Harry
„Danke, Mister Black", sage ich zu Black und schüttle ihm breit lächelnd die Hand. „Das bedeutet mir wirklich sehr viel. Sie bereiten mir damit eine riesige Freude."
Black lächelt ebenfalls. „Keine Ursache, Harry! Selbst ich als alter Hase sollte junger Liebe nicht im Weg stehen."
Das Grinsen scheint mir gar nicht mehr von den Lippen zu gehen. „Vielen, vielen Dank. Sie können mich dennoch jederzeit über meine Handynummer oder E-Mail erreichen, falls neue Termine anstehen."
„Ach, mach' dir darum erst mal keine Gedanken, Junge." Er klopft mir väterlich auf die Schulter. „Genieß deine Zeit in London und komm erst mal von dem ganzen Stress weg. Die Woche war wirklich hart für dich, da hast du dir das Wiedersehen mit deiner Freundin wirklich verdient! Aber bring mir doch ein kleines Souvenir aus England mit, wie wäre das? Ich war da schon seit einem Jahrzehnt nicht mehr."
„Selbstverständlich, ich werde es nicht vergessen."
Glücklich verlasse ich Black's Büro.
Endlich. Endlich kann ich Raven wiedersehen. Ich dachte nicht, dass Black mir einfach so erlauben würde, mal für zwei Tage nach England fliegen zu können, weil ich noch nicht mal zwei Wochen hier bin, doch das ist mir jetzt egal.
Wichtig ist, dass gleich zehn Uhr ist – in England vier Uhr – und das bedeutet, ich kann gleich mit Raven telefonieren. Vorausgesetzt sie hat ihr Handy eingeschaltet oder ignoriert meinen Anruf nicht. Sie hatte jetzt eigentlich genug Zeit sich zu beruhigen.
„Hey, wieso so glücklich?", fragt Stacy Sunshine breit grinsend, als ich gerade an der Rezeption vorbeilaufe.
Ich nutze sofort die Chance. Jetzt kann ich ihr endlich unbewusst klarmachen, dass ich verdammt nochmal vergeben bin und sie aufhören soll mir ständig an den Eiern zu kleben. „Ach, weißt du", sage ich glücklich und lehne mich zu ihr über die Theke.
Sie sieht mich mit großen Augen an und scheint darauf zu warten, dass ich ihr meine Liebe gestehe.
„Ich werde nach London zu meiner reizenden Freundin fliegen."
Ihre Miene zerfällt innerhalb von Sekunden zu Staub.
„Ich habe sie so vermisst in der letzten Woche, Stacy", seufze ich. „Es ist wirklich unglaublich, wie sehr ich sie liebe. Ich wünsche dir, dass du irgendwann auch mal so verliebt bist, wie ich."
Stacy Sunshine sieht auf ihren Computer und schiebt sich die Brille zurecht. Ihr Ausdruck ist ganz und gar nicht mehr glücklich, fast schon genervt. „Schön", sagt sie und versucht zu lächeln, doch keine Chance. „Viel Spaß."
Eins zu null für mich, Stacy Sunshine.
Und als ich mich gerade von ihr verabschieden will, klingelt um punkt zehn Uhr mein Handy.
Ich lächle noch breiter. Ich wusste, dass sie anrufen wird. Raven wird eben immer Raven bleiben.
„Hey", melde ich mich glücklich und schon fast trimumphirend.
„Hey." Raven seufzt und mein Herz geht bei ihrer wohligen Stimme auf, auch wenn sie traurig klingt.
Es herrscht Stille in der Leitung und ich weiß ganz genau, dass sie weiß, dass sie sich entschuldigen muss. Es fällt ihr jedes Mal schwer, sich zu entschuldigen.
„Ja?", hacke ich deshalb breit grinsend nach und versuche ernst zu klingen.
Wieder seufzt Raven.
Nun spuck's schon aus, Baby.
„Ich bin ein Idiot", sagt Raven leise.
Ich sage nichts, um sie noch ein wenig zappeln zu lassen.
„Aber ich will dir sagen, dass ich dich liebe", fährt sie fort. „Und du fehlst mir. Und ich liebe dich und ich vermisse dich und ich liebe dich über alles."
Wieder herrscht kurze Stille.
„Und es tut mir Leid", gibt sie schließlich zu. „Es tut mir wirklich, wirklich Leid und ich liebe dich."
Meine Gehässigkeit wird von Freude übertrumpft. „Weißt du was?"
„Ja?" Sie klingt fast ängstlich.
„Vielleicht sollten wir doch über eine Therapie nachdenken, damit ich anfange Flugzeuge zu mögen. Immerhin muss ich heute schon wieder neun Stunden fliegen. Ständig von London und wieder nach New York muss irgendwann mal reibungslos verlaufen, findest du nicht?"
Erst herrscht wiederkurze Stille, dann scheint sie zu verstehen. „Was?", quietscht Raven aufgeregt und von ihrer Reue merkt man rein gar nichts mehr. „Du kommst nach London?"
„Ja, ich komme nach London."
„O, mein Gott!", freut sie sich laut. „Das ist ja – Das ist Wahnsinn! O, man, ich liebe dich! Ich liebe dich so sehr!"
Ich lache leise. „Ich liebe dich auch, Baby."
„Ich kann es kaum glauben." Ihre Stimme wird weinerlich. „Du glaubst gar nicht, wie schrecklich ich mich letzte Nacht gefühlt habe und jetzt besuchst du mich. Ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich!"
„Spare dir deine ‚Ich liebe dich's' besser noch auf, bis ich in London bin. Du wirst sie gebrauchen müssen, nachdem was du gestern angestellt hast."
„Ja, natürlich." Sie klingt immer noch überglücklich. „Ich liebe dich!"
Da ich noch ein paar Sachen mit der Buchhaltung klären muss, haben wir dann jedoch schnell wieder aufgelegt.
Und eine verblüffte Stacy Sunshine starrt mich über die Rezeption an.
Ich seufze glücklich und sehe sie an. „Das war sie – meine Freundin. Ich kann es kaum erwarten sie wiederzusehen. Vielleicht konntest du ihre Freudenschreie ja hören."
Stacy Sunshine nickt nur mit offenem Mund.
Ich grinse. „Na dann." Glücklich klopfe ich zweimal auf die Theke. „Dann wünsche ich dir noch schöne Tage, Stacy. Wir sehen uns spätestens in vier Tagen."
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Lives Collide 2
Fanfiction"Er bildete ein schöneres Zuhause für sie, als das Haus in dem sie lebte." Dann ging ihre Geschichte weiter. Mehr Geheimnisse, mehr Kummer, mehr Liebe als je zuvor. Werden sie es schaffen glücklich zu sein, wenn sie auseinander gerissen werden? wr...
