21.Kapitel

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Es war Donnerstag. Mein freier Tag, den ich natürlich mit meinen Kindern verbringen würde. Lele und Mikosch waren noch in ihrem Bett und schliefen friedlich. Nach einer anstrengenden Nacht waren die beiden wohl aus gepowert und nuckelten an ihrem Daumen, klammerten sich an ihre Stofftiere und gönnten mir eine Pause, die ich nutze. Ich stand nämlich seit einer Stunde vor meinem Kleiderschrank und suchte nach einem Outfit für das Geschäftsessen morgen. Ich würde meine Haare offen lassen, das stand schon mal fest, mehr aber auch nicht. Ich zögerte sobald ich etwas in der Hand hatte. Die weiße Bluse...? Vielleicht wenn ich sie mit dem dunkelblauen Jackett... Nein. Okay von vorne. Ich will etwas Schickes, dennoch Simbels anziehen. Was kommt in frage? Eventuell mein schwarzer Bleistiftrock. Ja. Elegant aber bequem. Außerdem ging er mir bis zum Knie,also keine Gefahr, dass er hoch rutscht. Blick dicht. Dann brauche ich nur noch ein Oberteil. Eine Bluse? Ein Top? Etwas bauchfreies? Nein, ganz bestimmt nicht, dass wirkt total unprofessionell. Ich sah mich um. Etwas Farbe würde meinem Stil etwas peb verleihen. Aber welche Farbe passte dazu? Vielleicht grün? Kein helles, eher ein dunkles Grün. Hatte ich sowas in meinem Schrank? Bestimmt oder? Ich sah kurz in den Schrank. Nope, so würde ich nichts sehen. Ich schob die Kleider, die auf den Bügeln hingen zu Seite und sah nach hinten. Das Loch wie ich es nannte. Alles was dahinten landete, sah das Tageslicht nie wieder. Ich war mir sicher, dass ich eine Bluse dort hin geschmissen hatte. Dunkelgrün. Ich beugte mich weiter nach vorne.

Es klingelte, ich erschrak und verlor das Gleichgewicht. Ich stieß mir den Kopf und landete mitten in einem Kleiderhaufen. Das Klingeln hörte nicht auf und machte mich total nervös. Ich strampelte mich frei und hievte mich wieder aus meinem Schrank. Ich hatte einen spitzen BH auf meinem Kopf, der BH aus der besagten Nacht. Ich spürte den kleinen Schmerz in meinem Magen, dann warf ich ihn wieder dahin, wo er hingehörte. Ich strich mir ein lästiges grünes Teil von meiner Schulter, als ich in den Flur trat. Ich lief schon weiter, als ich bemerkte, dass das die gesuchte Bluse war. Ich griff nach ihr. Das Klingeln begann von vorne und ich rief»Komme gleich!« Die Zwillinge fingen an zu brüllen. Fuck, okay wer zuerst. Ich stürmte in Lele's Zimmer und hob sie aus ihrem Bett. Sie klammerte sich an mich, dann joggte ich zu Mikosch, dem ich ebenfalls auf meinen Arm nahm. Ich lief mit den beiden zur Tür und hatte die Bluse zwischen den Zähnen. Ich öffnete mit dem Fuß die Haustür und verlor fast das Gleichgewicht. »Guten Morgen Ms Sterling. Ein Brief und ein Packet für sie.«sagte meine Briefträgerin. Ihr Blick hob sich und sie sah meine Lage. »Ich helfe Ihnen. Ich lege mal das Packet auf den Boden. Okay, jetzt geben Sie mir mal ihre Tochter. Ja okay. Einmal hier unterschreiben. So fertig. Hier ihre Tochter... Haben Sie sie? Alles klar. Dann... Auf Wiedersehen!« Sie lächelte mir zu und ging.

Ich ging in die Küche und setzte Lele und ihren Bruder in ihren jeweiligen Hochstuhl. Beide hatten sich wieder beruhig. Noch kurz das Packet holen, dann kann ich meiner Arbeit wieder nach gehen. Ich trat um die Ecke, als ich jemanden in der Tür stehen sah. Adam. Er hatte den Brief und das Packet in der Hand. Ein festes Grinsen war auf seinem Gesicht. »Was machst du hier?« Ich verdrehte die Augen und nahm im das Packet und den Brief aus der Hand. »Guten Morgen. Ich wollte kurz vorbei schauen.« »Ach tatsächlich! Das du mich kontaktierst ist zu viel verlangt.« »Ab morgen hab ich ja dann deine Handynummer, Rose. Schicke Unterhose hast du da an.« Ich spürte wie meine Wangen rot wurden und mir bewusst wurde, dass ich außer einem großen T-Shirt und meiner pinken Unterhose nichts anhatte. Toll, so tritt man ja gerne vor Adam. »Muss dir nicht peinlich sein. Hab dich schon mit weniger gesehen.« Er lachte auf und ich hätte ihm an liebsten ins Gesicht gehauen. »Witzig.«meinte ich beleidigt und schloss hinter ihm die Tür. Er lief in die Küche und ich war noch nicht da, aber ich hörte das vergnügte Lachen von Lele. Kaum trat ich in die Küche, als ich sah wie Adam Lele auf dem Arm hatte und ihr das gefiel. Nein oder? Warum musste mir meine eigene Tochter in den Rücken fallen? Gut, sie er erst 2 und verstand noch nicht, dass Adam nicht der Gute in der Geschichte war, aber naja. Ich holte die Trinkbecher und das Besteck von meinen beiden Engeln aus dem Schrank und machte den Wasserkocher an. Ich stellte alles auf ihre Plätze. Mikosch war in seinem Sitz eingeschlafen und murmelte etwas vor sich hin. Ich lächelte. Im Hintergrund hörte ich Lele's Lachen, was eher ein Glucksen war, und sah aus den Augenwinkeln wie Adam sie in seinen Armen hin und her schaukelte.

