Kapitel 200 - Ich verspreche es

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OMG WIE IHR MIT DEM KOMMENTAREN VOLL AUSRASTET! ICH LIEBE EUCH! <3

Raven

Ich halte mir die Hand vor den Mund und versuche den Atem anzuhalten, um Harry nicht mit meinem Schluchzen aufzuwecken. Ich starre immer wieder auf diese Nachrichten.

Er hat mich angelogen. Harry hat mich angelogen.

Jetzt hat mein Albtraum begonnen. Jetzt stecke ich mitten drin.

Ich atme tief ein und aus. Ein und Aus. Ein und aus. Ich muss mich beruhigen. Ich kann mir nichts anmerken lassen. Am liebsten würde ich Harry aus dem Bett zerren, ihm schreckliche Wörter an den Kopf werden, ihm sagen, wie ich mich fühle, was er anrichtet. Doch ich kann das gerade nicht.

Ich muss hier raus.

Mit nassen Wangen, gehe ich leise ins Schafzimmer, traue mich nicht auf Harrys Gesicht zu sehen, denn ich bin mir sicher, dass ich dann laut aufschreien würde. Ich lege das Handy einfach auf seinen Schreibtisch, schnappe mir leise die Jeans auf dem Boden und ziehe mir schnell das T-Shirt aus, das ich noch von Harry anhatte. Ich will ihn gerade nicht auf meiner Haut spüren, geschweige denn ihn riechen. Ich will einfach weg.

Ich verlasse das Schlafzimmer, gehe die Treppen runter, schnappe mir schnell meine Jacke und Haustürschlüssel.

Wie kann er das tun? Wie kann er einfach das wegschmeißen, was ich für ihn aufgegeben habe? Wie kann er mich anlügen? Wie kann er mich betrügen? Wie kann er mir das antun? Wie kann er so sein?

Wieso tut er das? Wieso habe ich das verdient?

Unten an der Straße angekommen, ziehe ich sofort mein Handy aus der Jackentasche und rufe Zayn an.

Mir könnte der Abstand zwischen Harry und mich nicht größer sein. Er ist ein Lügner. Ein verdammter Lügner.

„Ravely?", krächzt Zay verschlafen in die Leitung. „Wieso zur –"

„Zayn, kannst du kommen?", sage ich weinerlich in die Leitung.

Kurz herrscht Stille, dann sagt er: „Klar. Ja, klar, ich komme. Wo bist du?"

„Ich stehe vor dem Hochhaus. Bitte beeil dich." Ich versuche mir noch das Schluchzen zu unterdrücken. Es sind so viele um mich herum.

„Ich komme sofort", meint Zayn und ich lege auf, schiebe das Handy wieder in meine Jackentasche.

Und schon im nächsten Moment schluchze ich los. Ich halte mir die Hände vors Gesicht, kann meine Tränen und dieses schreckliche Gefühl, nicht unterdrücken.

Wieso?

Wie kann er das einfach tun, obwohl wir vor nicht mal drei Tagen noch in der Karibik waren, auf der Hochzeit seiner Mutter und uns ständig gesagt haben, dass wir uns lieben. Wie kann er das tun?

Ich will ihn nicht verlassen müssen, ich liebe ihn. Ich liebe ihn. Ich wollte ihn immer, für immer, lieben können.

Mit einem angeknacksten Herz und nassen Wangen, lasse ich mich auf eine Mauer fallen. Ich will das nicht. Ich will nicht draußen vor unserem gemeinsamen Zuhause stehen, weinen und leiden, weil ich Angst vor dem Ende habe. Es fühlt sich gerade an wie das Ende. Ich hasse das Ende. Ich will kein Ende. Ich will ihn. Ich liebe ihn.

Zayns Auto hält genau vor mir und ersteigt sofort aus, als er mich sieht. Er kommt schneller auf mich zu, als er sieht, dass ich weine und presst mich an seine Brust, streicht mir über den Kopf.

Bitterlich weinend schlinge ich meine Arme um seinen Oberkörper und heule in seine Jacke.

„Was ist passiert?", fragt er nach einer Weile.

Ich will nicht hier auf der Straße mit ihm darüber reden, denn ich bin jetzt schon ein Wrack. Wenn ich gleich ausspreche, was ich denke, bin ich mir sicher, dass ich noch mehr weinen werde.

„Können wir in – in deinem Auto darüber reden?", schluchze ich in den Stoff seiner Jacke.

