„Ich hab dein Bild auf Snapchat gesehen und da hab ich Angst bekommen, weil ich dachte du... könntest von der Brücke springen!"
Andre
Als er das sagt muss ich lachen. So süß, wie er sich um mich sorgt. Ihm ist das Ganze offensichtlich ziemlich peinlich. Er weiß ja nicht, dass er mit seiner Vermutung gar nicht mal so falsch lag. Aber das werde ich ihm sicher nicht auf die Nase binden. Ich dachte, ich bin ihm vollkommen egal. Doch das er halbnackt für mich nachts durch Köln rennt, beweist eindeutig das Gegenteil. Ich muss einfach lächeln, wie er da so vor mir steht. Trotzdem bin ich noch immer wütend, über das, was er zu Cengiz gesagt hat.
Genau in diesem Moment fängt er wieder damit an. „Also Andre, ich wollte noch mit dir reden wegen der Sache mit Cengiz und den... äh... Gefühlen. Es ist nämlich so, dass es mir leid tut, aber..."
Oh nein! Alles, nur das nicht! Ich weiß nicht, was mich überkommt, aber ich falle ihm ohne Rücksicht ins Wort. „Jan, warte!" Ich will das nicht hören. Nicht noch mal.
„Hör mir zu. Ich muss dir zuerst was sagen. Es war eine Wette. Zwischen Simon (Desue) und mir. Eine WETTE verstehst du? Ich hab gesagt, dass ich es schaffen kann, dass #Jandre real wird. Er hat mich ausgelacht. Also habe ich mit ihm ausgemacht, dass ich dich dazu bringe, mich zu küssen und dass ich bei dir im Bett schlafen darf. So kam es dazu. Und natürlich habe ich gewonnen."
Die Worte kommen mir einfach so über die Lippen. Zusätzlich setze ich ein siegessicheres Grinsen auf. „Nimm's mir nicht übel, Dsche. Es war echt schön mit dir!", höre ich mich sagen. Erst dann wird mir klar, was ich da wirklich tue. Ich bin mal wieder dabei, alles zu vermasseln. Wenn ich was hinbekomme, dann das. Trotzdem empfinde ich neben dem Entsetzten über mich selbst auch so was wie Trost. Denn wenigstens gehe ich nicht als Verlierer aus dieser Sache hervor. Zum Glück. Ich habe meinen Stolz vor ihm gewahrt.
Ich sehe, wie Jan nachdenkt. Ich bin gespannt, was er darauf sagen wird. Und ich habe verdammte Angst davor, dass er geht und mich einfach so stehen lässt.
Jan
Ich glaube ihm kein Wort. Dafür kenne ich meinen besten Freund viel zu gut und lange. Manchmal wirkt er wie ein gefühlsloser Idiot. Doch wem er schon mal sein wahres Ich gezeigt hat, der weiß ganz genau, dass das nur eine Fassade ist, die er sich selbst zum Schutz auferlegt hat. In Wahrheit ist er einer der sensibelsten Menschen, die ich kenne. Ich überlege kurz und entschließe mich dann, alles auf eine Karte zu setzen. Ich hole tief Luft.
„Schade. Ich wollte dir nämlich sagen, dass ich Cengiz nicht die Wahrheit erzählt hab und zwar, weil ich nicht wollte, dass er mit dir darüber redet. Ich hatte kein gutes Gefühl bei der Vorstellung, dass er sich in die Sache zwischen uns einmischt, da ich nicht wusste, ob du schon bereit bist, ihm davon zu erzählen. Denn du bist mir sehr wichtig, Andre und ich dachte bisher, dass das auf Gegenseitigkeit beruht."
Das Grinsen in seinem Gesicht wirkt schlagartig wie weggewischt. Ich sehe ihm tief in die Augen und merke, wie er unsicher wird.
„Aber... ich ehm... ich dachte doch, dass... und du...", stammelt er.
„Ist schon ok, Andre!" Ich klopfe ihm auf die Schulter und lächle ihn traurig an. „Ich werde schon drüber wegkommen... Und wenn nicht, dann... Ach, egal." Ich drehe mich um und entferne mich von ihm. Dabei lächele ich stumm in mich hinein. Ein bisschen Drama muss doch sein!
Andre
Jan dreht sich um und geht ohne Hast davon. So langsam glaube ich, dass andere zu verletzten das einzige ist, was ich wirklich super kann. Es fühlt sich an wie ein Schlag ins Gesicht, als mir das klar wird. Auf einmal sehe ich mich nicht mehr als ein Sieger, sondern als ein egoistischer Arsch, der Angst vor seinen Gefühlen hat und vor lauter falscher Eitelkeit seinem besten Freund das Herz gebrochen hat.
Dabei wünsche ich mir doch nur, dass Jan die Wahrheit wüsste. Für mich ist er längst mehr als mein bester Freund. Warum bin ich zu feige, um ihm das zu sagen? Wenn er mich abweist, dann habe ich das verdient. Was hat er mir denn getan, dass ich ihm solche Lügen erzähle? Weshalb habe ich so überreagiert, wenn er gegenüber Cengiz sagt, dass er nur brüderliche Gefühle für mich hat? Wieso habe ich diese Aussage nie in Frage gestellt? War ich wirklich so schwach, dass ich bezweifle, dass ich Jan etwas bedeute? Kann ich nicht über meinen eigenen Schatten springen und es mit ihm versuchen? Kann ich mir nicht endlich eingestehen, dass ich in gewisser Weise doch wie mein Vater bin? Weil ich schwul bin? Ist es mir nicht möglich, mich meinen Ängsten endlich zu stellen, anstatt ihnen wie immer aus dem Weg zu gehen? Ist das so schwierig für mich wie es mir stets vorkam? Ich beschließe, dass es nun Zeit ist etwas zu ändern. Schluss mit den falschen Behauptungen! Schluss mit den unterdrückten Gefühlen! Schluss damit, anderen immer weh zu tun!
Mit neuer Kraft hebe ich den Kopf und will Jan hinterher laufen, da ich ihm auf der Stelle etwas sehr wichtiges mitteilen muss. Aber ich kann ihn nirgends sehen. Er ist schon weg.
Hier ist das zweite längere Kapitel, gaaanz viel Spaß damit!
Habt ihr eigentlich Melinas Video und die letzten beiden TV Videos gesehen? Jedes mal kam was mit #Jandre vor. Hat mich voll gefreut. :)
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Memories never die | Jandre
FanficFür Sina2810 #Jandre ist real? Nicht ganz. Denn obwohl sich Andre unglaublich stark zu Jan hingezogen fühlt und es so scheint, als würde dieser seine Gefühle erwidern, kann Andre eine Sache nicht vergessen: seine Vergangenheit. Sie steht dem Glück d...
