Kapitel 115 - Le Mula

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Ich möchte erstmal anmerken, dass diese Mula nicht wirklich existiert. Also zumindest nicht so, wie ich es hier beschreibe :D Aber es wäre natürlich sau cool!


Harry

Ich muss mir mehrmals über die Augen reiben, um auch wirklich zu kapieren, was ich hier gerade vor mir sehe. Bücher, überall Regale mit Büchern. Sprachlos trete ich einen Schritt nach vorne, um über den Rand des Balkons zu sehen, auf dem wir stehen. Es bietet sich mir eine halbe Unendlichkeit von Büchern. Zwischen den Regalen ist ein Durchgang auf dem Tische platziert sind.

Das ist sie also, Ravens Welt. Und sie ist ästhetischer, als ich sie mir je hätte vorstellen können. Ich kann mir schon genau ein Bild davon machen, wie Raven da unten an einem Tisch sitzt und durch die vielen Bücher stöbert.

"Was sagst du?", fragt Raven, die wieder neben mir auftaucht und mit mir geradeaus sieht.

"Es ist - ", ich muss kurz meinen Kopf schütteln, um wieder klar denken zu können. "Es ist Wahnsinn! Ich meine, sieh dich um!" Ich halte mir staunend die Hände an den Kopf. "Das sind ja abgöttisch viele Bücher!"

Raven kichert. "Ich wusste, dass es dir gefallen wird."

"Mir gefallen ist gar kein Ausdruck!"

"Komm", sagt sie lächelnd und geht nach links, ein paar Treppen von dem Balkon, zu den vielen Regalen.

Ich folge ihr, mit dem Blick immer noch auf diese wahnsinnige Aussicht, die sich uns bietet.

"Das hier ist keine normale Bibliothek", erzählt Raven, als wir durch zwei Regale hindurch laufen. Sie lässt ihren Finger an den Büchern streifen.

Ich höre ihr Aufmerksam zu.

"Es gibt sie schon seit hunderten von Jahren. Ich glaube, sie wurde 1638 gebaut, oder 1639, ich bin mir nicht mehr sicher, aber das Einzigartige hieran ist, dass all diese Bücher", sie macht eine allumfassende Geste, "zu neunzig Prozent aus selbstgeschrieben Gedichten, Poesie und sowas bestehen."

Wir laufen langsam immer weiter durch die folgenden Regale.

"Man findet hier wirklich sehr selten eine richtige Geschichte", erzählt Raven weiter. "Jede Woche findet hier eine Art Veranstaltung statt, in der Menschen sich versammeln und ihre eigenen Gedichte und Poesie vortragen. Deshalb mussten wir die Karten kaufen. Man kann selbst etwas vortragen oder auch einfach nur zuhören. Aber das, was die meisten anspornt hier ihre Gefühle zu veröffentlichen ist, dass jedes Gedicht, jede Poesie, jeder kleinste Spruch, der hier vorgetragen wird, in ein Buch eingetragen wird. Und so läuft das schon seit dem Mittelalter. All die Bücher hier beinhalten die Gedanken der Menschen von früher, die ihre Lyrik jedes Mal hier geschrieben haben und irgendwie scheint es immer noch eine Art Tradition zu sein, es bis heute beizubehalten."

"Und das wird heute auch passieren?", frage ich sie.

Sie nickt lächelnd. "Ja. Deswegen bin ich extra früher gekommen, ich wollte dir die Bibliothek unbedingt zeigen."

"Das war eine gute Idee", lächle ich und verfolge mit meinem Blick die unendlichen Bücher, die an uns langsam vorbeiziehen, während wir durch die Regale schlendern. "Und das hast du früher gemacht? Mit Leuten Poesie ausgetauscht?"

"Ja", meint sie. "Ich habe die Mula entdeckt, als ich zwölf war. Ich weiß noch, dass ich an dem Tag total schlechte Laune hatte, weil meine Mutter meinem Vater einen weiteren Job versaut hat und wir wieder kaum Geld hatten. Ich war so stur und genervt von allem, dass ich einfach abgehauen bin und mit dem Zug nach Amersham gefahren bin. Mein Dad hat sich höllische Sorgen gemacht." Sie lacht leicht, in Erinnerungen schwelgend. "Es hat geregnet und das Gebäude war das Einzige in der Nähe, das auf hatte, damit ich mich irgendwo reinsetzen konnte. Und als ich dann die Bibliothek betreten habe, war irgendwie alles anders. Es klingt bescheuert... Aber ich habe hier schon so viele Bücher gelesen, die voll mit den Gedanken und Problemen der Menschen der letzten Jahrhunderte sind und irgendwie haben sie mich jedes Mal aufmuntern können. Sie haben mir einfach auf irgendeine komische Art und Weise gezeigt, dass es Leute gab, die sich manchmal genau so gefühlt haben wie ich, nur halt unter andren Umständen und das hat mich immer wieder hier her gezogen."

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