Status: Überarbeitet
- Yoongi -
Es war spät und Jin war bereits gegangen. Ich saß ungeduldig auf dem Sofa und wartete auf Jimin, während mich die Sorgen um ihn auffraßen. Immer wieder schossen mir die Fragen durch den Kopf wie: Wo war er? Ging es ihm gut? Ist ihm etwas passiert?
Sobald ich hörte, wie die Tür ins Schloss fiel, lief ich in den Flur. »Endlich bist du hier.« Erleichtert atmete ich aus. »Scheiße, Jimin. Wo bist du so lange gewesen, ich habe mir Sorgen gemacht!«
In wenigen Minuten würde die Mitternacht anbrechen und Jimin war weg für ganze fünf Stunden. War er aus Prinzip so lange weg? Er reagierte in der Zeit auf keine meiner Nachrichten und Anrufe. Dieses Unwissen, wo er war und was er machte, es war unerträglich gewesen.
»Wo warst du?«, fragte ich. Anstatt zu antworten, ignorierte Jimin mich und lief an mir vorbei. »Jimin, willst du mir vielleicht mal antworten?«
»Ich war bei meinen Eltern«, sagte er und zog sich das T-Shirt aus, sobald er das Schlafzimmer betrat.
»U ...« Ich räusperte mich. Seine Eltern, keine gute Sache. »Und was hast du da gemacht?« So langsam bekam ich bange. Ich hoffte, dass er ihnen nichts Falsches gesagt hatte. Es hatte Jahre gedauert, ehe sie mich als gut genug für ihren Sohn ansahen. Das einzige, was ich noch ertragen musste, waren ihre tötenden Blicke. Doch auch diese waren nicht ohne. Noch nach dreizehn Jahren machten sie Anzeichen, sie hätten ein Auge auf mich. Sein Vater machte mir am meisten Angst. Es gab also einen guten Grund, warum ich mich davor scheute, sie zu besuchen.
»Ich habe sie besucht.« Jimin wechselte von seinem T-Shirt zu einem gemütlichen schwarzen Hoodie und zog sich eine Jogginghose an.
»Du hast ihnen aber nicht von heute und ... generell erzählt?«
Eine zweite Chance von seinen Eltern war schwierige Sache.
»Nein, Yoongi. Habe ich nicht. Du weißt doch, ansonsten wäre jetzt mein Vater hier und würde dich klein machen. Du kennst doch seine Schläger Geschichten aus der Schulzeit ... Ist der Kuchen noch da?«
An mir vorbeigehend, betrat er die Küche. »Ja, der ist noch da.« Ich selber aß heute nicht viel davon.
»Ich weiß nicht, wie das weiter gehen soll«, sagte Jimin und nahm sich ein Stück.
Mit einem Satz machte er mir angst. »Wie meinst du das?«, fragte ich dumm.
»Yoongi, du bist kaum noch da, nimmst dir keine Zeit für mich. Du hast nur noch deinen scheiß Roboter im Kopf, und das stört mich. Sehr. Wie lange soll ich noch warten?«
Schluckend näherte ich mich ihm. »Nicht mehr lange, versprochen. Und ...«
»Wie lange noch! Ein Jahr? Zwei Jahre? Oder vielleicht doch noch ganze fünf, wenn nicht sogar mehr. Ich mache das nicht mehr mit. Es ist immer derselbe Satz drei verdammten Jahren. Es steht mir bis zum Hals, Yoongi. Siehst du denn nicht, wie du damit unsere Beziehung zerstörst!«
Ich setzte mich zu Jimin an den Esstisch und es herrschte stille für ein paar Sekunden. »Gib mir noch fünf Monate.«
Kurz lachte Jimin, als hätte ich einen Witz gerissen. »Du glaubst doch selber nicht, dass du in so kurzer Zeit noch fertig wirst. Geschweige denn überhaupt!« Mit jedem Wort wurde seine Stimme lauter.
»Bitte, noch fünf Monate und dann hat das alles ein Ende.«
Jimin schwieg für einen kurzen Moment, er schien zu überlegen. »Gut, fünf Monate, nicht mehr. Wenn du bis dahin das alles nicht beendet hast, ist es aus mit uns.« Jimin schaute mir nicht in die Augen, er wusste, wie sehr er mich damit verletzte. Jimin zu verlieren, war die einzige Angst, die ich noch hatte. Panik durchflutete meinen Körper. Ich hatte bereits Yun verloren, lass es nicht noch Jimin sein.
»Das kannst du doch nicht so einfach entscheiden!«
»Ich kann das nicht mehr mit machen, Yoongi! Du bist so beschäftigt mit deinem Projekt, dass du gar nicht mehr bemerkst, dass ich dich brauche. Wo ist der alte Yoongi hin geblieben?«
»Ich bin noch hier.« Hektisch stand ich auf, als Jimin es tat. »Nein, bist du nicht, und das weißt du ganz genau! Bist du in fünf Monaten nicht fertig, löse ich die Verlobung auf und ziehe zu meinen Eltern. Hast du mich verstanden?« Mit Tränen in meinen Augen nickte ich nichtssagend und presste meine Lippen zusammen. Hell atmete ich ein. »Verstanden«, sagte ich mit gebrochener Stimme und ließ meinen Tränen freien lauf.
»Deine Zeit läuft.« Mit diesen Worten ging er ins Zimmer und ließ mich alleine. Erstickt schluchzte ich und legte meinen Kopf auf den Tisch. Seit dem Tag an, an dem Yun starb, ging mein Leben nur noch bergab. Alles lief schief und brachte ärger mit sich. Egal, was ich tat. Wütend stand ich auf und warf die auf dem Tisch stehende Vase schreiend gegen die Wand. Wasser, die bereits verwelkten Blumen und Porzellanscherben verteilten sich auf dem Parkettboden. Mit schnellen, schweren Schritten lief ich zu unserer Schlafzimmertür und wollte diese öffnen, doch war sie verschlossen.
»Jimin!«, weinte ich. »Tu mir das nicht an!« Ich schrie die Worte, die ich damals vor fast zwölf Jahren zu meinem Bruder sagte, als er tot in meinen Armen lag.
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Artificial Intelligence
Fanfiction🄵🄰🄽🄵🄸🄲 »𝗧𝘂' 𝗺𝗶𝗿 𝗱𝗮𝘀 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗮𝗻!« Eine Dokumentation über Künstliche Intelligenz war der Grund, der dafür sorgte, dass Yoongi sich seit seinem 9. Lebensjahr an die Wissenschaft interessierte. Mit seinen jungen 18 Jahren und den süß...