Die Kuscheldecke schlingt sich um meine Beine, hält mich in meinem Bett gefangen, unbequem und erbarmungslos. Ich drehe mich auf die Seite, wieder zurück, wieder und wieder, bis ich nicht mehr kann.
Leise schluchze ich in meine Kissen, lasse mit jeder Träne ein kleines Stückchen meines Herzens gehen. Seit Stunden liege ich wach, hoffe auf Schlaf, zermürbe mir das Hirn. In wenigen Stunden fängt mein neuer Tag an, doch selbst lange nach Mitternacht kann ich den vorigen Abend nicht loslassen.
Alan nimmt Drogen. Das hat er mir offenbart. Und nicht nur die leichten, nicht nur harmloses Marihuana. Wer weiss, was er schon alles ausprobiert, in welche bescheuerten Gefahren er sich schon gebracht hat. Während ich ihm langsam mein Herz geschenkt habe, mich endlich an den Gedanken an einen Jungen in meinem Leben gewöhnen und endlich vertrauen konnte, hat er sich mit seinen Freunden eine Pille nach der anderen eingeworfen. Wieso muss sowas ausgerechnet mir passieren?
Obwohl ich ihn am liebsten loslassen, wegstossen würde, bleibt meine Sehnsucht nach seinen Augen, seinem stolzen Gang, seinen lieben Worten. Ich habe mich schon zu sehr an ihn in meinem Leben gewöhnt, an die Idee, dass er zu mir gehört. Was zur Hölle passiert nur mit mir. Wieso kann ich diese Gefühle für ihn nicht einfach anhalten? Es würde alles so, so viel leichter machen.
Irgendwann sinke ich in einen kurzen, traumlosen Schlaf, der viel zu schnell von einem lauten Biepen gestört wird. Ich schrecke sofort auf. Und sinke zurück in meine Kissen. Langsam und qualvoll drängen sich die Gedanken an letzte Nacht wieder in mein Bewusstsein. Bevor ich wieder zu weinen beginne, rapple ich mich auf, streife mir eine dunkle Leggings und einen riesigen Hoodie über, den ich einmal Dylan geklaut habe und binde meine Haare zu zwei unordentlichen Dutts zusammen.
Da meine Augenringe nicht zu übersehen sind und meine Augen vom Weinen und der Müdigkeit rot leuchten, verpasse ich meinem Gesicht eine gehörige Portion Makeup.
Zum Glück sind meine Eltern bereits aus dem Haus, als ich nach unten schlurfe. Mir ist heute absolut nicht nach Uni, nicht einmal nach Bibliothek mit Miles. Im besten Fall würde ich dort noch Alan in die Arme laufen, was ich heute echt nicht ertragen könnte.
Obwohl mein Handy erst sieben Uhr dreissig anzeigt, rufe ich kurzerhand Dylan an. Er nimmt nach dem dritten Klingeln ab, klingt aber total verschlafen.
„Sin?"
„Hi Dylan. Hast du heute frei?"
„Was für ein Tag ist heute?"
„Donnerstag."
„Ist was passiert?", wacht er langsam richtig auf.
„Hast du heute Zeit?"
„Ja, für dich klar. Kommst du zu mir?"
„Ja", antworte ich ohne zu zögern und betätige unsere neue Kaffeemaschine, die sofort laut zu mahlen beginnt.
„Klingel einfach, wenn du da bist. Ich steh' auch gleich auf."
„Danke", sage ich leise und lege auf.
Im Bus zu Dylan habe ich kurz ein schlechtes Gewissen wegen den verpassten Kursen. Die Absenzen ohne Entschuldigung werden mich bei den Dozenten nicht gerade beliebt machen. Aber ein Gedanke an Alan, der womöglich im Gang auf mich warten würde, reicht, um das schlechte Gewissen zu vertreiben. Ich brauche Dylan, ganz dringen.
Die Bushaltestelle befindet sich fast direkt vor Dylans Haus. Ich muss nur eine Nebenstrasse runter laufen, die ins Rotlichtmilieu der Stadt führt, und schon stehe ich vor dem Stripclub seines Vaters. Als ich erfahren habe, dass Dylans Vater einen Stripclub betreibt, bin ich mir über meine Freundschaft zu Dylan plötzlich nicht mehr so sicher gewesen. Was natürlich völliger Quatsch ist. Schliesslich hat mein bester Freund weder böse Absichten mit mir oder einer anderen Frau, noch irgendwas mit dem Club zu tun. Er lebt ganz einfach im Gebäude nebenan, weil sein Vater dort die zwei übereinanderliegenden Wohnungen für ihn und seinen Sohn gekauft hat.
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Lila Lichter
Romance"Ich hadere mit mir. Tue es unbewusst wahrscheinlich schon länger. Es hat sich langsam und quälerisch in mein Bewusstsein geschlichen, ohne Vorwarnung, rücksichtslos. Und nun beherrscht es mein Wesen, all meine Gedanken. Ich hätte es kommen sehen so...
