Eigentlich war ich eine leidenschaftliche Konzertgängerin. Die kurzen Momente in denen man der Wirklichkeit entfliehen konnte, die euphorische Stimmung, die hunderte von Menschen für wenige Stunden in seinen Bann zog. Es war der Grund gewesen warum mich der Job am Anfang so gereizt hatte. Aber nach eineinhalb Jahren und dem ein oder anderen viel zu verwöhnten Promi, hatte der Job als Assistant Manager der O2 World Hamburg einen Teil seines Glanzes verloren.
Die Techniker auf dem Hof beobachtend, stieg ich aus meinem Wagen und schaltete mein Headset ein. Noch war alles auf dem Arena Gelände verhältnismäßig ruhig, kaum vorstellbar, dass es in wenigen Stunden auf dem Arena Gelände nur so vor Fans wimmeln würde.
Direkt am Eingang erwartete mich bereits John und sah mich fast schon erleichtert, als ich auf ihn zu kam.
„Hey, was steht an? Gibt es schon irgendwelche Probleme? Die Sachen vom Tour-Rider bin ich eigentlich gestern noch persönlich durchgegangen."
Auch ihm stand die Müdigkeit ins Gesicht geschrieben. Uns allen lag der enge Schichtplan der letzten Wochen in den Knochen. Und ausgerechnet heute, an meinem eigentlich ersten freien Tag seit Wochen war David, der zweite Assitant Manager, ausgefallen und ich musste einspringen.
„Der Tour-Rider macht bisher keine Probleme aber der Künstler ist auch noch nicht da. Die Roadis hingegen bereiten mir Kopfschmerzen. Die haben ein Teil der ungenutzten Bühnentechnik sowie einen der Busse in der Feuerwehrzufahrt abgestellt und weigern sich diese zu entfernen." Ich seufzte und nickte, das war definitiv nicht das erste Mal, dass das passierte. Ich musste zugeben der Platz Backstage war nicht groß und es erforderte die ein oder andere Geschicklichkeit, um diese Flächen frei zu halten. Aber es gab einen Grund, warum diese als Sperrzone deklariert waren.
„Ich kümmere mich darum. Hat Jason denn schon die Bühne abgenommen?" Jason war zuständig für die Kontrolle der Sicherheitsstandards innerhalb der Halle, eingeschlossen der jeweiligen Bühnenkonstruktion des Künstlers.
„Er ist dabei." Ich nickte und holte meine Zugangskarte aus meiner hinteren Hosentasche.
„Na dann, fangen wir mal an. Ich hab das Gefühl das werden nicht die letzten Probleme heute sein." John grinste nur und hielt mir die Tür auf.
„Warum so pessimistisch, Parker?"
Im Bereich der Parkfläche hinter der Bühne herrschte das blanke Chaos. Wie John mir bereits berichtet hatte, stand einer der Tourbusse in der Feuerwehrzufahrt und vereinzelt lagen Balken herum, die wohl zur Deckenkonstruktion gehörten. Seufzend wandte ich mich an John.
„Der Tourmanager Mr. Denver ist wo?" Fragte ich ihn, nach einem kurzen Blick in meine Unterlagen.
„Es gab Probleme mit dem Hotel von Styles er ist abwesend im Moment." Genervt verdrehte ich meine Augen und hielt nach anderen verantwortlichen Ausschau.
„Ich klär das hier, geh du bitte zu Jason. Ich will dass die Bühne schnellstmöglich Safe ist, wenn das nicht der Fall ist, haben wir ein viel größeres Problem." John nickte und verschwand die kleine Treppe hinauf auf die Bühne. Wo war ich da heute bloß reingeraten?
„Wenn Mr. Denver nicht da ist, dann suchen wir uns halt den nächstbesten." Murmelte ich zu mir selbst und wandte mich einem der Roadies zu, der sich gerade an einem der Balken zu schaffen machte.
"Excuse me? I'm Emily Parker nice to meet you. You couldn't tell me by any chance who coordinates everything at the moment." Fragte ich ihn und lächelte ihn freundlich an. Fragend hob er nur eine Augenbraue, bevor er sich ebenfalls aufrichtete.
