Status: Überarbeitet
- Jungkook -
Nachts, in völliger Dunkelheit, strich ich durch die Straßen Seouls. Stumm, weinend, mein Schluchzen unterdrückend, richtete ich mein Blick stets nach unten. Tränen rannten meine Wangen herunter und tropften dann auf den Boden, einige fielen auf meine Schuhe. Wie viel Roboter konnte in mir stecken, wenn meine Emotionen, mein Handeln, sogar mein Denken nicht menschlicher hätte sein können. Wie kann das möglich sein?
Ich weinte, ich schluchzte, sogar meine Nase tropfte vom ganzen Weinen. Immer, wenn ich an Roboter dachte, kamen mir kalte Kreationen aus Metall in den Sinn, Projekte, die nichts verspürten und gar nicht künstlicher hätten aussehen können. Nichts dessen traf auf mich zu, ich konnte kein Roboter sein!
Jedoch, jedes Mal, wenn ich mir an den Nacken fasste und den Knopf spürte, bewies es mir die Realität. Dieser Yoongi hatte etwas in 12 Jahren erschaffen, wofür andere Wissenschaftler ihr gesamtes Leben hingeben hätten müssen. Ich war erstaunt, um ehrlich zu sein. Und ich war einer von seinen Erschaffungen!
Als Roboter konnte ich nicht altern, ich müsste zusehen, wie viele, die mir wichtig waren, sterben würden. Unter anderem auch mein Vater, so wie er mich sterben sehen hat.
Ich machte mir kaum noch die Mühe, meine Füße richtig anzuheben, damit sie nicht auf dem Boden schleiften. Laut schniefte ich, ehe ich meine Augen, Wangen und Nase mit dem Ärmel abtrocknete.
Nicht weit von mir ertönten laute Stimmen. Es waren mehrere, sie waren recht tief, doch ich konnte nicht verstehen, was sie da sagten. Ich blickte auf und sah eine Gruppe an Männern mit zwei Frauen, sie waren recht knapp gekleidet und kicherten. Jeder von ihnen hielt eine Flasche Bier in der Hand. Keiner von ihnen lief noch vernünftig geradeaus, sie alle waren sturzbesoffen. Sie schienen alle erst eine Bar verlassen zu haben.
Die Gruppe nahm den ganzen Gehweg für sich ein und machten niemandem Platz. Keinen von ihnen interessierte es, wenn andere vor ihnen waren, sie schubsten sie einfach weg. Eine Frau versuchte sich an der Seite des Gehwegs an ihnen vorbeizuschlängeln, doch mit der Schulter stieß sie einer von ihnen weg und sie fiel hin. Ich eilte zu ihr und half ihr auf. Sie bedankte sich bei mir und richtete ihr Kleid. »Solche Idioten«, hörte ich sie leise murmeln, ehe sie sich ein weiteres Mal bei mir bedankte, sich verbeugte und dann weiter ging.
Diese Leute schienen mir nicht recht. Ich holte sie ein und stellte mich vor ihnen hin. »Es laufen auch noch andere hier. Ihr könnte doch nicht einfach jemanden vom Weg schubsen! Was, wenn jemand auf die Straße kommt und ein Auto den oder diejenige erwischt?«
Verwirrt musterten sie mich. »Na und? Ist nicht unter Problem.« Die ganze Gruppe fing bei diesem Kommentar an zu lachen.
»Ihr wärt die schuldigen!«
»Was ist dein Problem, Junge? Das braucht dich doch nicht zu interessieren«, sagte größte von ihnen und trat einen Schritt näher. »Verpiss dich, bevor wir ein kleines Problem haben werden. Du nervst!«
Erbost blickte ich den Mann an. Ich dachte gar nicht erst daran, ihnen Platz zu machen, sie würden so weiter randalieren. »Nein!«
»Was hast du da gesagt?«, meinte er genervter und näherte sich um zwei weitere Schritte.
»Ich habe nein gesagt! Erst, wenn ihr den anderen Platz macht und niemanden herumschubst, dann bekommt ihr euren Platz zurück.« Ich sprach mit fester Stimme und ballte meine Hände zu Fäusten.
»Heechul, lass gehen. Die Braut neben mir hier wart-«
»Sei still!«, rief Heechul und hob seine Hand, um die gewollte Stille zu symbolisieren. »Han Kyu und Joohyun, kommt mal beide her.« Die genannten Männer traten hervor und stellten sich neben Heechul. Einer von ihnen war kleiner als ich, während der andere so groß wie ich war, genauso wie dieser Heechul.
»Der Rest kann gehen, wir haben war zu erledigen.«Mit Gewallt zogen sie mich in eine nahe gelegene Gasse und stießen mich kraftvoll gegen eine Wand. Ich versuchte mich mit aller Kraft gegen sie zu wehren, um ihre Griffe von mir zu bekommen, doch sie waren mir überlegen. Wenn ich ein Roboter war, warum war ich dann so schwach? Als Roboter sollte ich keine Schmerzen verspüren, warum tat ich das dann? Aber was dachte ich denn da - ich wusste was Gefühle waren, schmerzen sollten mich da nicht mehr überraschen.
Zischend kniff ich mir die Augen zu, dann spürte ich, wie jemand seine Hand um meinen Hals legte und zudrückte. Dies brachte aber nichts, ich spürte nicht, wie mir die Luftzufuhr verschlossen wurde. Atmete ich überhaupt? Ich wusste nicht mehr, wie es sich anfühlte, die Luft einzuatmen.
Ein kräftiger Schlag in mein Gesicht brachte mich zurück in die Realität. Erstickt musste ich aufschreien, dann drückte mir der kleinste den Mund zu. »Fresse!«, spuckte er mich an und verteilte weitere Schläge. Immer und immer wieder schlug mein Kopf gegen die Wand hinter mir, bis sich vor meinen Augen ein Fenster mit einer Warnung öffnete.
Warnung: Zu starker Aufprall
Nur ich schien diese weiblich monotone Stimme hören zu können, sie war bloß in meinen Kopf. Ich merkte, wie sich mein Mindset änderte und die pure Wut in mir aufstieg. Ein Hass für Menschen bildete sich in mir und ich wollte von nun an nur eins: Eliminiere jede Gefahr!
Die Schmerzen machten mir nichts mehr aus und gerade, als der nächste Schlag auf mich zukam, ergriff ich rechtzeitig die Hand. Ich drückte zu, und zwar so stark, sodass ein lautes Knacken zu hören war. Heechul schrie auf und versuchte sich von mir zu lösen. Ich wollte ihn und seine Freunde nicht länger auf dieser Erde existieren sehen. Han Kyu und Joohyun hatten sich ein paar Schritte von uns entfernt und schauten sich das Spektakel stumm an.
»Worauf wartet ihr!«, quetschte Heechul voller Schmerzen aus sich heraus. »Helft mir!«
Ich hatte die Schnauze voll und entschied mich für den schnellen Prozess. Ehe er hätte reagieren können, griff sich nach seinem Kopf und schlug es mit voller Kraft gegen die Wand. Heechul schrie, er schrie so verängstigt und laut er konnte. Nach einer Weile klebte Blut an der Wand. Meine Wut wurde schlimmer, somit schlug ich seine Stirn immer stärker gegen die Wand, bis es knackte und kurz darauf nichts mehr zu hören war. Kein Weinen, kein Schreien. Also ließ ich ihn los. Wie ein Sandsack fiel er zu Boden und regte sich nicht mehr.
Bedrohlich schaute ich Han Kyu und Joohyun an. Verstört, blickten sie drein und entfernten sich langsam von mir. Schnell ging ich auf den kleinsten zu und schmiss ihn zu Boden.
»Nein, bitte nicht«, wimmerte er voller Angst wie ein Kind. Ich hörte nicht und legte einen Fuß auf seinen Rachen. »Stopp«, flehte er. Monoton blickte ich ihn an und verlagerte mein Gewicht auf seinen Rachen. Aus Panik fing er an, schnell zu atmen und umklammerte meinen Fuß. Verzweifelt versuchte er ihn loszuwerden, doch scheiterte. Erst nachdem ein Knacken ertönte, ließ ich von ihm ab.
Ich hob mein Blick, um in die Augen des anderen zu schauen, doch er war bereits verschwunden. Erbost schnaubte ich und machte mich auf die Suche nach diesem Kerl. Menschen wie er hatten keinen Platz auf dieser Erde verdient.
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Artificial Intelligence
Fanfiction🄵🄰🄽🄵🄸🄲 »𝗧𝘂' 𝗺𝗶𝗿 𝗱𝗮𝘀 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗮𝗻!« Eine Dokumentation über Künstliche Intelligenz war der Grund, der dafür sorgte, dass Yoongi sich seit seinem 9. Lebensjahr an die Wissenschaft interessierte. Mit seinen jungen 18 Jahren und den süß...