Adams POV:

Ich führte mir vor Augen, dass das das Leben war, was ich so verabscheut hatte. Das Familienleben. Doch es fing an mir zugefallen. Der kleine Wurm in meinen Armen war mein kleiner Wurm. Das Glucksen und Kichern was aus ihm heraus kam, ließ mein Herz auf gehen. Ich sah mich um. Kleine Küche, aber gemütlich. Ein Holztisch, vermutlich IKEA, stand in der Mitte des Raums. 2 Stühle und 2 Hochstühle standen dran. In einem davon schlief der andere Wurm, der mich jedes Mal mit großen Augen an sah, wenn er mich sah. Mein Spitzname war Kuschelriese. Kinder. Aber er gefällt mir. Ich sage nicht, dass ich nicht groß bin, was ich mit 1,89 auch war, aber kuschlig. Bestimmt nicht. Obwohl ich mit ihnen als sie bei mir waren, verdammt viel gekuschelt habe. Was mir nicht ähnlich sieht. Obwohl ich mit ihrer Mutter, dass auch gemacht habe. Liegt wohl in der Familie, dass meine weiche Seite hervor gerufen wird. Ich setzte meine kleine Maus wieder in den Stuhl und drehte mich zu ihrer Mama um. Die Frau hatte Nerven vor mir mit nur einer Unterhose und T-Shirt zu stehen. Jeder wäre ich jetzt an die Wäsche gegangen, aber sie würde mich eher köpfen, als Nähe zu zulassen. Ich fragte, ob ich ihr helfen kann und wurde einfach auf einen Stuhl gesetzt, mit der Bitte, dass ich meine Klappe halten soll.

Nach ein paar Minuten bekam ich Panecakes vor gesetzt. Diese waren echt winzig, aber egal. Ich wollte mir die erste Gabel in den Mund schieben, als ich von einem Löffel getroffen wurde. »Au, was soll das!?« Rose schaute mich böse an. »Die sind für Mikosch! Unser Essen ist danach dran!« »Jawohl Mam'« Sie verdrehte ihre Augen, aber konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. »Mikosch isst nie viel, also morgens. Mach ihm einfach das Essen schmackhaft.«

Das Frühstück war vorbei, also für die Kinder, die jetzt mit ihrem Spielzeug spielten. Ich passte auf sie auf, während Rose uns was zum Essen machte. Die beiden beachteten mich nicht, aber nutzen mich als Autobahn aus. Ich lag auf meine Ellbogen gestützt auf dem Boden und durfte mich nicht bewegen. Mikosch krallte sich mit seinen kleinen Händen in mein Hemd und zog sich hoch. »Aufpassen Maus! Adam brauch das Hemd noch. Geht's?«fragte sie und konnte den besorgten Ton nicht unterdrücken. Ich nickte nur und spürte wie mir die erste Schweißperle über die Stirn lief. »Du sitzt so seit einer halben Stunde. Willst du aufstehen?«fragte sie und lachte. Ich nickte kurz, dann trat sie hinter mich und hob Mikosch und dann Lele hoch. »Wollt ihr Fernsehen?« sagte sie zu den beiden und sah sie mit einem Blick voller Liebe an. Die beiden nickten heftig und sie setze sie auf die Couch.

Nach einer Stunde wurde es für mich Zeit zu gehen. Rose hatte sich nicht die Mühe gemacht sich umzuziehen und hatte mich schön mit den Kindern alleine gelassen, damit sie den Haushalt machen konnte. Es war mir nicht missfallen mehr Zeit mit meinen Kindern zu verbringen, denn die beiden ließen kaum zu, dass es mir langweilig wurde. Ich spürte wie ich begann zu grinsen.

Rose POV:

Ich kam vom Bügeln wieder und sah wie Adam beide auf dem Schoß hatte. Sie hatten ihm ihr Lieblingsbuch in die Hand gedrückt. Beide waren auf das Buch konzentriert, aber Adam saß mit einem fetten Grinsen da. Ich fragte mich, warum ich zu gelassen hatte, dass er hier blieb für fast 2 Stunden. Ich hatte ihn mit den Kindern alleine gelassen, um in meinen Gedanken eine Entscheidung zutreffen. Mittlerweile hatte ich mich auch um gezogen. Eine Jeans und ein Shirt. Das würde für heute reichen. Ich lehnte mich an den Türrahmen und beobachtete Adam. Er hatte ein blaues Hemd, eine dunkel blaue Jeans und eine Uhr an. Er hatte etwas an sich, was mich unglaublich entspannte, aber dann warf er mir nur einen kurzen Blick zu und ich wusste wieder, wer da vor mir saß. Ich holte die drei aus ihrer Welt. »Musst du nicht irgendwann auch mal los?«fragte ich. »Ja, genau jetzt. Muss noch wo hin«

Und nach einem nervenaufreibenden Abschied, dank meinen Kindern, war Adam verschwunden. Meine Entscheidung stand fest. Würde Adam mir helfen, helfe ich ihm auch.

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