Müde vom Schreiben neuer Songs, trank ich aus dem Whiskyglas in meiner Hand, lehnte mich auf meinem Stuhl zurück und schaute zum Fenster hinaus. Es war grau und ein eisiger Januarwind herrschte draußen. Die Aussicht war öde und mehr als ein paar Hauswände konnte man auch nicht sehen. Meine Laune war so angenehm, wie ein Gewitter im April. So gereizt suchte ich meistens mein Büro im Studio auf, was mittlerweile einem zweiten Zuhause glich.
Mein Blick fiel auf das Terrarium neben mir, welches in die Wand eingefasst war. Ich beobachtete eine Weile den Teppichpython, der sich an einem Ast entlang der Scheibe schlich. Ich war öfter im Studio als Daheim. Es gab ein Bad mit Dusche, eine Küche, zehn Studioräume mit allem, was das Musikerherz begehrte, mein eigenes Arbeitszimmer und mein Büro. Mehr brauchte ich auch nicht. Das alte Lagerhaus hatte drei Stockwerke, unten waren nur Studios, der Dachboden war noch ein Abstellraum und in der mittleren Etage befand sich mein eigener Wirkungsbereich.
Für den Abend brauchte ich ein Ventil, wo ich meine überschüssige Energie loswerden konnte. Ich telefonierte mit einem Freund. Er war der Besitzer der Arena, einem privaten Fightclub in Brooklyn. Wo Kämpfe stattfanden. Sie wurden mit bloßen Fäusten ausgetragen und gaben nebenbei ganz gutes Geld. Diese Art von Kämpfen, finanzierten meinen Lebensstil, seit ich denken konnte. Wenn man dementsprechend gut war, konnte man sogar davon Leben. Ich ging lediglich zum Spaß dort hin und war längst nicht mehr auf einen Sieg angewiesen. Früher war das anders. Bei diesen Fights, kämpfte ich derweil, gegen den emotionalen Dreck, den ich so mit mir herumschleppte.
Seit mehr als einer Woche hatte ich keinen Staub mehr genommen. Das Zeug musste aus meinem Leben verschwinden. Deshalb war ich in einen brachialen Entzug gegangen. Eine weitere Woche war es auch her, dass ich die kleine Tänzerin gesehen hatte. Ich war ihr in einer Nacht im Rausch mal wieder ziemlich nahe gekommen. Zuvor hatte ich einen Auslandsjob, um einen meiner neuen Mandanten zu schützen und seine Familie nach New York zu holen. Ich hatte einen alten Kameraden aus den Fängen des russischen Militärs befreit. Er und seine Familie, hatten hier nun ein neues Leben. Dafür musste er meinem Team beitreten und ich verlangte Loyalität. Ein falscher Schritt und viele Menschenleben waren in Gefahr. Daher musste ich meine Leute immer unter Kontrolle haben. Ich kam nach solchen Jobs meistens ins Kiss um abzuschalten. Als sie mich zuletzt gesehen hatte, wie ich den weißen Staub zu mir nahm, verlor ich beinah die Kontrolle. Ich war ihr nicht auf die nette Art näher gekommen. Die Ohrfeige, als ich sie an mich gezerrt hatte, spürte ich immer noch. Keine Ahnung, ob ich mich auch ohne diese Warnung hätte zügeln können.
»White? Wie sieht's mit den Kämpfen heute aus?«
»Dimitri! Schön von dir zu hören. Wie laufen die Geschäfte?«
»Wenn ich plaudern will, gehe ich zum Friseur... Sag schon, hast du etwas Interessantes für mich?«
»Charmant wie immer. Wie wäre es zur Abwechslung mal mit einem netten Hallo?«
»Ernsthaft? Erzähl mir einfach, was ich wissen will.«
»Okay, schon verstanden... Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen? Also..., die Kämpfe sind sehr ausgeglichen aber wir haben einen Neuzugang der ziemlich viel verspricht. Einer von der Marine soweit ich weiß. High hat ihn eingeladen. Er ist nur die Woche in New York aber ich denke, wenn du ihn schaffst, wäre er ein Gewinn für das Netzwerk. Soweit ich weiß, ist er Ingenieur für U-Boote und hat Pläne für Basen im Untergrund entwickelt. Er ist nebenbei heiß begehrt für Showkämpfe, also keine leichte Nummer.«
»Das wollte ich hören. Klingt als könnte es Spaß geben. Heute Abend besprechen wir den Rest«, ließ ich meinen Gesprächspartner wissen und legte auf.
