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- Los Angeles ~ Harry's House -
04:01 am

Draußen war es noch immer stockdunkel, nicht ein einziger Lichtstrahl drang durch die schmale Lücke zwischen den Vorhängen, als das nervtötende Klingeln eines Handys uns nur gefühlte Minuten später wieder aus dem Schlaf riss. Harry seufzte leise hinter mir und zog mich an der Hüfte enger an sich, während ich mein Gesicht müde tiefer in die viel zu bequemen Kissen drückte.

"It's yours, love." Mist.

Blind tastete ich auf dem Nachttisch nach dem verfluchten Ding. 04:02 am, nicht einmal eine Stunde hatten wir geschlafen.

"Sofie?" Murmelte Harry verschlafen in meinen Rücken.

"No, it was Amy. She left a text. 'Whatever you do, don't comment on it! We are already on it.'" Worauf sollte ich nicht reagieren?

Das Klingeln von Harrys eigenem Handy ließ mich irritiert den Blick von dem viel zu grellen Bildschirm abwenden. Mit gerunzelter Stirn lauschte er angestrengt, was auch immer derjenige am anderen Ende der Leitung zu sagen hatte. Irgendetwas stimmte nicht. Mit einem mulmigen Gefühl Magen beobachtete ich, wie er seine Decke zurückschlug und ohne ein weiteres Wort aus dem Schlafzimmer verschwand. Ich war bereits drauf und dran, ihm zu folgen, als mein eigenes Handy ebenfalls wieder zu klingeln anfing. Eine unbekannte Nummer.

"Emily Parker, what can I do...?"

"WHO THE FUCK YOU UGLY SLUT THINK YOU ARE..." Keifte eine viel zu hohe Frauenstimme. "...YOU THINK YOUR SOMETHING SPECIAL!? FUCKING YOUR WAY THROUGH THE BOYS!? BETRAYING LOUIS LIKE THAT!? WE WILL GET YOUR PATHETIC ASS AND..." Zitternd atmete ich ein. Ich musste auflegen. Einfach auflegen.

Als hätte ich mich verbrannt, warf ich mein Handy vor mir auf die Bettdecke. Ein weiterer eingehender Anruf wurde angezeigt und noch einer und noch einer. Es klingelte und vibrierte ohne aufzuhören. Tief einatmend schloss ich meine Augen. Es waren nur Fans, Emily. Ihre Worte hatten keinerlei Bedeutung. Ich schluckte, wo war Harry? Ausschalten. Das Handy erst einmal ausschalten. Meine Finger zitterten, als fast schon gewaltsam auf den Aus-Knopf drückte, doch nichts. Die Software schien völlig überfordert mit dem Ausmaß an Anrufen, wie eingefroren klingelte und vibrierte es einfach weiter. Überfordert unterdrückte ich ein Schluchzen. Der Akku war voll, es würde noch Stunden dauern bis es von alleine ausging.

"Jeff, wait a second. I'll call you back." Harrys angespannte Stimme ließ mich erleichtert aufblicken. Zitternd einatmend, öffnete ich meinen Mund um irgendetwas zu sagen. Doch bevor ich auch nur einen Ton herausbekommen konnte, senkte sich Harrys besorgter Blick bereits auf mein noch immer blinkendes Handy in meiner Hand. Der Bildschirm war mittlerweile nur noch ein Flimmern aus eingehenden Benachrichtigungen über verpasste Anrufe.

"How many calls did you answer?" Harrys Stimme war so unglaublich sanft, ließ Tränen in meine Augen treten, während er sich besorgt vor mich kniete.

"One. I... I tried to turn it off but..."

"They were bound to figure out your work number. Don't worry." Waren sie das? Was zur Hölle war hier los? Warum schien er nicht einmal annähernd überrascht von meinem Gestammel?

Völlig überfordert beobachtete ich, wie er sich erhob und im angrenzenden Badezimmer verschwand, nur um mit einer dünnen Haarklammer in der Hand zurückzukommen. Fast schon routiniert entfernte er die SIM Karte und zu meiner Erleichterung hörte das Klingeln augenblicklich auf. Das Handy war endlich still. Achtlos legte er die Einzelteile zur Seite, nur um mein privates Handy vom Nachttisch zu holen. Als hätte er es schon tausendmal gemacht, klickte er sich durch mein Handy. What's app, Facebook, Instagram, sogar meine SMS Einstellungen.

Care for you. |H.S.|Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt