47. Nicht bereit

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"Nein, gar nicht!", erwiderte Harry. "Ich verstehe genau, was du meinst! Lass uns das einfach vergessen und zu dem Teil des Tages kommen, wo wir einfach genießen!"

Wenn ich schon dachte, dass mein Satz über das genießen doppeldeutig klang, wie klang dann Harrys Spruch? Ich musste unwillkürlich kichern, was auch Harry lachen lies. Angesteckt von seinem Lachen verwandelte sich mein Kichern ebenfalls in ein Lachen und so lachten wir gemeinsam eine Weile. Das war es, was ich mit genießen meinte. Wir genossen einfach das Leben. Lachten und hatten Spaß. Und es tat wirklich gut mit ihm zu lachen. Einfach mal keine Sorgen, ausgelassen sein und der Welt ihren Lauf lassen.

"Sahneschnitte?", fragte Harry, der sich als erster beruhigte und ich hörte abrupt auf zu lachen um ihn anzustarren.


Sahneschnitte? Das hatte er nicht wirklich gesagt, oder etwa doch? Nein, das konnte er nicht gesagt haben. Andernfalls müsste ich jetzt schreiend davonlaufen und doch noch meine Großmutter auf ihn loslassen. Sahneschnitte war für mich so ziemlich der schlimmste, grauenhafteste und degradierendste Kosename, den es gab. Jedenfalls von den positiven Kosenamen. 

"Bitte?", fragte ich mit einer erhobenen Augenbraue.

"Da wir mit dem Thema des Fallenlassens abgeschlossen hatten, wollte ich auf das Thema Essen zurückkommen und fragte mich, ob sich in deinem Korb vielleicht Sahneschnitten befinden."

"Oh", gab ich stumpf von mir.

OH!

Er hatte gar nicht mich gemeint. Er hatte weder von mir gesprochen, noch versucht mir einen Kosenamen zu geben. 

Wie lächerlich es war, zu glauben, er würde so eine billige Anmache versuchen. Ich empfahl mir selbst, dringend  mal einen Arzt aufzusuchen und mit meinem Kopf ein paar Tests zu durchlaufen. 

Wortlos öffnete ich den Korb und holte Stullen, Käsehappen und Weintrauben heraus, welche ich peinlich berührt Harry reichte. 

Wir aßen gemütlich in Stille. Es war jedoch schnell keine bedrückende Stille mehr. Wir waren einfach zu sehr in eigenen Gedanken, während wir die Höhle betrachteten. Nach dem Essen beschlossen wir, dass es an der Zeit war zurück zu gehen. Harry hatte am nächsten Morgen ein Interview und ich wollte meine Großmutter nicht allzu lange auf die Folter spannen. Aus irgendeinem Grund hatte ich es bildlich vor Augen, wie sie sich bereits zu dem Lied "Eye Of The Tiger" für den Fall, dass sie Harry töten müsse, aufwärmte.

Eine Weile stapften wir durch das Dickicht, zu konzentriert, nicht über Stock und Stein zu fallen, als das wir hätten reden können, doch als sich der Weg ebnete,  brach Harry schließlich die Stille.

"Lass uns ein Spiel spielen!", gab er mit einem schelmischen Grinsen von sich.

"An was denkst du?", fragte ich und runzelte skeptisch die Stirn.

"Hm." Er tat so, als würde er überlegen, ehe er schließlich erneut schmunzelte. "Wahrheit oder Wahrheit!"

"Du weißt schon, dass es Wahrheit oder Pflicht heißt?", fragte ich und fügte meiner gerunzelten Stirn eine erhobene Augenbraue hinzu.

"Jetzt nicht mehr", lachte er.

"Das ist aber ein klarer Regelverstoß, da bleibt ja gar keine Wahl!"

"Und?", grinste er schelmisch und wies zwei Grübchen in seinen Wangen aufblitzen. "Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden!"

"Na schön", gab ich mit einem Seufzen schließlich nach. Wer konnte diesem Grinsen schon widerstehen? "Aber dafür füge ich eine Regel hinzu."

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