22.

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Den restlichen Nachmittag lagen wir nebeneinander im Bett und redeten über Merlin und die Welt. Ich lernte Draco von einer komplett neuen und anderen Seite kennen. Egal auf welches Thema wir auch kamen, er schien sich überall aus zu kennen. Unsere Gespräche waren auf einer völlig anderen Ebene als ich sie mit Ron, Harry oder gar Ginny jemals gehabt hatte und auch wenn wir nicht mal einer Meinung waren, führten wir dieses Gespräch wie Erwachsene. Keine Ausfälligkeiten, keine Beleidigungen. Nur sachliche Argumente. Dennoch bemerkte ich, dass es einige Themen gab, über die er nicht mit mir sprechen wollte. Einigen meiner Fragen wich er gekonnt aus oder wechselte das Thema. Aber er machte das alles so versteckt, dass es mir beinahe kaum aufgefallen wäre, wenn ich ihm nicht so aufmerksam zugehört hätte. Nach diesem Gespräch hatte mich Draco noch mehr fasziniert als zuvor.
Er war ein Mann voller Geheimnisse und das gefiel mir. Es machte ihn noch attraktiver als zuvor und ich spürte in mir den Drang, alles von ihm herauszufinden. Auch wenn es bestimmt einige Zeit in Anspruch nehmen würde bis ich auf alle meine Fragen meine Antworten und alle Geheimnisse rund um den Eisprinzen gelöst hatte, war es mir das auf jeden Fall wert, das wusste ich jetzt schon.  

Wir verstanden uns so gut und fanden immer wieder ein neues Thema über das wir uns unterhalten und austauschen konnten. Auch wenn unsere Gespräche sich nicht um irgendwelche privaten Dinge handelten, sondern eher um allgemeine Dinge hatte ich schon lange kein so interessantes Gespräch, wie dieses hier mit Draco. Ich ertappte mich selbst, wie ich drüber nachdachte ihn über seine Familie, die Zeit bei den Todessern oder die Zeit unter Voldemorts Herrschaft zu fragen, aber ich war mir nicht sicher genug. Ich wollte diese schöne Stimmung nicht kaputtmachen. 

Ihn gleich über seine Vergangenheit auszufragen ist schon ziemlich früh. Ich habe keine Ahnung, was er alles erlebt hat oder besser gesagt überleben musste. Die Zeit muss schrecklich für ihn gewesen sein. Aber ich bin mir sicher, dass er mit noch niemanden darüber gesprochen hat. Möglicherweise hilft ihm das ein wenig. Ich könnte es doch einfach mal versuchen, ich denke, er wird es mir nicht all zu übel nehmen und sollte es schwer werden für ihn wechsel ich einfach das Thema . 

"Draco?"
"Hmmm?"
"Hast du da eigentlich gewollt?"
"Was meinst du?"
"Naja ich meine das hier." Vorsichtig ließ ich meinen Blick auf seinen Unterarm gleiten an dem immer noch das dunkle Mal zu sehen war.
Draco schwieg. Er dachte nach und schien nach den passenden Worten zu suchen, oder nach einer Ausrede. 
"Es tut mir leid, ich hätte das nicht fragen dürfen." Flüsterte ich und blickte auf die Matratze meines Bettes. 

"Ich dachte es wäre richtig gewesen." begann Draco mit dunkler Stimme.
"Auch wenn ich manche Dinge davon bereue, hat mich diese Zeit zu dem gemacht, der ich heute bin."
Verdutzt blickte ich ihn an. Ich hatte eigentlich mit gar keiner Antwort gerechnet.

Aber er sagte gerade manche Dinge? Was an der ganzen Sache kann man den nicht bereuen?!

"Du bereust nur manche Dinge?" Fragte ich ihn vorsichtig weiter. Ich bemühte mich ruhig weiter zu sprechen, auch wenn ich innerlich doch etwas aufgewühlt war. 
"Dinge, über die ich erst später begonnen hab nachzudenken und mir ihre Auswirkungen erst später klar geworden sind."

Ich bemerkte, wie sehr er gerade mit sich zu kämpfen hatte. Das Thema fiel ihm alles andere als leicht und ich wusste, dass nun der Punkt erreicht war, nicht mehr weiter zu fragen. Das reichte erst mal für den Anfang. Auch wenn es mich interessierte, welche Dinge er nicht bereute, entschied ich mich, das Thema zu beenden. Ja er hatte Menschen getötet aber um das hier ging es nicht, das wusste ich. Wahrscheinlich hatte jeder nach der großen Schlacht jemanden auf dem Gewissen - mich eingeschlossen. Darauf war ich nicht besonders stolz aber leider führte damals kein Weg daran vorbei. Entweder ich oder meine Feinde. Deshalb wusste ich, dass es hier nicht um Morde ging, die Draco bereute, da war noch etwas anderes, etwas das bestimmt mit seiner Veränderung zu tun hat. Aber es ist auch etwas, das er bis heute nicht wirklich verarbeitet hat. 

