Jan
Vor eineinhalb Stunden sind wir angekommen. Nun sitze ich am Computer und schneide das TV Video, was ich mit Andre in Stadthagen aufgenommen habe. Es tut so verdammt weh, uns beide darin zu sehen. Immer wieder bleibe ich an der Stelle hängen, an der ich das Video „betrete". Wie ich über unsere Heimat spreche, wie unbekümmert und ahnungslos ich bin. Einen Großteil der Aufnahmen lösche ich. Es ist unser Gespräch, bevor wie die Abmoderation drehen.
„Jan... Was machst du denn hier?"
„Das Gleiche könnte ich dich fragen!"
„Ich... ich musste nachdenken. Einfach den Kopf frei bekommen."
„Worüber musstest du denn nachdenken?"
„Ach... nur dies und das..."
„Hör auf mich anzulügen"
„In Ordnung. Lass und reden."
Wieder sehe ich die Szene vor mir. Wie seine Stimme zittert, wie sein grüner Blick zu flackern beginnt. Wie er feststellt, dass die Kamera noch immer läuft und ich verspreche, es raus zu schneiden. Ich lösche alles, bis nur noch das übrig ist, was für die Zuschauer bestimmt ist. Am liebsten würde ich den gesamten Inhalt vernichten und diesen Misttag aus meinem Gedächtnis streichen. Ihn einfach ungeschehen machen. Ich stopfe mir eine Hand voll Gummibärchen in den Mund. Mein Magen rumort, weil er etwas Vernünftiges zu essen will. Ich achte nicht darauf. Irgendwann ist mir schlecht und ich fühle mich total unwohl, weil ich zu viel Süßkram auf einmal verschlungen habe. Meine Augen brennen, weil ich so lang auf den Bildschirm gestarrt habe. Für einen kurzen Moment schließe ich sie und verbanne die bedrückenden Gedanken, die mich nicht mehr loslassen wollen, seitdem er mir die Wahrheit gesagt hat.
Es ist nicht so, dass er etwas Falsches gemacht hat. Das habe ich ihm auch schon erklärt. Dennoch fühle ich mich in einer gewissen Weise betrogen und hintergangen. Dabei hätte ich es doch von Anfang an wissen müssen. Ich kenne ihn. Andre Schiebler, der Frauenheld und Macho Nummer eins steht nicht auf Männer und erst recht nicht auf mich. Warum war ich bloß so dumm, mich auf etwas mit ihm einzulassen? Wieso habe ich mir mal wieder selbst so einen Schmerz zugefügt, indem ich ihn so nah an mich heran gelassen habe? Weshalb kann ich die Zeit mit ihm nicht vergessen?
Ich suche die ganze Zeit nach Antworten, nach einer Beschreibung für meinen Zustand. Sagen wir es folgendermaßen: Wenn mein Herz durch den Tod meiner Großmutter einen Riss erhalten hat, dann hat er es in tausend winzige Teile zerbrochen. Natürlich ist das sinnlos, denn ein Herz ist ein Muskel - nicht aus Glas - und kann daher nicht zerbrechen. Aber diese Metapher beschreibt meine Gefühlslage gerade am treffendsten.
Jemand tippt mir auf die Schulter. „Soll ich das übernehmen?" Stephan schickt wirklich der Himmel. Ich drehe mich zu ihm um und lächle ihn dankbar an.
„Das wäre echt super!" Er scheint genau zu wissen, dass es mir gerade nicht gut geht. Ich erkläre ihm kurz, was er noch zu machen hat. Er nickt. „Das kriege ich relativ schnell hin, denke ich..."
Daran habe ich keinen Zweifel, schließlich ist er nicht die ganze Zeit abgelenkt durch...
„Ist noch irgendwas?" Er wirft mir einen irritierten Blick zu, da ich mal wieder Luftlöcher in die Gegend starre.
„Ne, ne..."
„Dsche, ist alles klar bei dir?", ruft er mir nach, als ich das Zimmer verlasse.
„Ja, mir geht's bestens. Bin nur etwas müde...", schwindele ich und füge leise hinzu „... und ziemlich traurig."
„Wieso bist du denn traurig?" Sarah steht auf und drückt mir ihre Tasse mit Tee in die Hand. Mist, ich habe gar nicht gesehen, dass sie im Wohnzimmer auf dem Sofa saß.
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Memories never die | Jandre
FanfictionFür Sina2810 #Jandre ist real? Nicht ganz. Denn obwohl sich Andre unglaublich stark zu Jan hingezogen fühlt und es so scheint, als würde dieser seine Gefühle erwidern, kann Andre eine Sache nicht vergessen: seine Vergangenheit. Sie steht dem Glück d...
