Status: Überarbeitet
- Yoongi -
-♑︎-Als ich in die Einfahrt einfuhr, war die Nacht bereits angebrochen. Der fast schwarze Himmel war Wolkenfrei und ließ die Sterne wunderschön hervorblitzen. Die Luft in meinem Auto war stickig, als ich dann mein Gefährt parkte und es verließ, war die frische Luft wie Gold für meine Lungen und Haut. Es war angenehm kühl und der leichte Wind wehte mir entgegen, ließ meine Haare ein wenig von der Stelle gleiten.
Es war ein neuer Tag, indem ich die gesamte Zeit in meinem Labor verbrachte. So wie ich es seit den letzten elf Jahren tat. Ich öffnete mein Kofferraum und griff nach einer Plastiktüte, in welcher sich Teile befanden, die mir in den letzten Wochen kaputtgegangen waren. Mein Vorhaben: dies Zuhause zu reparieren.
Der Kofferraum schloss sich mit einem dumpfen Aufprall, ehe ich das Blockhaus betrat. 15 Jahre meines Lebens verbrachte ich bereits in diesem Gebäude. Diesen Ort zu verlassen, selbst nach alldem, was in den letzten Jahren dort geschah, schien mir nicht richtig. Ich konnte meine Wohnung nicht verlassen, all die guten ... so auch schlechten Erinnerungen waren mit alldem verbunden.
Eine wohlige Wärme umhüllte mein Körper sofort, als ich die Wohnung betrat. Schnell wurde mir durch meine Jacke zu warm. Ich hörte das TV laufen, während dumpfes Licht aus dem Wohnzimmer schien.
»Viertel nach Mitternacht«, flüsterte ich, als ich die Zeit auf meinem Handy checkte. Leise entkleidete ich mich meiner Jacke und den Schuhen und betrat dann das Wohnzimmer. Jimin saß auf dem Sofa, eingekuschelt in einer flauschigen weißen Decke und blickte streng in Richtung Fernseher. Mir war bewusst, dass er mich bemerkt hatte, schon als ich die Tür schloss, doch er ignorierte mich. Seufzend ging ich auf ihn zu, wollte ihm einen Kuss auf seine Wange geben, doch neigte er sein Kopf von mir weg. Er weigerte sich, ihn anzunehmen, war wütend auf mich.
»Na los, sag mir, was ich jetzt schon wieder angestellt habe?«, fragte ich und setzte mich hin. Da ich ihn nicht noch mehr aufregen wollte, ließ ich etwas Platz zwischen uns. Jimin blieb ruhig, sagte nichts.
»Du musst mir schon sagen, was los ist. Anders kann man das hier nicht regeln.« Nichts, zwei Minuten wartete ich auf eine Antwort seinerseits, doch als ich aufstand, um mich zu duschen, seufzte er genervt.
»Das ist das erste Mal, dass ich dich heute sehe, Yoongi«, sagte er, doch lag sein Blick noch immer nicht auf mir. »Von morgens bis abends bist du in deinem Labor. Tag und Nacht arbeitest du an deinem Projekt, Tag und Nacht, Tag und Nacht ... Ich kann von Glück sprechen, dass du mal vor ein Uhr morgens zurückkommst. Seit elf Jahren geht das schon so ... denkst du überhaupt noch an mich?« Trotz dessen, dass er ruhig klang, war dennoch eine Menge Enttäuschung und Trauer herauszuhören.
»Hier«, sagte er und hob seine Hand. »Siehst du den hier?« Jimin zeigte mir den Verlobungsring, den ich ihn damals gab. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie glücklich er war, als ich ihn fragte, ob er mich heiraten wolle.
Ihn nicht aussprechen zu lassen, würde die Situation nur noch verschlimmern, so nickte ich bloß. »Vier Jahre ist es her. Vier. Verdammte. Jahre, Yoongi. Wie lange soll ich noch warten, bis wir uns endlich zusammen hinsetzten und unsere Hochzeit planen. Mein Geduldsfaden reißt so langsam. Denk mal darüber nach, mein Lieber.« Mit seinem Zeigefinger tippte er auf die Stirn. »Ist dir schon aufgefallen, wie du einem Stück Blech mehr Zeit schenkst, als deinem Verlobten?«
Jimin hörte sich verletzt an, wurde zum Ende hin ein wenig lauter. Ich spürte, wie mir die Tränen aufkamen, doch versuchte ich sie bestmöglich zu unterdrücken.