Als ich das Telefonat beendet hatte, drehte ich die Anlage auf und hörte in ein paar Songs rein. Das einzige Interessante, was ich entdeckt hatte, blieb mir verwehrt.
Es war der letzte Karton mit Tapes, den ich schließlich auf den runden Edelholztisch vor dem Fenster stellte. Als die ersten Datenträger und Tapes meine Vorahnung bestätigten, vernahm ich das leise Klopfen an der Bürotür.
»Herein...«, brummte ich widerwillig, nach dem fünften Klopfen und schaute wieder auf die Datenträger in meiner Hand. Sie hatten keinen Absender, daher legte ich sie erst mal achtlos auf meinen Schreibtisch. Leonardo kam zur Tür rein, er war der Soul Sänger der Band Sin und grinste, als er mein finsteres Gesicht bemerkte.
»Deine Laune ist kaum auszuhalten. Beim Training vorhin hast du zwar deine neue Bestzeit hingelegt aber wir sind neugierig, wieso ein Mädchen dich so aus der Ruhe bringen kann.«
»Ihr wart zu langsam.«
»Natürlich.«
»Es geht dich nebenbei bemerkt nichts an, das ist meine Privatsache.«
»Muss dich ganz schön ärgern oder? Eine kleine, süße Schülerin, widersteht dem Big Boss«, ließ er nicht locker.
»Wolltest du deinen Job noch eine Weile behalten? Dann verzieh dich, du bewegst dich auf dünnem Eis....«, brummte ich.
»Komm schon, wer hätte gedacht, dass es jemanden gibt, der nicht nach deiner Nase tanzt. Schon allein deswegen, klingt sie nach einer sehr interessanten Frau. Denkst du sie taucht noch auf? Ich meine,...« Nachdem ich ihm von der Unbekannten erzählt hatte, war er dämlich am Grinsen, sobald er mein Büro betrat. Für meinen Geschmack, hatte er eindeutig zu viel Freude an meiner Situation. Dessen ungeachtet musste ich mich vor ihm nicht rechtfertigen. Ich griff nach der Schachtel mit den Zigaretten und steckte mir eine an. Er lehnte sich neben mir an den Sims des geöffneten Fensters und zuckte mit der Schulter.
»Warum hast du ihr gleich deine volle Portion Dimitri gegeben, wenn du sie als Künstlerin wolltest? Ich hab es von High und Drago gehört. Nicht jede Frau springt auf dieses ganze Du an. Vielleicht ist sie immun gegen deinen Charme.« Ich schnaufte und warf das Feuerzeug zurück auf den Schreibtisch.
»Du findest mich charmant?«, grinste ich überlegen und brachte ihn kurzzeitig aus der Fassung.
»Das habe ich so nicht gesagt...«
»Abstreiten tust du es auch nicht. Ich steh nicht auf Kerle. Nimm es nicht persönlich...«
»Dein Ego brauch nur nicht noch mehr poliert zu werden. Du kriegst sonst jede Frau die dir gefällt mit einem Hallo, ich bin Dimitri...« Ironisch warf ich ihm einen Blick zu und stapelte den letzten Karton neben der Tür, um sie später auf den Dachboden zu bringen.
»Sie war alles andere als immun gegen dieses ganze Ich. Sie ist sehr vorsichtig, wem sie vertraut. Du hast sie nicht gesehen, also erlaube dir kein Urteil.«
»Klingt nach einer tollen Lady. Frischen Wind könnten wir hier ganz gut vertragen. Du bist nur ein Ork, wenn es um Gefühle geht.«
»Es ist nicht geplant, dass sie bleibt. Ich muss so sein. Sie soll hier nur etwas von ihrem Talent lassen. Die Kleine treibt mich so schon genug in den Wahnsinn.« Er schaute zu den Kartons auf der Couch. »Keines der Tapes kann mit ihrem Sound mithalten«, schlug ich gegen die Regalwand neben mir. Er zuckte zusammen.
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Loyalty - heart virus (Teil 1)
FantasyDie Tattoos auf seiner Haut spiegeln sein Leben wider. Seine so dunkle, verworrene Welt macht es ihm unmöglich zu lieben. Die Menschen in seinem Umfeld fürchteten ihn und seine Aura. Die Narben an seinem Körper und im Gesicht, machen seinen Weg unmi...
