„Worauf warten wir dann noch?", grinste er und ließ dabei ein paar niedliche Grübchen sichtbar werden.
„Hier entlang!" Ich drehte auf dem Absatz um und wollte in Richtung Wald laufen.
„Clary, warte noch kurz!", sagte er und ich drehte mich wieder zu ihm um.
„Ja?"
„Lass mich den Korb tragen!"
Er war also auch noch ein Gentleman.
Automatisch musste ich lächeln, während ich ihm dankend den Korb reichte.
Harry winkelte seinen Arm an und nachdem ich mich einhakte, machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Wald.
Wir liefen schon ungefähr eine halbe Stunde durch den Wald, stapften durch Moos und lauschten dem Knacken der Äste, die unter unseren Schuhen zerbrachen. Bisher hatten wir nicht viel miteinander gesprochen und waren nur still nebeneinander, Arm in Arm, durch den Wald gelaufen. Es herrschte absolute Stille zwischen uns, nur die Geräusche des Waldes waren zu hören. Doch es handelte sich nicht um eine unangenehme Stille. Wir schienen beide unseren eigenen Gedanken nachzugehen und dennoch war es, als wären wir die ganze Zeit in einer Unterhaltung vertieft. Ich dachte überwiegend über Harrys Worte, unsere vorherige Begegnung und den Weg zur Höhle nach. Woran er dachte, vermochte ich nicht zu sagen, dennoch hatte ich ein Gefühl, dass es ihm ähnlich erging.
Es war Harry, der als Erstes die Stille brach. Er räusperte sich und blieb stehen. Da wir noch immer mir eingehakten Armen liefen, brachte er mich damit ebenfalls zum Stehen.
"Bist du sicher, dass wir uns nicht schon verlaufen haben?", fragte er und sah sich langsam in dem Wald um.
"Ehrlich gesagt, hatte ich erwartet, dass wir uns verlaufen würden. Doch jetzt bin ich mir sicher, dass wir fast da sind", gab ich zu.
"Wie kannst du das wissen? Hier sieht doch einfach alles gleich aus. Ich sehe nicht einmal einen Unterschied zwischen den einzelnen Bäumen. Kommt mir vor, als hätten sie sogar die gleichen Muster in den Rinden!", verzweifelt ließ Harry erneut den Blick über unsere Umgebung wandern.
"Schwer zu erklären. Ich fühle es einfach...", sagte ich leise aber dennoch bestimmt.
"Das Einzige, das ich fühle, ist ein Schauer auf meinem Rücken, wenn ich daran denke, dass wir nie wieder aus diesem Wald herausfinden!", erwiderte Harry ernst, doch seine Wange zeigte für den Bruchteil einer Sekunde eines seiner Grübchen.
"Wir sind nicht in einem Urwald. Das Grundstück ist nicht so riesig. Selbst wenn wir uns verlaufen würden, wir müssten einfach in eine Richtung laufen und würden früher oder später aus dem Wald kommen. Und von außerhalb ist es leicht, die Orientierung zu gewinnen. Und das sagt jemand, der so gut wie überhaupt keinen Orientierungssinn hat. Vertraust du mir?"
"Ich habe, trotz aller Angst, neben deiner Großmutter auf dich gewartet. Bin dir, auf dem Grundstück einer Frau, von der ich sicher bin, sie würde mich töten, wenn du nicht wärst, in einen Wald gefolgt, wo man mich mit Leichtigkeit verscharren könnte und du musst wirklich noch fragen, ob ich dir vertraue?" Harry sah mich an, als hätte ich den Sinn des Lebens gerade falsch zitiert.
"Ich meinte eigentlich, ob du mir zutraust, dass ich den Weg weiß!", gab ich zu verstehen und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. "Dennoch ist es schön, dass du so bereitwillig glaubst, ich würde dich nicht hier irgendwo niederschlagen und vergraben. Vielen Dank für das Vertrauen."
Resignierend schlug sich Harry die Hände über den Kopf. Kleinlaut gab er nur ein leises "Ja!" von sich.
"Na dann komm!", grinste ich ihn breit an. "Wir wollen ja nicht, dass wir noch Wurzeln schlagen und nachher genauso aussehen wie all die Bäume, die dich verwirren!"
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Love Triangle
FanfictionClary könnte nicht glücklicher sein! Sie kennt Conor seit ihrem vierten Lebensjahr und ist nun seit zwei Jahren mit ihm in einer glücklichen Beziehung! Doch er beginnt, seinen Wunsch, Sänger zu werden, zu ernst zu nehmen und vernachlässigt sie immer...