Status: Überarbeitet
- Yoongi -
Hart atmete ich aus, dann betrat ich das Zimmer meines Bruders, ohne zu klopfen. Er lag auf seinem Bett, sein Blick starr nach oben zur Decke gerichtet. Sein Gesicht zeigte keinerlei Emotion, es war nichtssagend. Ich wollte zum Sprechen ansetzten, doch Yun war schneller.
»Weder spüre ich Schmerzen, noch weiß ich, wie sie sich anfühlen. Ich weiß nur, dass man so etwas meiden will«, sagte er, seine Stimme genauso blank wie sein Ausdruck. »Was kann ich, und was kann ich nicht, Yoongi?«
Aufrecht setzte er sich hin und blickte mir eindringlich tief in die Augen.
»Ich weiß es nicht, das müssen wir herausfinden«, schüttelte ich leicht meinen Kopf, so leicht, dass es schwer zu bemerken war.
»Kann ich etwas essen?«
»Ja.«
»Wie sieht es mit trinken aus?«
»Auch.«
»Schmecken?«
Meine Stimme schloss sich ein und mein Gehirn zwang mich zu überlegen. »Keine Ahnung.«
So sehr es einem Roboter es nichts bringen würde, etwas schmecken zu können, änderte es nichts daran, dass Yun wie ein Mensch fungieren sollte. Er zeigte Gefühle, konnte sie gar wahrnehmen, menschlich handeln war ebenso einer der Dinge, zu denen er fähig sein sollte. Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, würden ihm die Dinge wie Schmerzen und Schmecken nicht fehlen.
Seine Schritte schlürfend lief er an mir vorbei in die Küche. Seufzend folgte ich ihm. Jimin war dabei den Tisch fürs Frühstück zu decken, und begann zu lächeln, als er Yun sah. »Morgen«, begrüßte mein Verlobter Yun und verteilte die Servierten. Zögernd, doch hoffend, dass er etwas zu schmecken bekommen würde, griff Yun nach einem Brot und beschmierte es. Großzügig biss er ab, doch kaute nicht lange, bis er sein Stück wieder ausspuckte. Die Mundhöhlen waren nicht nass, so war es trocken, als wäre es nie in jemandes Mund gewesen.
»Nichtmal schmecken kann ich!« Yun verschwand in seinem Zimmer, schloss direkt die Tür ab. Seufzend ließ ich mich mit geschlossenen Augen auf einen Stuhl fallen. »Verdammt nochmal«, sagte ich und vergrub mein Antlitz in den Händen. Die Eile Yun zu erbauen, hinderte ihn daran, voll und ganz menschlich zu sein, und es war meine Schuld ...- Jimin -
Yun mit in die Stadt zu nehmen, war meiner Meinung nach eine gute Idee. Es könnte ihm nicht schaden, nach so langer Zeit mal wieder etwas frische Luft und andere Menschen um sich herum zu haben. Yoongi ließ ich hingegen zu Hause, denn all der wenige Schlaf der letzten Jahre - besonders der letzten Monate - brachten ihn nahezu um. Zu Beginn weigerte er sich, so musste ich ihn praktisch zwingen zu bleiben. Ihm zu drohen, ich würde ansonsten die nächsten Nächte bei meinen Eltern übernachten, mochte nicht die beste Entscheidung gewesen sein, doch war es nach einem kleinen Nervenzusammenbruch effektiv. Natürlich hatte ich bloß geblufft - unüberlegt. Doch dies zeigte mir, wie sehr Yoongi mich zurzeit brauchte.
»Wie findest du den?«, fragte ich Yun optimistisch und hielt einen schwarzweiß gestreiften Pullover in den Händen.
»Nein«, entkam es monoton von ihm. Er drehte sich von mir und begann die Menschen zu beobachten, wie sie an uns vorbeiliefen. Niemand wusste, was Yun wirklich war. Dann ertönte ein Schrei. Ein Baby weinte, sofort galt Yuns Blick dem kleinen Wesen und beobachtete ganz genau mit, wie die Mutter das Kind in ihre Arme nahm, es hin und her wiegte, und verzweifelt versuchte zu beruhigen.
»Yun«, sagte ich. »Komm mit.« Wir verließen den Laden und betraten eine Eisdiele.
»Schokolade und Cookie, bitte«, meinte ich und zahlte. Hatten wir uns damals alle getroffen - ich, Yoongi und Yun - und aßen ein Eis, waren dies schon immer die Sorten gewesen, welche Yun am liebsten aß. Nie entschied er sich für etwas anderes.
Mit gehobenen Mundwinkeln hielt ich dem Roboter ein Eis hin. Ich konnte noch immer nicht glauben, was mein Verlobter hier geschafft hatte. Mit Skepsis und Verwirrung im Blick, schaute Yun mich an, als ich ihm sein Eis hinhielt.
»Du willst ein Mensch sein?«, fragte ich leise. »Dann verhalte dich auch so.«
»Jimin«, seufzte Yun.
»Du musst dich damit abfinden, dass du nie ein richtiger Mensch sein wirst, Yun.« Nichts entkam den Lautsprechern des Roboters, er hörte mir zu, während das Eis begann zu schmelzen und dessen Tropfen auf meine Hand trafen.
»Du zeigst Emotionen«, begann ich erneut. »Sei froh. Du bist der erste Roboter, der das kann. Ist das etwa nicht besser, als etwas schmecken zu können?«
Mein Ziel war es, ihm durch menschliche Aktionen zumindest das Gefühl von Menschsein zu verheilen, auch wenn er selbst es nicht war.
»Vielleicht«, sagte Yun und ich begann breiter zu lächeln. »Du hast recht, ich werde nie menschlich sein, nie mehr das können, was der echt Yun konnte.«
Sofort fielen meine Mundwinkel. Dieser Yun war pessimistischer, als der echte in seiner depressiven Episode.
»Dann mach das beste daraus! Was hat der Menschliche Yun für sein Leben gern gemacht?«
Kurz überlegte mein Gegenüber. »Gemalt?«
»Und worauf?«
»Auf Leinwänden.«
»Dann gehen wir jetzt welche besorgen und du machst was daraus.«
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Artificial Intelligence
Fanfiction🄵🄰🄽🄵🄸🄲 »𝗧𝘂' 𝗺𝗶𝗿 𝗱𝗮𝘀 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗮𝗻!« Eine Dokumentation über Künstliche Intelligenz war der Grund, der dafür sorgte, dass Yoongi sich seit seinem 9. Lebensjahr an die Wissenschaft interessierte. Mit seinen jungen 18 Jahren und den süß...