»Jimin«, begann ich, »du weißt, wie wichtig mir Yun ist.«
»Verdammt, Yun ist tot! Dieses Ding ist nicht Yun, Yoongi. Das ist ein Roboter!« Tränen sammelten sich in den Augen meines Verlobten. Sie glänzten und strahlen pure Enttäuschung und Traurigkeit aus. »Du sitzt seit über zehn Jahren an deinem Projekt, um es deinem Bruder Lebens getreu zu machen. Weißt du, wie krank das ist? Nach elf Jahren solltest du wirklich über den Tod deines Bruders hinweg sein.« Die erste Träne rannte über Jimins Augen. Der Druck in meinem Hals wurde stärker, ich wollte nicht vor den Augen meines Verlobten weinen, ich wusste wie recht er doch hatte, doch konnte ich nach so langer Zeit, und nach all der Mühe, die ich investierte, nicht einfach so aufgeben. In der Hoffnung, ich könnte die Tränen unterdrücken, sagte ich: »Du weißt, wie schwer es für mich ist.« Meine Stimme war brüchig und meine Unterlippe zitterte.
»Für mich war es auch schwer. Mir war dein Bruder auch wichtig, aber er ist tot und nichts kann ihn ersetzten! Das musst du einsehen.« Ich blieb still, da ich nichts mehr zu sagen wusste und blickte ich Jimin bloß in seine braunen Augen.
»Das ist alles so bescheuert. Kriege dein Leben wieder in Griff!« Mit diesen Sätzen verschwand er in unserem Schlafzimmer und kam nicht lange danach mit einem Kissen und einer Decke wieder.
»Was wird das?«, fragte ich, so offensichtlich es auch war.
»Du schläfst heute im Wohnzimmer. Ich kann das so nicht, nicht mehr ...«
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Es war drei Uhr am Morgen, mein Schlaf weigerte sich mir anzuschließen und ließ mich weiterhin an Schuldgefühlen leiden. Müde saß ich in der Küche am Esstisch, das Licht des Wohnzimmers erhellte diesen Raum, da sie verbunden waren, und versuchte mich damit abzulenken, die zu Schrott gemachten Teile zu reparieren.
Die Konversation zwischen Jimin und mir ging mir die ganze Zeit durch den Kopf, sie war ohne Ende auf Repeat und ließ mich nicht in Ruhe. Es war eine konstante mentale Folter. All die Trauer und das schlechte Gewissen, welches sich heute aufgestaut hatte, kam mit einem Mal hervor in Form von salzigen Tropfen. Mein Kopf ruhte auf meinen Armen und mein Schluchzen vermischte sich mit dem stockenden ein und ausatmen.
»Wenn es doch nur so einfach wäre, Jimin«, flüsterte ich mit bebender Stimme. Ich war mir bewusst, dass er bereits am Schlafen war, und dennoch wünschte ich, dass er mich gehört hätte und Verständnis zeigte. Scheiße, ich wusste doch wie sehr ich ihn verletzte, doch konnte er sich in mich genauso wenig hineinversetzten, wie ich in ihn.
Mit der rechten Hand wischte ich mir meine Augen trocken und merkte, wie langsam aber sicher mein Körper sich entschied, mir zumindest für ein paar Stunden Gnade zu zeigen. Kurz vorm ausrasten knallte ich den kleinen Lautsprecher ein wenig zu laut auf den Tisch, da ich diesen nicht wieder heile bekommen konnte und legte mich auf das Sofa. Ich überlegte mich einfach zu Jimin zu legen, wollte ihm nahe sein und mich entschuldigen, sagen wie sehr ich ihn doch liebte, doch war es kein richtiger Zeitpunkt. Mein Respekt zu seiner Privatsphäre war groß. Ich war mir bewusst, wie sehr er doch gerade allein sein wollte, so schlief ich allein ein.
-♑︎-
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Artificial Intelligence
Fanfiction🄵🄰🄽🄵🄸🄲 »𝗧𝘂' 𝗺𝗶𝗿 𝗱𝗮𝘀 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗮𝗻!« Eine Dokumentation über Künstliche Intelligenz war der Grund, der dafür sorgte, dass Yoongi sich seit seinem 9. Lebensjahr an die Wissenschaft interessierte. Mit seinen jungen 18 Jahren und den süß...