Kapitel 32

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(immer noch Andre; schreibe grad irgendwie sau gern aus seiner Perspektive)

Am nächsten Morgen ist von meiner Euphorie nicht mehr viel übrig geblieben. Gestern Abend war ich mir noch so sicher, dass zwischen mir und Jan (Andre nennt sich selbst übrigens IMMER zuerst) wieder alles gut wird. Aber jetzt ist mein Mut wie weggeblasen. Am liebsten würde ich erst gar nicht aufstehen, sondern einfach den ganzen Tag im Bett liegen bleiben. Kennt ihr diese Tage?

Etwas später erwische ich mich selbst dabei, wie ich extra lange im Bad unter der Dusche herumtrödele. Mit anziehen und Haare machen brauche ich fast eine Stunde. Sonst bin ich in ungefähr zehn Minuten fertig. Ich lasse mir extrem viel Zeit und ziehe es doch tatsächlich in Erwägung, mein Zimmer mal wieder aufzuräumen. Ein für mich absolut verrückter Gedanke. Alles nur, um nicht Jan zu begegnen.

Doch irgendwann knurrt mein Magen laut. Ich halte es nicht länger aus und schlendere im Schneckentempo mit einem mulmigen Gefühl in Richtung Küche. Dort angekommen atme ich auf, denn Jan ist nicht dort, obwohl ich das stark vermutet habe. Hoffentlich ist er schon beim Schneiden oder beim Einkaufen oder so. Ich öffne den Kühlschrank und starre hinein. Das mache ich immer, ist so eine Art Angewohnheit von mir. Dabei kann ich besser nachdenken.

Was Jan wohl nach meiner Schwindelei von gestern Abend über mich denkt? Hat er mich vielleicht durchschaut? Das wäre dann ziemlich peinlich. Und hat er das ernst gemeint, als er gesagt hat, dass ich ihm sehr wichtig  bin? Ein großer Teil in mir hofft das so stark, dass ich es schon fast als Wahrheit ansehe. Aber der andere Teil sagt mir, dass sich das spätestens nach meiner Scheißidee mit der Wette geändert hat. Mal wieder hab ich es mir verkackt... Und diesmal mit meinem besten Freund. Genau diese Person betritt in diesem Augenblick sehr zu meinem Leidwesen fröhlich pfeifend die Küche.

„Guten Morgen, Androschka!" Seine Laune ist geradezu beängstigend gut. Wenn er wegen gestern noch wütend oder traurig war, dann ist er echt schnell darüber hinweggekommen, worüber ich sehr erleichtert, aber auch ein bisschen gekränkt bin. Bin ich ihm so egal, dass ihn meine Lüge so schnell dermaßen kalt lässt?! Andererseits sollte ich mich lieber freuen, dass er nicht nachtragend ist, nach dem, was ich da angerichtet habe.

„Morgen", murmele ich nach einer Ewigkeit zurück.

„Hast du Lust, mit mir gemeinsam in die Stadt zu fahren, zu Starbucks zu gehen und was für TV drehen?" Oh nein, nur nicht das. Ich wüsste beim besten Willen nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich kann doch nicht einfach so tun, als wäre nie was gewesen und wir zwei beste Kumpels. Wir sind ja irgendwie keine normalen Kumpels, wir sind inzwischen doch mehr als das, oder nicht?

Ich sehe, dass er immer noch auf eine Antwort wartet und mich mit seinen blauen Augen durchdringend ansieht. Schnell reiße ich den Kühlschrank wieder auf und stecke meinen Kopf hinein, damit er nicht sieht, wie ich rot werde. Ich brauche mehr Zeit.

„Weißt du, wo Cengiz ist? Er will sicher mitkommen." Puh, dadurch habe ich weder zu- noch abgesagt.

„Ich denke mal, er pennt noch. Du kennst ihn doch, er steht nie vor zwölf Uhr auf", entgegnet Jan.

Shit, wie komme ich bloß aus der Sache raus, ohne ihn vor den Kopf zu stoßen?

„Lass uns erst mal frühstücken, ich hab mega Hunger."

„Na gut. Kann ich dann auch mal da dran? Du stehst jetzt schon mindestens ne halbe Stunde vor dem Kühlschrank und hängst mit deinem Schädel im Gemüsefach. Würde mich nicht wundern, wenn du mittlerweile blau bist vor Kälte!" Er kichert und ich spüre, wie mir das Blut in den Kopf schießt. Seltsam, früher habe ich nie so was wie Scham gegenüber Jan empfunden.

Da ich mich nicht bewege, schiebt er mich sanft zur Seite und kommt mir dabei zwangsläufig sehr nahe. Sofort beschleunigt sich mein Puls. Ich stehe knapp neben ihm, während er im Kühlschrank kramt und ihn schließlich mit einer Packung Milch in der Hand wieder schließt.

„Kommst du?" Er dreht sich um und holt eine Müslipackung aus einer der Schubladen. Sein Blick eilt wieder zu mir, weil ich noch immer nicht antworte. Er mustert mich und fängt dann plötzlich laut an zu lachen. Was hat er denn nun schon wieder? Hab ich was im Gesicht kleben?

„Willst du ernsthaft Brokkoli und Senf zum Frühstück essen?"

Verdutzt schaue ich auf meine Hände. Tatsächlich. Wie habe ich das bitte wieder geschafft?

„Bringt meine Anwesenheit dich so sehr aus der Fassung?" Ich höre ganz deutlich den leicht spöttischen Unterton in Jans Stimme.

„Ne.. es ist nur so, dass..." Mir fällt natürlich mal wieder keine passende Ausrede ein.

„... du dich ab jetzt gesund ernähren willst, oder?", sagt Dsche ganz ernst.

„Ja genau..." Verwirrt will ich alles wieder in den Kühlschrank räumen, aber Jan hält mich zurück. „Halt, warte mal!" Ein Grinsen erscheint auf seinem Gesicht. „Nimm die hier, dann sieht es noch perverser aus..." Er drückt mir statt der Senftube eine Banane in die Hand.

„Hä?", mache ich, da ich nicht verstehe, worauf er hinaus will.

„So und jetzt steckst du dir die so halb in den Mund."

„Wieso?"

„Mach einfach!" Ich sehe ihn skeptisch an und gehorche.

Er stellt sich dicht neben mich und legt meinen Arm um seinen Bauch. Dann setzt er sein schönstes Lächeln auf und zückt sein Handy. Er macht mehrere Fotos, während ich nur wie versteinert da stehe und versuche zu kapieren, was das alles soll.

„Perfekt!" Er löst sich von mir und wuschelt mir durch die Haare.

„Nimms' mir nicht übel, Androschka. Ist nur für ne Wette mit Stephan, dass ich es schaffe auf dieses Jandre Bild 100.000 Likes in vierundzwanzig Stunden zu bekommen. Ich glaube, das wird easy... Ich hab auch schon ne super Idee für die Bildbeschreibung: Am liebsten hätte Andre meine Banane in seinem Mund... #Jandreisreal. Mega nice, oder?" Mit diesen Wort dreht er sich um und lässt mich in der Küche stehen. Mit einer angebissenen Banane in der Linken, einem Brokkoli in der Rechten, einem verdammt schlechten Gewissen und der Gewissheit, dass er meine Schwindelei von gestern hundertprozentig durchschaut hat.


Heute ist Samstag. Ich liebe Samstage (bester Tag in der ganzen Woche)! Darum kommt heute ein Kapitel. Ich finde es eigentlich ganz cool... (ohne mich selbst loben zu wollen :)) Ist etwas heiterer als die anderen und hat viel Spaß gemacht beim Schreiben.


Ich wollte mich auch noch bedanken für eure Aktivität in letzter Zeit, was Kommentare und Likes angeht. Einfach unglaublich nett von euch! :*


Memories never die | JandreWo Geschichten leben. Entdecke jetzt