"That's me actually, Carter." Grumelig hielt er mir seine Hand zur Begrüßung hin, nicht jedoch ohne, den um meinem Hals hängenden Ausweis skeptisch zu mustern.
"I wouldn't expect a women to do this job." Teilte er mir auch gleich mit. Ich unterdrückte ein Augenrollen und schenkte ihm stattdessen erneut ein freundliches Lächeln. Es war nicht das erste Mal, dass mir jemand so etwas an den Kopf warf.
"It's nice that I can expand your horizon a bit. I would like you to move those bars and one of your buses out of the rescue routes." Informierte ich ihn. Carter jedoch, zog lediglich eine Augenbraue hoch und musterte mich herausfordernd.
"That wouldn't be a problem, if your Arena would reach international standards and provide me and my team enough space to work."
Ich schluckte und atmete tief durch, dieses Arschloch wollte mich nur provozieren.
"Mister Carter this isn't my first concert, believe it or not. If you're feeling yourself not capable of doing what I asked you to do, I will do it myself. But just consider what all of your coworkers would think, a women being better in your own job." Ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Carter betrachtete mich eine Weile, als würde er es wirklich in Betracht ziehen mich den Bus um parken zu lassen.
"Someone will take care of it." Lenkte er schließlich ein. "Thanks for your cooperation." Bedankte ich mich bei ihm, konnte mir einen leicht spöttischen Unterton jedoch nicht verkneifen.
Noch immer leicht angesäuert drehte ich mich um und ging zur Bühne, so ein Verhalten hielt den Ablauf nur unnötig auf. Das John trotz meines kleinen Schlagabtausches mit Carter noch immer nicht zurück war, bereitete mir langsam sorgen.
Auf der Bühne angekommen konnte ich sowohl John als auch Jason mit zwei der Technikern vor dem riesigen Scheinwerfer/ Bildschirm–Ring stehen sehen. Laut Zeitplan sollte dieser eigentlich schon längst unter der Decke hängen.
"Emily Parker assistant manager, what's the problem?" Stellte ich mich den beiden Technikern vor.
„An zwei Stellen sind die Ösen für die Aufhängung gebrochen. Wir brauchen Ersatzteile, aber genau die sind anscheinend im falschen Lastwagen bei der zweiten Bühne gelandet." Erklärte mir Jason.
Ich wusste ich hatte nicht ohne Grund ein schlechtes Gefühl gehabt. Es war bereits 11 Uhr Vormittags, das hieß, wir hatten noch 7 Stunden bis zum Einlass und der Sound Check konnte auch erst stattfinden, wenn die Bühne freigegeben war. Bis dahin war sie abgesehen von dem Techniker Team für jeden gesperrt.
„Okay zeig mir die Teile, ich versuche etwas zu organisieren." Murmelte ich und kniete mich vor die Konstruktion. Können die Künstler heutzutage nicht einfach nur auf der Bühne stehen, vielleicht zwei Scheinwerfer, ein Mikro und das wars? Ein guter Musiker zeichnete sich schließlich nicht über die Anzahl der Bildschirme aus, auf die er Live übertragen wurde.
Ein Techniker schraubte die defekte Öse ab und überreichte sie mir. „Ich sehe was ich machen kann, falls Mr. Denver eintrifft, sagt mir sofort Bescheid, das ist eigentlich sein Job. John, übernimmst du nachher die Einweisung der Security?"
„Mach ich." Ich nickte und verschwand in Richtung meines Büros. Wo zur Hölle sollte ich jetzt zwei genau passende Ösen auftreiben?
____________________________________________________________
Das ist mein erstes Werk welches ich veröffentliche, also bitte steinigt mich nicht :)

DU LIEST GERADE
Care for you. |H.S.|
FanfictionDie Entertainmentbranche ist ein hart umkämpftes Pflaster. Wo sich schillernde Popstars und verschwitzte Bühnentechniker die Klinke in die Hand drücken, ist es schwer herauszufinden, wem man wirklich vertrauen kann. Wie Emily Parker ausgerechnet da...