chapter thirty-one

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Die Woche verging wie im Fluge. Das letzte Wochenende war am Ende doch nicht so schlimm wie ich dachte. Ich ignorierte Nathaniel und wenn er versuchte mit mir ein Gespräch aufzubauen, gab ich vor zu lesen oder lernte für die Arbeit. Bei der Arbeit kam immer wieder Charlotte in der Pause und es war so nervig Cosimo und Charlotte so nah aneinander zusehen. Ich bin nicht eifersüchtig. Definitiv nicht.

Heute war der siebte Mai. In acht Tagen ist die Verlobungsfeier von Marisol und Drake. Der Morgen nach dem Nathaniel getrunken hatte, rief ich sofort Liora an und fragte, ob sie mir kurzfristig ein Kleid nähen konnte und natürlich konnte sie es. Heute würde ich zur ihr nach Hause gehen und das Kleid anprobieren. Außerdem sollte ich laut ihr ihren Partner endlich mal kennenlernen, was ich gerne tat. So schaute ich mit dem Handy nach der Adresse von Liora. Ich war in einem Viertel voller Hochhäuser. Die Hochhäuser waren in farbenfrohen Farben gestaltet und irgendwie erinnerten mich die Häuser an die. Zeichnungen eines Kindes.

Als ich das Gebäude endlich fand, musste ich den Aufzug zum neunten Stock nehmen. Meine hohen Schuhe brachten mich um und ich schaute mich kurz im Spiegel im Aufzug an. Ich habe abgenommen. Nicht viel aber man sah es. Ich hatte schon immer Backen, die mich etwas jünger aussehen ließen. Im Gegensatz zu meiner Schwester, die ein schönes markantes Gesicht hatte. Doch durch das Abnehmen wurden meine Wangenknochen betont und ich sah irgendwie reifer aus. Auch meine Schlüsselknochen kamen mehr zur Geltung. Mir gefiel es aber Nathaniel zwang mich mehr zu essen. Gestern stritten wir uns deswegen.

Als wäre nicht die Lage zwischen uns schon angespannt genug, diskutierten wir wegen jeder Kleinigkeiten, wo er eben am Ende nachgab. Ich aß zu wenig laut ihm, schlief zu wenig. „Anstatt mich die ganze Zeit zu kritisieren, wie wäre es einfach, das du zu Helena gehst. Sie ist doch perfekt, oder nicht?". Danach hatte er sich umgedreht und ging ins Schlafzimmer. Auch heute in der Früh schaute er mich nicht an, doch hatte mir mal wieder einen riesiges Frühstück zubereitet.

Ich ließ die negativen Gedanken in Ruhe und klingelte dann vor Lioras Haustür. Nur wenige Sekunden später wurde die Tür geöffnet, wie als hätte sie nur darauf gewartet, das ich klingelte.
„Komm rein, Lia", begrüßte mich Liora mit meinem alten Spitznamen, aus der Kindheit. Ich lächelte sie an und betrat ihre Wohnung. Ich schaute mich kurz um. Der kleine Flur führte zum Wohnzimmer und Atelier. Die Farben überraschten mich definitiv nicht. Alles war Gelb, Gold und Türkis. Die türkisen Samtmöbel passten perfekt zu Liora.

„Willst du etwas Trinken?", fragte sie mich. Ich schüttelte den Kopf und schaute mich in ihrem Atelier um. Überall waren Zeichnungen von Kleidern. Ich erkannte das Kleid von den Zeremonien. Mein Kleid, Marisols und von meiner Schwester. Es war überall Chaos aber ich erwartete nichts anderes von ihr. Bei einer Zeichnung blieb ich stehen. Es war schulterfrei und laut dem Stoff, was daneben hing würde es glänzen. Die Farbe erinnerte mich an Pflaumen. Ein dunkles Lila. Nicht zu dunkel aber auch nicht zu hell.

„Gefällt dir dein Kleid?", hörte ich eine männliche Stimme hinter mir. Ich drehte mich abrupt um und sah einen jungen Mann, mit schneeweißen Haaren. Nelio. „Mein Kleid?", fragte ich. Er nickte und lächelte. Ich erkannte den Charme, von dem Liora die ganze Zeit redete. Er war das komplette Gegenteil von Nathaniel äußerlich. Seine Haut war wie Lioras so weiß, das man schon feine Adern sehen konnte. Seine Wimpern wurden mit linker Wimperntusche geschmückt. Seine Lippen waren ganz Gold. Er war wirklich attraktiv.

„Ich hatte die Idee mit dem Violet", sagte er und kam vorsichtig mir näher. Er war größer als Nathaniel aber schmächtiger, was er auch mit seinem übergroßen goldenem Hemd nicht verstecken konnte. Er deutete auf den Schnitt. „Liora und ich haben gemeinsam dein Kleid entworfen. Sie sagte, das du einen einfachen Schnitt magst. Nichts Übertriebenes. Der Stoff ist sehr leicht und wird sich an deinen Körper anpassen", erzählte er mir.

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