18.Kapitel

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Weinend saß ich hinter der Tür. Meine Lage war ja mal mehr als beschissen. Meine Nerven machten dieses ganze hin und her nicht mehr mit. Frustriert schlug ich mit der flachen Hand auf den Boden. Der Schmerz, der mich darauf durch fuhr, war mir egal. Fick dich Adam! Fick dich! Schrie ich in meinen Gedanken. Das erste Mal seit einer Woche weinte ich, wegen Adam, dem Arsch. Wieder schlug ich mit der Hand auf den Boden. Ich griff mir in die Haare und zog leicht dran. Ich ließ ein verzweifeltes Ahhh aus meinem Innersten nach außen dringen. Ich stand zittrig auf und lief zum Bett. Ich setzte mich hin und versuchte meine Gedanken zu sortieren. Warum tat Adam mir das an? Warum? Was hatte ich ihm getan, dass er mir das antut?

Gefühle ließ ich in diesem Moment nicht zu. Ohne Emotionen starrte ich die Tür an. Mein Blick verschwamm, dann wurde er wieder klarer. So ging das die ganze Zeit. Bis die Tür ein Geräusch von sich gab und auf sprang. Adam trat gehetzt in den Raum und sah mich an. Im ersten Moment starrten wir uns nur an, aber kurze Zeit später trat er zu mir, packte mich am Arm und zog mich aus dem Raum. Mir kam das sehr bekannt vor. Dieses Mal riss ich mich los. ,,Verdammt, was willst du von mir! Sag doch einmal was du vor hast!", sauer schrie ich ihn an und im nächsten Moment hob Adam seine Hand. Ich drückte meine Augen fest zusammen, ließ einen entsetzten Schrei aus und duckte mich. Doch seine Hand fand nicht den Weg zu meiner Wange sondern, stand regungslos in der Luft. Vorsichtig blinzelte ich, schaute zu seiner Hand und dann in sein Gesicht. Es hatte einen komischen Ausdruck. Verstört sah er in meine Augen, aber es sah nicht so aus, als ob Adam in dieser Welt war. Ich trat vorsichtig einen Schritt zurück. Angst machte sich in mir breit. Ich schritt die Stufen immer weiter nach unten. ,,Rose, verdammt das wollte ich nicht. Rose!", das erste Mal, dass Adam verzweifelt und hilflos vor mir stand. ,,Ich hätte dich nicht geschlagen!" Bestimmt...

Ich trat einen weiteren Schritt zurück. Adam machte einen Schritt auf mich zu und ich wich zwei zurück. Wie konnte er es wagen, mich zu schlagen zu wollen? Nun war ich es, die in einer anderen Welt war, denn Adam hatte es geschafft, sich vor mich zu stellen. Seine Hände packten mich an meinen Schultern. ,,Bitte, ich wollte das nicht! Das war ein Reflex. Ich würde dich nie schlagen!", flüsterte er mir zu. Adam war von jetzt auf gleich zum Softie mutiert. Der Typ hatte ja mehr Stimmungsschwankungen, als ich während meiner Schwangerschaft. Jetzt war aber nicht der richtige Zeitpunkt, um sich über Adam lustig zu machen. ,,Warum bin ich hier?", fragte ich ihn. Seine sanfte Seite würde mir wahrscheinlich mehr Auskunft gegeben. ,,Mittwoch!", sagte er und entfernte sich von mir. ,,Komm jetzt, wir setzen dich an dem Pier ab." Ich wusste von welchem er sprach. Dem Pier, der der einzigste in meiner Siedlung war. Direkt neben meinem Haus. Ich lief neben Adam die Treppe hoch. Umhüllt von Schweigen gingen wir beide unseren Gedanken nach. Oben angekommen, wartete George auf mich. Von Adams Vater keine Spur. Ich sah Adam nicht mehr an und lief mit George an Deck. Meine Augen fielen mir aus dem Kopf. Der gesamte Pier wurde von Adams Yacht aus gefüllt. Ich sah mich um. Fuck, was werden bloß die Nachbarn denken?

Gut das gehörte jetzt wahrscheinlich zu den kleinern Problemen, aber egal. George führte mich an die Reling. Eine steile Treppe führte hinauf zum Pier. ,,Ich helf dir!", meinte George und packte mich an den Hüften. Er hob mich hoch bis zu letzten Stufe, dann kamen meine Füße endlich auf festen Boden auf.  Ich winkte ihm noch, dann drehte ich mich um und lief ans Ende des Piers. Dort angekommen, sah ich dass die Yacht bereits den ,Hafen' verlassen hatte und auf dem Kanal dahin fuhr. Ich rieß meinen Blick los und lief barfuß zu meinem Haus. Meine Kinder hole ich in genau...Ähh Fuck! Wie fiel Uhr hatten wir denn? Ich sprintete zu der Terrasse. Ich sah von Nahem den kleinen Haufen Sachen, der auf dem Garten Tisch lag. Ich sah ihn mir genauer an. Meine Clutch, meine Pumps, der Haargummi und meine Schlüssel lagen auf einem Haufen. Ein Bitte unordentlich auf ein Blatt geschrieben, lag ganz oben drauf.

Ich nahm die Schlüssel und lief nach vorne. Ich trat in mein Haus. Mein Blick ging zur Küchenuhr. Noch eine halbe Stunde... Das heißt in einer Sekunde fertig machen. Ich rannte zu meiner Terrasse und sperrte die Gartentür auf. Ich nahm alles mit rein und schloss sie wieder. Ich stieg aus meinem Kleid und sprintete in mein Schlafzimmer. Ich riss meine hellblau Skinny Jeans aus dem Schrank, schnappte mir ein hell rosa T-Shirt. Auf dem Weg zu meinem Auto war ich froh, dass ich nicht gefallen war. Meine Haare hatte ich in einem Dutt gebunden, meine Schuhe waren meine weißen Slip On Vans. Mit Vollgas fuhr ich auf den nächsten Highway und Richtung Cranky Town. Ich machte Musik an, um mich wach zu halten, da wenige Stunden Schlaf nicht gerade optimal waren.

Mit einer halben Stunde Verspätung kam ich bei meinen Eltern an. Ich fuhr die Einfahrt hoch und klingelte wenige Augenblicke danach bei ihnen. Ich hörte von innen Lärm. Nach einer gefühlten Ewigkeit machte mir jemand die Tür auf. Doch in der Tür stand niemand. »Mama!« 2 kleine Arme umarmten meine Beine. Ich sah nach unten, dort versteckte sich zwischen meinen Beinen mein 2 Jähriger Sohn. »Mikosch hast du Mama vermisst?« Ich hob ihn hoch und trug in mit rein. Er nickte und leckte sein Kopf auf meine Schulter. Ich lief ins Wohnzimmer. »Hallo Rose!«, begrüßte mich meine Oma. Die Frau war 90, aber aktiver wie manch andere, die nur halb so alt waren. Ich umarmte sie herzlich. «Wir müssten mal reden. Es geht um den Vater der Kinder... « Ich sah meine Oma an. Oh nein! Nicht schon wieder! Jedes Mal lief es drauf hinaus,dass wir uns stritten, aber meiner alten Oma konnte ich nichts aus schlagen.  Sie deute Richtung Wohnzimmer. Ich folgte ihr und machte mich mental auf das Gespräch bereit.

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