Kapitel 50

258 10 2
                                    

Besorgt setze ich mich neben ihn und frage sofort was passiert ist.
Er reicht mir sein Handy und was ich dann lese lässt mich los schreien.

„Hey kleines... Hör auf. Was ist passiert?", möchte Sean wissen, als er sich neben mich setzt und mich fest in den Arm nimmt.
Diese Worte werde ich nicht vergessen. Ich reiche Sean also das Handy.

Hey Dylan.
Meine Mutter hat leider viele Probleme, von denen sie uns nie was erzählt hat. Ich habe versucht für sie da zu sein in den letzen Wochen, aber sie hat sich nicht helfen lassen. Ich habe alles versucht. Aber Mama ist weg. Wo sie ist? Keine Ahnung. Sie hat Noah und mir einen Brief hinterlassen, wo sie meinte, dass sie nicht mehr kann und somit dann abhaut. Mama hat uns auch geschrieben, dass wir, vor allem ich zu unserem Vater ziehen sollen. Bei Noah ist es ihr eigentlich egal, aber ich MUSS. Noah ist 18 Jahre alt, somit kann er tun was er möchte. Die letze Adresse die ich von Papa hatte war in Australien. Ich meine ich wollte schon immer in Australien leben. Seitdem ich dich und die Jungs kenne, würde ich viel lieber bei euch in Amerika leben.
Vielleicht verstehst du und die anderen jetzt mein Verhalten. Warum ich so abweisend war und mich nicht gemeldet habe.
Ich hab keine Ahnung, ob wir uns jemals wieder sehen, denn Mama sagte, dass Papa schon immer streng war und vieles, oft sogar alles verboten hat.
Falls wir uns nicht mehr sehen sollten und du deswegen Schluss machen solltest verstehe ich das. Nur vergiss eins nicht: Ich liebe dich über alles. Für immer. Du bist der beste, vergiss es nicht.
Vielleicht bis irgendwann. Deine Sarah.

Ach du. Ich meine. Wie. Warte was?", stottert Sean.
„Was hast du ihr geschrieben?", möchte Jaden wissen.
„Noch gar nichts", schluchzt Dylan. „Was willst du ihr denn schreiben?", erkundigt sich nun Julian.
„Ich weiß es nicht", gesteht Dylan.

„Egal was du vor hast. Wir sind für dich da und stehen hinter dir", ermutige ich ihn. Dylan steht auf und setzt sich neben mich. Er guckt mir in die Augen. Leise murmelt er ein Danke. Dann fällt er mir weinend um den Hals.

Wir lassen uns auf den Boden fallen und weinen um die Wette.
Hätte ich vorher gewusst, was passiert, wenn ich Deutschland verlasse, ich wäre nie gegangen.

Die restlichen Jungs räumen etwas auf und legen uns eine Decke über. Während Dylan weint, streiche ich ihm durch die Haare.
Irgendwann merke ich, wie Dylan immer ruhiger atmet und aufhört zu weinen. Er ist eingeschlafen.

Kurz bevor ich einschlafe merke ich, wie Sean sich neben mich hockt.
„Möchtest du mit hoch?", fragt er leise.
„Nein. Also doch. Aber ich möchte Dylan nicht alleine lassen. Wenn er wach wird und wieder alleine gelassen wurde ist es nicht gut. Vielleicht braucht er dann jemanden zum reden. Ich möchte ihn nicht alleine lassen. Wenn was ist, rufe ich nach dir", erkläre ich Sean und er nickt.
Er küsst meine Stirn und wünscht mir eine gute Nacht. Dann verschwindet er.

Ich streiche Dylan weiter durch die Haare. Jetzt weiß ich, warum alle seine Haare so lieben. Seine Locken sind ganz weich und kräuseln sich um die Finger.

Müde erkenne ich die Umrisse von Jaden und co, die nach oben verschwinden um schlafen zu gehen. Traurig denke ich an Sarah und schlafe dann irgendwann ein. Ich träume von einem kleinen Mädchen, das versucht für alle die Welt besser zu machen.

Ich blicke in das verheulte Gesicht meiner besten Freundin. Ihre sonst so strahlenden Augen sind Eiskalt und ihre Haut ist blass. Ihre sonst so perfekt aufgetragene Schminke ist verlaufen und ihre Wangen sind leicht gerötet. Sarahs Haare sind verknotet und in einen unordentlichen Dutt geworfen. Lange herrscht Stille zwischen uns. Eine Stille die unerträglich ist.

„Du wirst wieder zu uns kommen. Ich verspreche es dir", sage ich traurig. Weinend kuschelt sie sich in ihre Decke.
„Bitte weine nicht. Ich werde alles versuchen", murmle ich, doch sie weint mehr.
„Du bist meine beste Freundin. Ich lasse dich nicht allein", verspreche ich, doch Sarah weint weiter.
„Vergiss es. Lasst mich einfach in Ruhe. Ihr werdet es eh nie schaffen!", brüllt sie mich an und legt dann auf.

Schreiend wache ich auf. Dylan guckt mich erschrocken an.
Von oben ertönt Gepolter und dann geht das Licht an.
Sean nimmt mich fest in den Arm.

„Hey Melina... Was ist passiert?", fragt Jaden, als er sich neben Dylan setzt und ihn in den Arm nimmt, da er wieder angefangen hat zu weinen.
Sollte ich Ihnen von meinem Traum erzählen? In letzter Zeit wird alles wahr, was ich träume. Wenn ich daran denke, dass dies wirklich passieren könnte, fange ich noch schlimmer an zu weinen.

Sean streicht mir beruhigend über den Rücken. „A-also...", fange ich an und erzähle ihnen dann meinen Traum.
„In letzter Zeit ist alles wahr geworden, was ich geträumt habe. Ich habe Angst, dass auch dies wahr wird", beende ich weinend die Erzählung.
„Nein, hör auf sowas zu sagen. Es wird alles gut. Wir schaffen das. Vielleicht wohnt ihr Vater auch gar nicht mehr in Australien", fängt Jaden an. „vielleicht wohnt er jetzt ja wieder in Deutschland und gar nicht weit von ihr entfernt", beendet Julian den Satz von Jaden.

„Vielleicht zieht ihr Vater auch zu Sarah, da sie ja dort zur Schule geht und auch ihre Freunde dort hat und Noah auch noch dort wohnt", fügt Devin noch hinzu.

Vielleicht haben sie recht. Vielleicht wird sie ja gar nicht nach Australien ziehen. Und wenn doch, dann werde ich für sie da sein. Egal was sie sagt, denn sie ist meine beste Freundin!
Und beste Freundinnen halten zusammen!

Ein kleines Lächeln schleicht sich über meine Lippen. Da Jaden nicht blind ist sieht er dies und ruft freudig „Gruppenkuscheln!"
Die anderen lassen sich auf uns drauf fallen und Dylan fängt an zu lachen, weswegen ich auch anfangen muss. Irgendwann lachen wir alle.
Warum? Ich habe keine Ahnung.

Nur eins weiß ich. Diese fünf Chaoten sind ein Geschenk Gottes und so schnell werde ich hier nicht weg gehen.
Ich weiß jetzt allerdings was fehlt. Sarah. Nur sie wird auch noch hier her kommen. Das verspreche ich. Und wenn ich dafür einiges tun muss, dass ist es mir wert.

missing love Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt