Dreiunddreißig

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Status: Überarbeitet

- Yun -

»Hier«, überreichte Jimin mir etwas Geld. »Verplemper es nicht für andere Sachen, außer Süßigkeiten oder Getränke, ja?« Lächelnd nickte ich. Seit Tagen hatte ich Lust auf etwas Süßes, so fragte ich ihn, ob er mir etwas Geld leihen könnte. Ich selber hatte keins und mein Bruder schlief noch. Er kam letzte Nacht sehr spät nachhause.
»Versprochen ... darf ich jetzt gehen?«
»Beeile dich. Yoongi weiß nicht, dass ich dich alleine losgehen lasse.«
»Yes.« Schnurstracks verließ ich die Wohnung und machte mich auf den Weg zum Kiosk. Immer wieder mal grüßte ich paar Leuten, die an mir vorbeiliefen, oder schenkte ihnen ein bloßes Lächeln. Ein kleiner Tropfen fiel mir dabei auf meine Nase. Ich blickte empor zum Himmel. Es war grau, stark bewölkt. Ich hatte gar nicht darauf geachtet. Ein Zeichen dafür, dass ich mich beeilen sollte. Es war nicht kalt, so trug ich zurzeit keine Jacke.
Sobald ich den Laden betrat, verriet ein leises, doch helles Klingeln dem Mitarbeiter, dass Kundschaft da war. »Guten Tag«, begrüßte ich ihn kleinlaut und schaute mich um. Ich kramte das Geld aus meiner Tasche und zählte es. 20.000 Wohn, sprach in meinen Gedanken und schaute mir die Abteilung vor mir an. »Nichts Besonderes«, murmelte ich und betrat eine andere Abteilung. Jackpot! Von Schokoladen bis hin zu Chips gab es alles, was mein 'Magen' begehrte. Voller Vorfreude, bald so etwas essen zu dürfen, nahm ich so viel ich zahlen konnte.
Ich war so in meine Auswahl vertieft, sodass ich gar nicht bemerkte, wie sich mir jemand näherte und versehentlich in mich hineinlief. »Oh, Entschuldigung«, sagte die Person. Ich schaute ihn an. Ich hatte das Gefühl, als hätte ich ihn schon einmal gesehen. »Alles gut. Eigentlich stand ich ja mitten im Weg.« Mein Verstand gab mir das Gefühl, als wäre etwas mit diesem Mann los. So öffnete sich ein kleines - nur für mich sichtbare - Fenster, und zeigte mir die Informationen zu dieser Person. Das auffälligste war nicht sein Name, die Interessen oder anderes. Es war sein Sterbedatum.
23.11.2019 ...
War das der Roboter, der von Dr. Kim und meinem Bruder erbaut wurde? Seitdem ich es geschafft hatte, selbst Dr. Kim zum Ausrasten zu bringen, durfte ich nicht mehr mit. Bedauert hatte ich es nicht und verbrachte meine Zeit dann mit Jimin oder Jin.
»Du bist wie ich«, sagte ich lächelnd. »Min Yun«, stellte ich mich vor und reichte ihm meine Hand. »Kim Jungkook.« Der Hauch einer Verwirrung spannte sich über sein Gesichtsausdruck und er schüttelte meine Hand. »Was meinst du mit, 'ich bin wie du'?« Meine Augen rissen sich leicht auf und die Augenbrauen schossen in die Höhe. Wusste er denn nicht, dass er kein Mensch war?
»Das ... wirst du bald erfahren. Hoffentlich.« Ich war ziemlich überzeugt, dass Dr. Kim seinen 'Sohn' nicht eingeweiht hatte. Es war seine Aufgabe, es Jungkook zu erzählen, nicht meine. So überließ ich dem Wissenschaftler die Aufgabe.
»Dein Vater ist doch Km Namjoon, oder?«, fragte ich neugierig. »Ja, woher weißt du das?«
»Mein Bruder arbeitete mit ihm zusammen. Er heißt Min Yoongi.«
»Oh.« Er lächelte. »Ja, den habe ich schon einmal gesehen. Mein Vater muss dir bestimmt ein Bild von mir gezeigt haben, richtig? Normalerweise erzählt er nicht weiter, dass er einen Sohn hat.« Hatte ... »Dein Bruder und mein Vater sind bestimmt tolle Freunde. Schön, dich kennenzulernen, Yun.« Ich erwiderte sein Lächeln und nickte. »Geht mir genauso. Sag mal, warum erzählt er es nicht weiter. Immerhin bist du schon erwachsen.«
»Weil ich es nicht möchte«, sagte Jungkook. »Wir hatten schon darüber gesprochen, ob es an der Zeit wäre. Ich wollte es aber nicht.«
»Warum denn nicht?«
»Ich mag es privat zu leben. Wenn man erfährt, dass der berühmte Wissenschaftler einen Sohn hat, wird viel darüber gesprochen.« Ich nickte. »Stimmt ... aber ich muss langsam los, man wartet auf mich Zuhause.« Schnell verabschiedeten wir uns, dann bezahlte ich. Für einen Moment blieb ich vor der Tür stehen und blickte stumm durch das Glas. Es regnete in Stürmen und der starke Wind machte es nicht besser. »Das heißt dann wohl rennen«, murmelte ich zu mir selbst, verstaute mein Essen im Rucksack und rannte los.

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