So, nachdem ich euch eine Woche habe schmoren lassen, ist hier endlich das neue und dafür auch ziemlich lange Kapitel... Mein Kopf quillt grade mal wieder über vor neuen Ideen. Einige Kapitel sind in Planung. Ich verrate nur so viel: ihr könnt euch freuen, denn die werden echt spannend!!! ;) :*
Andre
Es fühlt sich eine wie eine Achterbahnfahrt. Ich befinde mich am höchsten Punkt und nun sitze ich an dieser einen Stelle fest, kurz bevor es wieder nach unten geht. Man fragt sich, warum man überhaupt mitgefahren ist. Warum habe ich das getan? Warum habe ich es ihm gesagt? Man will am liebsten laut schreien, um die Nervosität irgendwie loszuwerden. Ich würde jetzt auch gerne schreien. Alles einfach raus schreien. In die Dunkelheit der Nacht. Meine Nerven sind bis zum Zerreißen gespannt. Wenn das so weiter geht, drehe ich noch durch.
„Bitte, sag etwas..." Ich betrachte ihn eingehend von der Seite. Die Nase, sein Bart, die leicht verwuschelten Haare. „...irgendwas..."
„Nun ja... ich will dir nicht wehtun, Andre." Er wendet sich mir zu und sieht mir in die Augen. Nein, er schaut durch meine Augen hindurch auf meine Seele, mein Herz, ohne, dass ich auch nur das Geringste dagegen tun könnte. Ich kann mein Inneres ihm gegenüber nicht mehr verschließen, dafür habe ich ihn zu nah an mich heran gelassen. Und obwohl es sich dumm anhört, habe ich in diesem Moment panische Angst davor, dass ich es bereuen werde. Dass ich ihm einmal zu viel getraut habe. Dass er mich nun verletzen wird.
„Es ist so, dass..." Sein Blick ist zerknirscht. Er hat mein Herz in der Hand. Entweder er zerquetscht es gleich wie eine Marzipankartoffel oder er...
„Du bist für mich nur mein bester Freund. Aber leider nicht mehr." Zack. Zerquetscht. Mit den zwei Worten „bester Freund". Ich schließe die Augen und entreiße ihm dadurch mein Herz, welches in mindestens tausend Scherben zerbrochen ist. Nun bin ich auf mich alleine angewiesen, um alle Splitter aufzusammeln und irgendwie wieder zusammen zu fügen. Ich weiß nicht, wie lange ich dafür brauchen werde und ob es mir überhaupt gelingt.
„Es tut mir wahnsinnig leid, Andre... Ich wünschte, ich..." Seine Stimme klingt ganz nah, so als stände er nur wenige Zentimeter von mir entfernt, doch in diesem Augenblick hat er sich unendlich weit von mir entfernt. Unerreichbar weit.
Ich seufze auf. „Schon ok." Ich öffne die Augen und sehe direkt in seine dunkelblauen, in denen sich die Lichter der Straßenlaternen spiegeln. Sein Blick tut weh. So voller Mitleid. Er brennt auf meiner Haut, versenkt sie wie Feuer. Schnell starre ich auf meine Schuhe.
Als er noch einen Schritt auf mich zu macht, will ich intuitiv zurück weichen, doch ich bin durch die Tatsache, dass uns plötzlich nicht mal eine Handbreit trennt verwirrt und wie gelähmt. Ich spüre mein Herz schnell und ungleichmäßig in meiner Brust schlagen, als Jan seine Hand um meinen Hals legt und mit seinem Blick meine Lippen fixiert. Er nähert sich ihnen mit seinen, doch ungefähr einen Sekundenbruchteil, bevor er sie berührt, schweift er zu meinem rechten Ohr ab. Ich begreife nicht, was er da tut. Mein Gehirn streikt mal wieder, wie immer, wenn er mich berührt. Ich spüre seinen warmen Atem, der meine Haut streift und halte automatisch die Luft an.
„Du weißt schon, dass das ein Scherz war, du Dummkopf?!", flüstert er mit einem nicht zu überhörenden spöttischen Unterton. Es dauert ein wenig, bis ich realisiere, was er da gerade gesagt hat. Ich reiße den Kopf zurück und starre ihn an.
„Was?!"
Das schelmische Funkeln in seinen Augen und das breite Grinsen in seinem Gesicht bestätigen meinen Verdacht.
„Na warte!" Ich stürze mich auf ihn und reiße ihn mit mir zu Boden. Er ist so überrascht, dass er keinerlei Gegenwehr leistet und so setzte ich mich schnell auf sein Becken und drücke seine Arme über seinem Kopf in das Gras.
„Du sagst mir jetzt die Wahrheit! Und zwar auf der Stelle!" Ich will bedrohlich klingen, doch man hört eindeutig die Aufregung und Freude in meiner Stimme.
Jan beginnt zu lachen, sagt aber nichts.
Ich bemühe mich, ein möglichst finsteres Gesicht zu machen. „Herr Meyer, ich möchte Sie nicht noch mal dazu auffordern müssen..."
Er richtet seinen Oberkörper unter mir auf und bevor ich auch nur einen weiteren Ton des Protests von mir geben kann, legt er seine Lippen auf meine und gibt mir einen so langen, gefühlvollen Kuss, wie er es nie zuvor getan hat. Wie betäubt lasse ich seine Hände los und starre ihn nur vollkommen überrumpelt an, als er sich mit einem zufriedenen Lächeln von mir löst. Zum zweiten Mal heute Abend ist es ihm gelungen, mich vollständig aus der Bahn zu werfen. Ich bin so perplex, dass ich weder weiß, was ich denken oder fühlen, geschweige denn sagen soll. Die Endorphine in meinem Körper laufen förmlich über und verteilen sich in jede noch so winzigen Zelle, wie mir scheint.
„Mach den Mund lieber zu, das steht dir viel besser!" Jan fasst mir grinsend ans Kinn und drückt meinen Unterkiefer sanft nach oben. Erst da fällt mir auf, dass ich ihn wahrscheinlich mit dem glückseligsten Idiotengrinsen ever angestrahlt habe. Seltsamerweise ist mir das aber keinen Moment lang peinlich, ich schätze, dafür bin ich gerade viel zu glücklich. Ich lasse mich neben Jan im Gras nieder und atme die kühle Nachtluft tief ein, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Nicht so leicht, denn wir liegen dicht nebeneinander, sodass unsere Arme sich berühren. Für eine lange Zeit schweigen wir beide, schauen in den Himmel und genießen einfach nur die Nähe des anderen.
„Werden wir es Cengiz erzählen? Und Sarah? Unseren Freunden, der Familie...?" Ich konnte nicht anders, als das zu fragen und höre die Angst in meinen Worten. Ich ärgere mich über mich selbst. „Meine Mutter... ich weiß nicht, wie sie darauf reagieren wird..." Ich beiße mir auf die Zunge, um meinen Redeschwall zu unterbrechen. Doch meine Gedanken geben keine Ruhe. Wenn sie es erfährt. Ich male mir die Szene aus. Es wird verdammt hart für sie sein... Was, wenn sie nicht damit umgehen kann? Ich will sie nicht verlieren, jetzt, wo wir uns gerade so gut verstehen. Wo wir einander wieder gefunden haben, uns endlich ausgesprochen haben und... Ich kann sie nicht verlieren. Nicht noch ein mal.
„Hör mal..."Jan dreht sich zur Seite und legt seinen Oberkörper auf meine Brust, während er mich ansieht. „Du musst ihr nichts von uns beiden erzählen. Niemand muss etwas davon erfahren, in Ordnung?"
Ich nicke, aber in Gedanken bin ich ganz woanders. Irgendwann werden sie es merken. Jan und ich können nicht ewig Katz und Maus spielen. Vor allem nicht vor Sarah und Cengiz. Letzterer kennt uns so gut wie niemand sonst. Und außerdem habe ich irgendwie so ein Gefühl, dass Cengiz über Jan und mich Bescheid weiß. Wahrscheinlich wusste er es schon, bevor wir beide es wussten.
„Lass uns heimgehen, Andre!" Jan ist schon aufgestanden und klopft einige Blätter von seiner Jogginghose. „Es ist spät..." Er streckt mir eine Hand entgegen, um mir aufzuhelfen, die ich jedoch übersehe, so vertieft bin ich in meine Probleme. Erst als ich bereits stehe, fällt es mir auf und ich lächle ihn entschuldigend an. Jan zückt sein Handy, um uns ein Taxi zu bestellen. Ich lausche seinen Worten und höre doch nicht, was er sagt. Wenn doch nur alles einfacher wäre... Wenn ich mich in eine Frau verliebt hätte... Meine Mutter wäre bestimmt sehr erfreut. Aber so?
Vielen Dank noch für das Feedback zur Lesenacht. Es war echt toll, wie viel trotz der sehr späten Zeit dabei waren... und natürlich auch DANKE an alle, die sonst immer lesen und fleißig kommentieren... *_* <3 <3 <3 Das gibt mir immer neue Energie und neuen Ansporn, weiter zu schreiben! :D
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Memories never die | Jandre
Fiksi PenggemarFür Sina2810 #Jandre ist real? Nicht ganz. Denn obwohl sich Andre unglaublich stark zu Jan hingezogen fühlt und es so scheint, als würde dieser seine Gefühle erwidern, kann Andre eine Sache nicht vergessen: seine Vergangenheit. Sie steht dem Glück d...