"Falls du reden möchtest..." Begann ich vorsichtig.
"Hier gibt es nichts zu reden, Granger. Es ist vorbei und man kann es nicht mehr rückgängig machen. Da hilft mir reden auch nichts mehr." Knurrte er.

Okay, okay. Jetzt haben wir eindeutig die Schmerzgrenze erreicht.

Anstatt ihm eine Antwort zu geben, nickte ich nur und schmiegte mich wieder an ihn. Ich spürte, wie sich sein Körper zuerst anspannte aber sich anschließend wieder entspannte. Einerseits war diese Situation einfach merkwürdig. Ich lag hier in meinem Bett in Draco Malfoys Armen. Seine Nähe fühlte sich gut an und das machte mir irgendwie ein bisschen Angst. 

Schnell hatten wir jedoch wieder ein anderes Thema gefunden, über das wir uns unterhalten konnten. Wir blieben den ganzen restlichen Nachmittag im Bett. Zwischendurch zog ich mir nur mein Schlafzeug an, genau wie er, und anschließend legten wir uns zurück in unser Bett.
Aber auch so sehr ich diesen Tag sehr genossen hatte, wusste ich, dass ich in dieser Nacht nicht viel Schlaf bekommen würde. 

Meine Gedanken kreisten um Draco und um unser Gespräch von heute Nachmittag.
Der Gedanke allein, dass ein ehemaliger Todesser neben mir im Bett lag, bereitete mir trotz allem Gänsehaut. Ich mochte diesen Mann, wahrscheinlich mehr als ich sollte aber eine Stimme in mir sagte mir, dass ich mich nicht auf ihn einlassen sollte, dass ich wieder nur verletzt werden würde. Dass er mir wehtun wird. Ich blickte Draco an der neben mir tief und fest schlief. 

Hermine du weißt, auf wen du dich hier einlässt. Du denkst gerade allen Ernstes darüber nach, dich auf Draco Malfoy einzulassen. Ich hoffe das Risiko, das du hier eingehst, ist dir bewusst. Er wird mit dir spielen und er wird dir dein Herz brechen.  Und es wird viel schlimmer als es mit Ron gewesen ist und das weißt du. 

Ja ich wusste es. Aber es war mir in diesem Moment egal. Was sollte schon groß passieren. Draco hatte mich in den letzten Stunden glücklicher gemacht als ich es in den letzten Wochen davor gewesen war. Also vielleicht war es das auch wert. Außerdem gab er mir eine Art Sicherheit. Er hatte mir schon zweimal das Leben gerettet. Also war ich bereit, das Risiko einzugehen. 

Die nächsten Tage waren die schönsten Tage seit Langem. Draco schien mich jeden Tag glücklicher zu machen. All meine Sorgen schienen wie weggefegt zu sein, wenn ich bei ihm war.  Aber auch je näher das Ferienende nahte spürte ich den Kummer der sich in mir ausbreitete. Ich müsste so tun, als würde ich den Mann, der mich in den letzten Tagen so oft zum Lachen gebracht hatte und mit dem ich so viele schöne Momente in meinem Turm verbracht hatte, nicht kennen würde. Ich müsste so tun, als würde ich ihn mehr als alles andere auf der Welt hassen.
Ich wollte die letzten Ferientage nicht mit Kummer verbringen und beschloss deshalb Ginny, Harry und Ron einen Brief zu schreiben.

Natürlich konnte ich in den Brief nicht schreiben, dass ich die meiste Zeit meiner Ferien mit Draco Malfoy in meinem Bett verbracht habe. Ich erzählte ihnen, wie sehr ich die Ruhe in dieser Zeit genossen hatte und dass ich einige meiner Bücher die ich mir vorgenommen hatte zu lesen, durch hatte. Aber auch, dass ich mich auf ihre Erzählung gespannt bin und mich freue, wenn sie wieder da sind. 

Ich schnappte mir einen Umschlag, legte den Brief hinein und machte mich auf den Weg in die Eulerei. Eine Schleiereule fiel mir sofort ins Auge. Als Begrüßung reichte ich ihr einen Keks und gab ihr anschließend meinen Umschlag.  
Das machte ich immer so, wenn ich einer Eule einen Auftrag gab. Ich fand einfach, dass sie sich den Keks verdienten, wenn sie schon unsere Post austragen mussten.
"Bring den hier in den Fuchsbau." Flüsterte ich ihr zu.
Nach dem das Tier die zweite Belohnung hinunter geschlungen hatte, breitete sie ihre Flügel aus und machte sich auf den Weg meinen Brief auszubringen.
Verträumt blickte ich ihr hinterher, bis mich eine bekannte Stimme aus den Gedanken riss.
"Ich hoffe für dich, dass das jetzt kein Liebesbrief war."
Leicht erschrocken drehte ich mich um und blickte in sturmgraue Augen.


pure mudblood - DramioneGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt