Freude am Leben haben und nicht ausgebremst werden durch das, was geschehen ist.

Wir hatten bereits mit Mila über das Thema Therapie gesprochen, aber sie wollte es noch nicht. Es war verständlich, dass sie noch nicht bereit dazu war und wir wollten sie auch nicht dazu drängen. Wir wollten es nur angesprochen haben, dass Mila weiß, dass sie Hilfe und Unterstützung bekommt ihre Ängste zu besiegen und sie das nicht alleine machen muss. Es war im Moment auch noch zu früh für diese Art von Therapie.

Mila war noch nicht so weit sich damit zu beschäftigen alleine raus zu gehen und das in den Griff zu bekommen. Sie musste zuerst mit ihrem Leben innerhalb des Hauses klar kommen. Es war schon sehr gut, dass sie mit uns raus ging, allerdings war es ein sehr großer Schritt, wenn sie das auch alleine machen soll.

Wir werden sie in den nächsten Tagen immer mehr mit raus nehmen, dass sie sich zuerst in unserer Nähe wieder an alles gewöhnen kann, ihr aber alle Zeit geben die sie braucht. Bevor wir sie alleine raus lassen, mussten wir auch nochmal mit ihr über das ganze Waffenthema reden.

Sie war, selbstverständlich, sehr sensible geworden und wir hielten das alles bisher bewusst von ihr fern. Mike und Alex trugen ihre Waffen nicht mehr offen wenn sie von der Arbeit kamen oder hingingen und die Jungs durften keine Filme anschauen oder Spiele spielen die Waffen involvierten, wenn Mila in der Nähe war. Das war alles noch zu früh für sie.

Wenn sie dann allerdings alleine nach draußen geht haben wir keinen Einfluss mehr, wann und ob ihr das Thema begegnet. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis sie jemanden mit einer Waffe auf der Straße sieht oder Schüsse hören wird. Das ist leider keine Seltenheit bei uns, allerdings jetzt mit dem Unterschied, dass Mila vor allem zu Beginn sehr sensibel darauf reagieren und wahrscheinlich sehr überfordert sein wird.

Natürlich konnten wir auch jetzt nicht zu 100% ausschließen, dass sie dem Thema Schusswaffen auch mit uns nicht begegnen wird, aber selbst falls das der Fall sein sollte sind wir bei ihr und sie ist nicht alleine. Abgesehen davon ist es mehr als unwahrscheinlich, dass hier in Beverly Hills oder an den anderen Orten, zu denen wir mit ihr hingehen möchten, Menschen offen ihre Waffe trugen oder es eine Schießerei gab.

Mila mit dem Thema zu konfrontieren hatte aktuell keine Priorität. Einen Schritt nach dem anderen. Mila jetzt zu überfordern würde ihr nur schaden, ganz davon abgesehen gab es keinen Zeitdruck und sie bekommt so viel Zeit wie sie braucht. Jetzt arbeiten wir erst einmal daran ihre Fortschritte auszubauen und gewöhnen sie wieder etwas an das Leben außerhalb des Hauses mit uns an ihrer Seite und dann sehen wir weiter...

Big Brothers 8Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt