Nach einer Stunde Fahrt war ich noch immer nicht fröhlicher, doch ich konnte, je näher ich meinem neuen Leben kam, immer leichter atmen. Es war, als würde sich ein immenser Druck von meiner Brust lösen.
Etwas außerhalb von Londons Innenstadt kämpfte ich mich durch den Verkehr. Es war doch erstaunlich. Ich nahm extra den Weg außen herum, damit ich nicht durch den Großstadtverkehr musste und war dennoch im Stau gelandet. Nun denn, was war anderes zu erwarten? Viele Menschen mussten täglich nach London und auch wieder heraus. Das inklusive der Tatsache, dass ich im Feierabendverkehr gelandet war, setzte doch schon voraus, dass ich in einem Stau landen musste.
Doch etwas war seltsam an diesem Stau. Es schien nur unsere Fahrbahn blockiert zu sein, denn auf der Seite des Gegenverkehrs standen keine Autos. Okay, das war nun nichts besonderes, aber die Tatsache, dass nicht nur kein Auto dort festsaß, sondern auch keins kam, war doch merkwürdig. Die Gegenfahrbahn war wie ausgestorben.
Etwas genervt lehnte ich mich in meinem Sitz zurück und wartete darauf, dass sich der Stau löste. Es war nicht nur ein Stau, der einen im Schneckentempo voranbrachte, nein, es war gleich einer, in welchem man stand. Wie so oft, wenn ich in solch einem Stau stand, bildete sich in meinem Kopf die stumme Frage, ob ich schneller wäre, wenn ich aussteigen, mein Gepäck schnappen und zu Fuß gehen würde.
Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass ich, ohne Stau, seit zehn Minuten bei meiner Großmutter angekommen sein müsste. Zehn Minuten, die ich schon in meinem neuen Leben gewesen wäre. Zehn Minuten, die ich hätte früher bereit sein müssen.
Ich tauchte in die unendlichen Tiefen meines Handschuhfaches ab und griff mir meine Flasche Wasser, die dort immer für den Notfall drin lag. Wenn ich hier schon festsaß, dann wollte ich wenigstens nicht austrocknen. Selbst für einen Sommertag war es heute immens heiß.
Nach einer weiteren viertel Stunde wurde es im Auto unerträglich und ich war gezwungen, mich mit dem Kopf direkt vor die Klimaanlage zu legen. Konnte sich der Stau nicht einfach lösen, sodass der Verkehr langsam aber sicher wieder vorangehen und ich irgendwann an ein schönes gekühltes Getränk oder ein Eis herankommen konnte?
Ich wollte doch nur weg von der Straße, raus aus dem Auto und ran an Omas Kühlschrank. In meinem Kopf hörte ich schon ein leises Kreischen. Na wunderbar, jetzt hatte ich auch noch einen Sonnenstich, obwohl ich das Autodach über meinem Kopf hatte.
Doch nach weiteren fünf Minuten wurde mir bewusst, dass das Kreischen immer lauter wurde. Es war noch immer nicht laut genug, um irgendetwas zu verstehen, aber laut genug, damit ich bemerkte, dass es real war und sich nicht in meinem Kopf abspielte. Verwirrt setzte ich mich wieder aufrecht und sah, dass es nicht nur mir so erging. Auch die Leute um mich herum hatten ihre Fahrzeuge verlassen, was, bei dem Wetter und einem Stau, an sich nicht verwunderlich war. Das Merkwürdige daran war, dass sie alle – ausnahmslos alle – in ein und dieselbe Richtung starrten und zeigten.
Neugierig geworden stieg auch ich aus und folgte ihrem Beispiel, indem ich in die gleiche Richtung sah. Stau. Nichts, als Stau, so weit ich blicken konnte. Ein Auto nach dem anderen und ein Haufen Menschen, die ihre Autos verlassen hatten und sich in der Sonne nun zu Tode schwitzten.
Oh toll! Welch eine Sehenswürdigkeit!, dachte ich sarkastisch.
Was fanden die Leute jetzt daran so interessant?
Ich verdrehte die Augen und wollte gerade wieder in mein Auto steigen – schließlich sollte man ja nicht einfach so auf der Fahrbahn herumstehen – als ich ein paar Wagen hinter mir ein Gespräch hörte.
„Sieh dir diese Menschenmenge an!“
„Kein Wunder, dass wir hier im Stau stehen!“
„Können die nicht die Fahrbahn verlassen, damit wir weiter können?“
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Love Triangle
FanficClary könnte nicht glücklicher sein! Sie kennt Conor seit ihrem vierten Lebensjahr und ist nun seit zwei Jahren mit ihm in einer glücklichen Beziehung! Doch er beginnt, seinen Wunsch, Sänger zu werden, zu ernst zu nehmen und vernachlässigt sie immer...