chapter fifty-one

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TW!
Es war 8:30 Uhr morgens. In einer Stunde würde mein Vater sterben. Die ganze Nacht lag ich neben Nate, der seelenruhig schlafen konnte. Teddy lag zwischen uns und schlief auch ruhig. Ich streichelte ihn immer wieder und nahm ihn in meine Arme als Trost.

Immer wieder wachte Nate auf und bemerkte, dass ich wach war. Er wollte dann auch wach bleiben, damit ich nicht allein sei, doch ich wollte es nicht.

Ihn schlafen zusehen tröstete mich, deswegen bestand ich drauf, dass er weiter schlafen soll. Ich weinte nicht. Ich habe die ganze Zeit nur in die Dunkelheit gestarrt und habe gehofft, dass ich von diesem Albtraum aufwachen würde, doch hier stand ich in meinem Büro und schaute mir die Unterlagen von dem Fall meines Vaters an.

Es gab nicht mal ein Prozess. Nichts. Es war eine reine Exekution meines Erachtens. Es gab genug Beweise für die Verbrechen meines Vaters.

Ich. Ich war Beweis genug.

Ich saß auf meinem Stuhl und wiederholte die Wörter.

Caspar Jonah Conway wird beschuldigt mit Cecilia Lana Meridiem verkehrt zuhaben während Caspar Jonah Conway nicht mehr ledig war.
Das Endresultat dieses Verbrechens und Beweis ist die gemeinsame Tochter Aurelia Lynn Conway.
Ehebruch. Mischung der Rasse.

Ich schloss die Augen und seufzte leise. Ich war nicht die Tochter meiner Mutter. Alles machte in diesen wenigen Tagen Sinn. Alles wurde auf einmal klar. Die Fragen, die ich mir seit Monaten stellte, wurden schmerzhaft und schnell beantwortet, wobei ich die Antworten nicht mehr wissen wollte. Warum ich nicht aussah wie eine Aqualionin. Warum ich Feuer bändigen konnten. Warum ich mit einem Ignisorin zusammen war. Das war das Einzige, welches gut in meinen Augen war.

Nathaniel.

Er ließ mir Freiraum. Er erwartete nie Antworten von mir, wenn er mit mir redete, da er wusste, dass ich es nicht konnte. Dank ihm hatte ich die Kraft aufzustehen und nicht von der Schuld aufgefressen zu werden, die in mir ruhte.

Er ließ mich gestern nach dem letzten Treffen meines Vaters sich ausheulen. Er sagte nicht, dass ich nicht weinen soll. Nein, er zog mich in seine Arme und ließ mich nie wieder los.

Nate würde mich in einer halben Stunde abholen, damit wir zu meinem Vater konnten. Ich hatte schon das schwarze Kleid für seine Beerdigung an. Er würde sterben und wir müssten ihn gleich begraben. Ich atmete tief ein und aus, damit ich nicht wieder anfangen würde zu weinen. Immer wieder schaute ich zu meinem kleinen Taschenspiegel.

Trotz der Bräune, die ich durch die Sonne erhielt, war ich blass im Gesicht. Ich hatte nicht die Kraft mich zuschminken. Gegessen habe ich auch nicht. Ich trank nur etwas von meinem Orangensaft und von dem Saft musste ich mich schon übergeben. Nichts blieb in meinem Magen. Nate war besorgt, doch sagte nichts.

Wir sagten nur das Wichtigste. Wann wir los müssten. Wann er mich abholen würde. Beziehungsweise redete er und ich schüttelte oder nickte mit dem Kopf. Manchmal drückte er mir einen Kuss auf die Stirn und wischte mir die Tränen weg in der Früh. So sagte er mir, dass er mich in zwanzig Minuten abholen würde, damit wir uns auf dem Weg machen würden.

Immer wieder nahm ich kleine Schlücke meines Wassers und starrte die Fische im Aquarium an. Plötzlich klopfte es an der Tür.

„Herein!", mein Hals kratzte. Ich war selber erschrocken von der Raue meiner Stimme. Eine junge Frau stand vor mir. Es war die Sekretärin meines Vaters. Sie war vielleicht nur fünf Jahre älter als ich. Sie lächelte mich traurig an.

„Die übrigen Dokumente für den Fall ihres Vaters sind angekommen", sagte sie und stand noch vor der Tür. Ich nickte ihr zu, dass sie näher kommen konnte. Sie legte den Ordner ab und schaute auf dem Boden.

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