Vierunddreißig

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Status: Überarbeitet

- Yun -

Zusammen, mit einer Frau und ihrem Kind an der Hand, standen wir im Fahrstuhl und ich betätigte den vierten Knopf. Besorgt schaute sie mich an und fragte: »Ist dir nicht kalt?« Ich verneinte Kopfschüttelnd. »Alles gut, bin eh gleich zu Hause.« Es blieb still, bis der Fahrstuhl stehen blieb und sich die Türen mit einem Ping öffneten. »Einen schönen Tag euch noch.«
»Danke, dir auch.« Lächelnd winkte ich zum Abschied, ehe sich die Türen wieder schlossen.
Mit jeden Schritt hinterließ ich nasse Spuren. Laut schnaubte ich auf. »Das wird Ärger«, flüsterte ich und klopfte. Sofort ließ man mich herein. »Ach du ...«, sagte Jimin erschrocken, während ich mir die Schuhe auszog.
»Halb so wild.«
»Wieso hast du mich nicht angerufen?«, fragte Jimin besorgt.
»Ich hatte mein Handy nicht dabei.«
»Yun?« Yoongi kam aus dem Wohnzimmer heraus und sah noch etwas zerwühlt aus. Seine Haare waren unordentlich und die Ringe unter seinen Augen waren verstärkt. »Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du nicht alleine raussollst?« Ich machte mich auf eine Standpauke bereit, doch dann kam Jimin. »Ich habe es ihm erlaubt.« Streng blickte er zu mir herunter und stützte dabei seine Arme auf seinen Hüften ab. »Außerdem sagte ich, du sollst dich beeilen. Was hast du so lange gemacht?« Ich zuckte mit meinen Schultern und streifte mir die nasse Strickjacke von den Schultern. »Hoffentlich hat es einen guten Grund.«
»Ich habe Jungkook getroffen«, sagte ich.
»Wer?«, fragte Jimin, während Yoongi sich an die nächste Wand lehnte. »Du hast ihn getroffen?«, sagte mein Bruder überrascht. »Ja, er -« Mit einem Mal spielte alles vor meinem inneren Auge verrückt. Überall blitzen Fenster auf und schlossen sich genauso schnell wieder. Eine Warnung zeigte sich.
Warnung: Wasser im Inneren!

- Yoongi -

Mein Bruder zuckte und zippte, er konnte sich nicht mehr vernünftig bewegen. Yun taumelte hin und her und ließ dabei seine Tasche fallen. Ich merkte, wie er versuchte auf mich zuzulaufen, doch es nicht schaffte. Schnell griff ich nach ihm. Er hatte einen Kurzschluss. Das darf doch nicht wahr sein!
Yun kam klitschnass wieder nachhause. Wie konnte bitte Wasser in sein Inneres eindringen?
»Yoo- Yoon-« Selbst seine Lautsprecher funktionierten nicht mehr vernünftig. »Halte still!«, sagte ich und versuchte meinen zuckenden Bruder auszuschalten, bevor etwas Schlimmeres geschehen würde. Sofort stoppten seine hektischen Bewegungen und anstatt, dass sich sein Körper verhärtete, lag er nun schlapp wie eine Leiche in meinen Armen. Es erinnerte mich an Yuns Todestag. Das durfte nicht passieren!
»Nein nein nein nein«, ratterte ich herunter und war den Tränen nahe. Mein Verlobter legte mir die Hand auf die Schulter und kniete sich zu mir runter. »Yoongi, es tut mir so leid. Ich wusste nicht, dass es heute so stark regnen wird. Hätte ich es gewusst, dann hätte ich ihn nicht so losgehen lassen.«
»Alles gut«, sagte ich bedrückt und in Tränen, doch ich ließ das Schluchzen in mir. »Ich war in Eile, als ich ihn erbaut habe. Ich habe wohl eine Schramme oder ähnliches übersehen.« Mit Yun in meinen Armen stand ich auf und ging in sein Zimmer, um ihn dort auf sein Bett abzulegen. Wenn er jetzt völlig hin war, waren all die Jahre und die Arbeit umsonst ...
Ich zückte mein Handy aus der Hosentasche und wählte Jins Nummer. »Bist du jetzt böse auf mich?«, fragte Jimin, als ich die letzte Zahl eintippte. »Jimin«, fing ich an und legte mein Handy beiseite, um sein Gesicht in meine Hände zu nehmen. »Du trägst keine Schuld.« Ich sprach beruhigend und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.
»Aber ich habe ihn gehen lassen.«
»Du konntest nicht wissen, dass dies passierten wird.« Jimin nickte und verließ das Zimmer.
»Hey, Jin«, sprach ich ins Handy, als mein Kollege abnahm. »Wir treffen uns im Labor. Mit Yun stimmt etwas nicht.«
»Jetzt?«
»Jetzt!«


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