Eine halbe Stunde später schlendere ich mit lauwarmem Kaffee in der Hand an Skyes Seite durch die North Lanes. Noch immer weht mir der eisige Wind um die Ohren und meine Finger sind steif von der Kälte. Meine dünne Hose und die fehlenden Handschuhe zeigen deutlich, dass ich mich erneut völlig falsch angezogen habe. Obwohl es in meiner Heimat nicht wärmer ist als in Brighton habe ich es nie gelernt, mich richtig anzuziehen.
„Lass uns irgendwo rein gehen", sage ich schnell und deute mit dem Kaffee in der Hand auf ein nahegelegenes Geschäft, welches Secondhand Kleidung verkauft.
„Ich dachte wir wollten heute einmal nichts für uns kaufen, sondern nur Geschenke", sagt meine beste Freundin mit erhobener Augenbraue. Die perfekt geschwungenen Brauen betonen die grossen blaugrünen Augen perfekt, die im Kontrast mit Skyes beigefarbener Hautfarbe wunderschön herausstechen. Auch ihre vollen Lippen und ihr seidiges Haar sind Hingucker, von denen ich nur träumen kann. Meine beste Freundin ist eine Schönheit.
„Dabei bleiben wir auch", antworte ich schnell und lächle sie schelmisch an. Man kann immer Ausnahmen machen. „Dann gehen wir halt irgendwo anders rein. Solange wir nicht noch länger in dieser Kälte stehen müssen."
Skye leert ihren Becher mit nach Zimt riechendem Tee und verstaut ihn dann in ihrem grossen Beutel.
„Jack?", fragt sie grinsend.
„Jack", bestätige ich.
Gleich darauf stehen wir in unserem absolut liebsten kleinen Shop der ganzen Stadt.
„Skye!", ruft eine männliche Stimme von hinter dem Tresen und kommt im nächsten Moment auf uns zugestürzt.
„Jack, hi", grüsst Skye zurück und umarmt den jungen Ladenbesitzer überschwänglich.
Eine Ewigkeit später verlassen wir den Shop mit zwei kleinen Tüten. Obwohl Weihnachten nur noch acht Tage entfernt ist, hat Skye noch kein einziges Geschenk eingekauft, weshalb sie jede Kleinigkeit im Laden zwei Mal hat umdrehen müssen. Währenddessen habe ich mich ein wenig mit Jack unterhalten.
„Was hast du eigentlich gekauft?", reisst mich Skye aus meinen Gedanken, als wir dem Strässchen entlanggehen. Ich werfe ihr einen amüsierten Blick zu.
„Ein Geschenk für Mom. Bleibt nur noch Zach."
„Was? Du kannst mich doch mit meinen Geschenksorgen nicht alleine lassen."
Ich lache leise auf. Skyes Verplantheit ist so liebenswert, dass ich ihr das halb ernste Gejammer nicht übelnehmen kann.
Zwei Stunden später schliessen die kleinen Shops in unserer Lieblingsstrasse, so dass wir in ein farbig gestrichenes Bistro treten, in dem sich die vielen Leute auf die wenigen freien Plätze stürzen.
Selbst meine Freundin hat nun einige Tragtaschen bei sich, von welchen überraschend wenige mit Klamotten für sie selbst gefüllt sind.
„Was willst du essen?", schaut mich Skye mit spitzem Mund an. „Ich glaube ich nehme das Avocado-Hühnchen Sandwich."
„Hm", antworte ich nur, während ich die verschiedenen Take-Away Optionen betrachte, die an einer Tafel aufgelistet sind.
„Nimm das Taschenbrot mit Mango und Truten", schlägt sie mir schwärmend vor.
„Nimm du es doch", lache ich zur Antwort.
„Nein", klagt Skye grinsend, „ich habe Lust auf Avocado."
„Na gut, dann nehme ich das Taschenbrot."
„Ja, super. Dann können wir teilen."
Ich schüttle lächelnd den Kopf. Während wir darauf warten, endlich an die Reihe zu kommen, schwärmt Skye mir die Ohren von ihren Geschenken voll. Ich nicke und murmle Zustimmungen, doch registriere ihre Worte gar nicht erst. Auch das sehr verlockende Essen hat plötzlich keine Anziehungskraft mehr. Überhaupt gar nichts im überheizten Bistro macht mehr Eindruck. Es ist, als würde der Ton der Welt abgedreht werden. Als würde nur noch mein Herzschlag erklingen.
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Lila Lichter
Romantik"Ich hadere mit mir. Tue es unbewusst wahrscheinlich schon länger. Es hat sich langsam und quälerisch in mein Bewusstsein geschlichen, ohne Vorwarnung, rücksichtslos. Und nun beherrscht es mein Wesen, all meine Gedanken. Ich hätte es kommen sehen so...
