25. Woche eins: Con, komm zurück!

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Die erste Woche nach der Trennung würde ich als reinen Graus bezeichnen.

Nachdem ich die erste Nacht schon aus einem Albtraum geschreckt war und mein Vater fast meine Zimmertür eingetreten hätte, hatte ich ihm erzählen müssen, was geschehen war.

Für die Schilderung der Geschehnisse hatte ich eine ganze Stunde gebraucht, wovon ich höchstens zehn Minuten geredet hatte. Den Rest der Zeit hatte ich damit verbracht, ihm sein schönes weißes Hemd nass zu heulen.

Doch es hatte auch seine guten Seiten, ihm davon zu erzählen.

Als erstes hatte er sofort die Schule informiert, dass ich an dem Tag fehlen würde. Und dann hatte er mir gestattet, zurück ins Bett zu gehen.

Diese Entscheidung fing er jedoch schnell zu bereuen an.

Denn einmal drin, kam ich auch nicht mehr heraus.

Zu sehr fesselten mich meine Gedanken.

Warum hatte er sich von mir getrennt?

War die Musik wichtiger als ich?

Wie konnte ich ihn nur so falsch eingeschätzt haben?

Liebte er mich nicht genug?

Warum sah er dann so schlecht aus, wenn er so leichtfällig diese Entscheidung treffen konnte?

Mittags rief er mich zum Essen, doch ich reagierte nicht.

Ich war zu beschäftigt damit, die weiße Decke anzustarren. Ich hörte seinen Ruf, registrierte ihn jedoch nicht.

Eine Weile später klopfte es an meiner Tür.

„Ja?“, murrte ich.

Langsam öffnete sich die Tür und mein Vater kam mit einem Tablett herein.

„Ich hab hier ein wenig zu essen für dich“

„Danke, Dad. Aber ich habe keinen Appetit!“, gab ich nur zurück.

„Na gut, ich lasse es hier stehen, falls du doch noch Appetit bekommst“, lächelte er mich an.

Er platzierte das Tablett auf meinem Nachttisch und verließ mein Zimmer wieder.

Ich starrte das Tablett an. Er hatte sich wirklich Mühe gegeben. Es waren meine liebsten Speisen und eine riesige Schüssel Schokoladenpudding. Und alles war wunderschön hergerichtet.

Unter normalen Umständen wäre ich wohl sofort darüber hergefallen. Doch es waren keine normalen Umstände.

Allein der Anblick des Essens verursachte ein flaues Gefühl in meinem Magen. Mir wurde schlecht. Ich hatte gewiss keinen Appetit.

Dafür aber drückte mir meine Blase.

Schwerfällig stand ich auf und schlurfte ins Bad.

Der Donnerstag verlief ähnlich.

Nachdem ich abends eingeschlafen war, schreckte ich mehrmals die Nacht schweißgebadet aus dem Schlaf.

Immer und immer wieder träumte ich davon, dass Conor sich von mir trennte und mir verbal die schlimmsten Dinge an den Kopf warf.

Den Rest des Tages verbrachte ich im Bett.

Mein Vater hatte mich wieder für den Tag in der Schule abgemeldet und mir Essen gemacht. Auf diesem Wege bemerkte er dann, dass das vom Vortag noch immer unangerührt auf meinem Nachttisch stand.

„Clary, du musst etwas essen!“, meinte er besorgt.

„Ich habe aber keinen Appetit!“, flüsterte ich heiser.

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