Kleines Kapitel, aber es ist 5:41 Uhr, habt Gnade.
Harry
Ich sehe mit einem tiefen Kopfschmerz auf meine Armbanduhr.
Schon halb acht und ich sitze immer noch in diesem beschissenen Meeting. Es scheint kein Ende zu nehmen. Ich hätte niemals gedacht, dass es so verdammt kompliziert sein kann, ein einfaches Buch zu veröffentlichen. In England war das alles wesentlich unkomplizierter.
Jetzt breche ich schon das zweite Versprechen, dass ich Raven heute gegeben habe. Erst der Mist mit dem Mittagessen und jetzt komme ich auch noch erheblich später nach Hause, als gestern, obwohl ich um drei Schluss machen wollte. Eigentlich hatte ich vor heute Mittag mit ihr Klamotten für die Hochzeit zu kaufen, doch das ist dann wohl ins Wasser gefallen.
Black Poe fuckt mich nur noch ab.
Diese ganze Arbeit nervt mich und dank Steven plagt mich ständig der Gedanke, dass Angie Interesse an mir hegt. Ich habe heute extra darauf geachtet, wie sie sich in meiner Gegenwart verhält und mir kommt theoretisch nichts verdächtig vor. Ich meine, klar, sie macht mir Komplimente und ist wirklich lieb und zuvorkommend, doch ich denke, dass das einfach zu ihrem Wesen gehört. So ist sie nun mal.
Um viertel nach acht verlasse ich mit meinem Auto die Tiefgarage von Black Poe und schreibe Raven noch schnell eine Nachricht, dass ich jetzt nach Hause komme und es mir Leid tut, dass ich nicht früher kommen konnte.
Sie antwortet nicht.
Verdammt müde, stecke ich den Schlüssel in die Wohnungstür und öffne sie.
Zayn und Raven liegen auf der Couch. Sie hat mit geschlossenen Augen ihren Kopf auf seine Brust gelegt und er sieht mich an, während der Fernseher im Hintergrund läuft. Er hält sich den Zeigefinger vor die Lippen, um mir ein Zeichen zu geben, dass ich leise sein soll.
Raven scheint eingeschlafen zu sein.
Jetzt komme ich schon nach Hause, wenn sie bereits schläft. Das muss sich verdammt nochmal ändern.
Leise ziehe ich mir Schuhe und Mantel aus und setze mich neben Zayn und Raven.
Zayn hebt sie vorsichtig von seiner Brust und setzt sich aufrecht hin. „Stört es dich, dass ich hier bin?", fragt er unsicher.
Ich schüttle nur den Kopf und betrachte Raven bedrückt.
„Sie hat dir Abendessen gemacht", flüstert Zayn wieder und zieht sich seine Schuhe an, die vor der Couch stehen. „Sie wollte noch nicht essen, weil sie mit dir gemeinsam essen wollte."
Ich atme deprimiert tief ein und aus. „Ich konnte nicht früher gehen."
„Ist deine Sache. Ich finde nur, dass du es wissen solltest." Zayn geht zur Tür und zieht sich seine Lederjacke über. Er nickt mir noch zu, dann verschwindet er leise aus der Tür.
Mein Blick fällt wieder auf Raven. Sie sieht so lieblich und verletzlich aus, wenn sie schläft.
Sie hat sogar Abendessen für uns beide gemacht, weil sie dachte, ich würde nach Hause kommen, wie ich es ihr versprochen hatte.
Mein einziger Trost ist, dass sie Zayn anrufen konnte, damit sie nicht alleine ihren Tag hier verbringen musste.
Ich stehe auf, um sie die Treppen hoch in unser Schlafzimmer zu tragen. Sie bekommt Rückenschmerzen von der Couch, das weiß ich.
Ein kleines Seufzen verlässt ihre Lippen, als ich die Treppen hochgehe. „Du bist Zuhause", murmelt sie leise und kuschelt sich enger an meine Brust.
Ich öffne mit meinem Fuß die Schlafzimmertür und lege sie mit Vorsicht auf das Bett. „Ja, ich bin Zuhause."
Sie öffnet ihre schönen braunen Augen und sieht mich an, als sie sich langsam aufrichtet. „Ich bin wohl eingeschlafen."
Ich schürze schuldbewusst die Lippen und ziehe mir meinen Pullover und Jeans aus, damit ich mich zu ihr ins Bett legen kann. „Es tut mir Leid, dass es so spät geworden ist. Ich dachte nicht, dass das Meeting so lange andauern würde." Ich setze mich neben sie und ziehe ihr den Pullover über den Kopf, da sie sehr müde wirkt.
„Ist schon in Ordnung", wispert sie, als ich ihren Pullover neben das Bett fallen lasse.
„Nein, es ist nicht in Ordnung", sage ich leise, drücke sie sanft an ihrer Schulter in die Matratze und knöpfe ihre Hose auf, um sie ihr auszuziehen. „Sag nicht ständig, dass es in Ordnung ist, obwohl es das nicht ist."
Sie zieht sich ihr Schlafshirt über und legt sich mit mir unter die Decke.
Sie ist so bedächtig, das sieht ihr nicht ähnlich. Ich weiß ganz genau, dass sie das mehr belastet, als sie zugeben will.
Raven rutscht mit geschlossenen Augen zu mir heran und drückt sich fest an meinen Körper, schlingt ihre dünnen Arme um meinen Körper. „Ich will jetzt einfach nur hier mit dir sein", flüstert sie. „Ohne Diskussion, ohne Streit."
Trostlos und gleichzeitig hundemüde, streiche ich ihr mit der Hand über den Rücken und sage noch leise: „Okay."
Ich hasse diese ganze Situation. So sollte das alles nicht laufen. Ich wollte immer nach Hause kommen, mit ihr gemeinsam Essen und den Tag verbringen. So, wie es jetzt ist, war es nie geplant.
Ich wollte nicht so spät nach Hause kommen, dass sie bereits eingeschlafen ist. Mit dem Kopf auf der Brust von Zayn, weil ich nicht da bin.
Ich schaffe es nicht meine Augen zu schließen. Mein Blick ist auf den dunklen Himmel gerichtet, den ich durch die großen Fenster sehen kann. Auf die Sterne und den Vollmond.
Erst beginnt Raven davon zu reden in einem Büro zu arbeiten und jetzt muss sie auch noch ständig allein sein. Und ich fühle mich so scheiße schuldig.
Doch nächste Woche fliegen wir in die Karibik zu der Hochzeit meiner Mutter. Dort werden wir so viel Zeit für uns haben und können die Momente nachholen, die wir hier in N.Y nicht erleben können, weil ich dafür keine Zeit finde. Ich könnte es mir niemals verzeihen, wenn wegen Black Poe Enterprise irgendetwas zwischen uns in die Brüche geht. Niemals.
Ein Leben ohne sie ist unvorstellbar geworden. Ich will mir keinen Tag mehr ausmalen, an dem ich morgens aufwache und sie liegt nicht neben mehr. Ich liebe sie so sehr, ich liebe sie mehr als mein ganzes Leben. Und ich würde viel für sie aufgeben. Das macht mir zwar beschissene Angst, aber ja, ich würde viel für sie aufgeben, denn sie ist mein Sinn. Und ohne Sinn macht das Leben keinen Spaß.
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Lives Collide 2
Fanfic"Er bildete ein schöneres Zuhause für sie, als das Haus in dem sie lebte." Dann ging ihre Geschichte weiter. Mehr Geheimnisse, mehr Kummer, mehr Liebe als je zuvor. Werden sie es schaffen glücklich zu sein, wenn sie auseinander gerissen werden? wr...
