Die Tattoos auf seiner Haut spiegeln sein Leben wider. Seine so dunkle, verworrene Welt macht es ihm unmöglich zu lieben. Die Menschen in seinem Umfeld fürchteten ihn und seine Aura. Die Narben an seinem Körper und im Gesicht, machen seinen Weg unmi...
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»Der Kurs ist seit einer Stunde vorbei, Angel. Du bist ja immer noch hier. Ist alles okay?« Die Stimme der Trainerin hallte zu mir herüber, als hätte die leere Halle sie größer gemacht. Kreidegeruch hing in der Luft, irgendwo klapperte etwas und der Boden glänzte matt unter den letzten Streifen Nachmittagslicht.
Dreimal die Woche war ich nach dem Unterricht im Sportleistungskurs. Für unseren Jahrgang leitete sie auch den Sportunterricht. Jetzt trat sie aus ihrem kleinen Büro in der Hallenecke, die Hand noch am Türrahmen, als wollte sie gleich wieder verschwinden-oder bleiben, bis ich etwas sagte. Es war bereits nach vier. Ich stand noch im Trikot, die Jacke unberührt in der Tasche. Das Gelände war fast leer, die Geräusche der Schule zu einem fernen Summen zusammengesackt. In ihrer Stirn lag diese feine Falte, die sie bekam, wenn sie etwas ansprach, das andere lieber übersahen.
»Heute Abend habe ich einen Auftritt. Danach steht ein Wettbewerb an. Ich bin im Training, ich will noch mal alles durchgehen«, sagte ich schnell, Worte wie Pflaster, die man hastig auf etwas drückt, das man nicht zeigen will.
Sie legte den Kopf leicht schief. »Ich weiß, was du hier tust, Angel. Aber du bist schon seit zwei Stunden dabei. Und... ich hab gemerkt, dass die Schikanen der Jungs dir immer mehr zu schaffen machen. Das Gespräch mit der Schulleitung solltest du besser noch mal wiederholen. Danach war doch eine Weile Ruhe.«
Ruhe. Das Wort klang fremd in dieser Halle, in meinem Körper. Alle wollten glauben, es wäre leiser geworden. Aber es war nur das Rascheln vor dem Sturm. Der Kloß in meinem Hals wuchs, schwer und heiß. Nichts war ruhiger. Diese Kerle waren nur vorsichtiger geworden. Schatten, die man spürt, bevor man sie sieht. Und ich blieb, bis die Schatten kürzer wurden, bis meine Muskeln brannten, als könnte ich das Zittern aus mir hinaus turnen.
Miss Holder lächelte und legte mir eine Hand auf die Schulter. »Sie kommen nicht damit klar, wenn jemand gegen die Norm verstößt und darauf verzichtet dem Strom zu folgen. Wehe jemand ist individuell. Lass den Kopf nicht hängen. Du hast viel Talent und Disziplin. Das ruft Neid und Unmut hervor.« Als ich nichts erwiderte, weder zu den Vorfällen auf dem Parkplatz vor der Schule, noch zu dem Vorfall im Sportunterricht am Morgen, den sie versuchte anzusprechen, schulterte sie ihre Tasche und schaute Richtung Ausgang. Jackson hatte mich mal wieder dumm angemacht und wollte sich mit mir für eine Party verabreden. Natürlich war das nur ein Vorwand mich bloß zu stellen aber dennoch hatte ich ihm die kalte Schulter gezeigt. Darauf hin hatte er mich zu Boden gestoßen und mich angespuckt vor aller Augen. Meine bloße Existenz ärgerte ihn scheinbar. Das Lächeln meiner Trainerin, war schön. Es war etwas Warmes darin, dass mich auch ohne, dass sie etwas sagte, getröstet hätte. Ich hatte schon so oft versucht zu reden. Erfolglos. Sie wechselte das Thema und bohrte zum Glück nicht weiter in den Wunden. »Ein Wettbewerb und ein Showauftritt an einem Abend? Nicht schlecht. Aufgeregt?« »Und wie«, stieß ich aus. »Lampenfieber ist was Gutes. Mit deinem Talent, schaffst du wundervolle Momente... Ich wünsche dir viel Erfolg Angel. Du hast einen so starken Fokus, du schaffst das!« »Danke.« »Wenn du mal in Mathe so begeistert dabei wärst«, mahnte sie und spielte auf meine Noten an. »Bis dann Angel!« Ich mochte die schmale Frau mit den schwarzen Locken. Sie wirkte klug mit dem schwarzen Brillengestell aber auch etwas kühl, vor allem durch den dunkelblauen Trainingsanzug. Die anderen mochten ihre Art nicht, doch mir war sie sympathisch. Sie war sehr selbstbewusst.