„Ja, klar." Er lässt mich los und nimmt mich an der Hand, zieht mich zu seinem Auto, hält mir die Beifahrertür auf.

Ich lasse mich in den Sitz fallen, kann immer noch nicht glauben, wieso ich gerade nachts in Zayns Auto sitze und weine.

„Also", sagt Zayn, als er neben mir sitzt. „Sag mir, was passiert ist."

Ich schließe die Augen. Versuche den Moment zu verstehen.

Sofort fließt wieder die nächste warme Träne über meine Wange. „Harry", sage ich mit leiser und gebrochener Stimme. „Er hat Nachrichten bekommen."

„Von wem?"

Bei ihrem Namen, verziehe ich angewidert das Gesicht. „Angie."

„Scheiße ... Was stand drin?"

Bei der Erinnerung, dass er mich tatsächlich angelogen hat, dass er mich tatsächlich betrügt, schluchze ich wieder auf. „Er hat seinen Pullover bei ihr vergessen."

Zayn reißt die Augen auf, starrt mich an. „Er war bei ihr."

Ich stemme meine Beine auf den Sitz, presse die Knie an meine Brust, schluchze hinein. „Er war bei ihr. E-Er hat mich angelogen. Er hat mich betrogen. Er liebt mich nicht mehr. Er will mich nicht mehr. Er schläft mit ihr. Er küsst sie."

Einen Augenblick wird das Auto nur von meinen peinigenden Schluchzern gefüllt, doch dann:

„Nein, Ravely", sagt Zayn plötzlich mit entschlossener Stimme und sieht mich ernst an. „Hör auf zu weinen."

Ich sehe ihn an. „Was? Ich soll aufhören zu weinen? Er hat mich betrogen!"

„Woher willst du das wissen, huh? Das ist nur eine einfache Nachricht und ja, vielleicht hat er dir nicht gesagt, dass er bei Angie war, aber das heißt doch noch lange nicht, dass er dich betrügt!"

„Das hast du doch selbst zu mir gesagt!", schreie ich schon fast laut weinend.

Zayn fährt sich durch die Haare, ist schon fast aggressiv. „Ist doch scheiß egal, was ich gesagt habe! Du hörst jetzt auf zu denken, dass er dich betrügt, sondern fängst an zu denken, dass er dich liebt und es eine Erklärung für eure ganze Situation gibt! Es muss eine Erklärung dafür geben, warum er so distanziert ist, genauso wie es eine Erklärung dafür gibt, dass er dir nicht gesagt hat, dass er zu Angie gegangen ist! Ravely, mach die Augen auf! Harry liebt dich, er würde das niemals tun!"

Ich starre ihn einfach nur an.

Zayn drückt auf einen Knopf in seinem Auto und mit einem Klick öffnen sich die Türen wieder. „Du stehst jetzt verdammt nochmal auf, gehst in dieses beschissene Apartment, legst dich neben ihn, küsst ihn und morgen redest du mit ihm! Glaub mir, wenn ich dir sage, dass er es erklären kann! Du kannst nicht ständig denken, dass das, was du denkst, die Wahrheit ist, Ravely! Du musst endlich anfangen zu kämpfen und nicht immer alles hinzunehmen!"

Ich sehe auf meine Finger und schniefe deprimiert. „Das macht doch keinen Sinn. Die Nachrichten –"

„Scheiß doch auf diese scheiß Nachrichten! Hör auf zu reden und steigt jetzt aus meinem Auto aus und hörst auf zu weinen! Das alles muss nicht die Wahrheit sein, das weißt du, genauso, wie ich es weiß! Du liebst doch Harry oder?"

Ich nicke langsam und presse die Lippen aufeinander, muss wieder spüren, wie eine Träne von meinem Kinn abtropft. „Mehr als alles andere."

„Dann scheiße nochmal, rede mit ihm und kämpfe für eure Liebe! Das kann doch nicht das Ende sein!"

„Ich habe Angst, dass es die Wahrheit ist", sage ich mit krächzender Stimme.

„Du wirst es nie erfahren, wenn du nicht mit ihm redest." Zayn klingt jetzt wieder einfühlsamer. „Du redest morgen mit ihm und dann wirst du es wissen. Und ich verspreche dir, dass er dir alles erklären kann."

„Du versprichst es?" Ich sehe ihn mit roten Augen an.

Er nickt und legt seine Hand liebevoll auf meine, lächelt. „Ich verspreche es."

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