Die Tattoos auf seiner Haut spiegeln sein Leben wider. Seine so dunkle, verworrene Welt macht es ihm unmöglich zu lieben. Die Menschen in seinem Umfeld fürchteten ihn und seine Aura. Die Narben an seinem Körper und im Gesicht, machen seinen Weg unmi...
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Das reine Kristall vom Glas, in dem sich das sinnliche Licht der Umgebung spiegelte und in vielerlei Farbnuancen brach, lenkte mich ab. Die Musik, welche eigentlich für Ablenkung sorgen sollte, klang immer noch grausam.
Das Lemon Ghost Zeug zerging auf der Zunge, brannte Tropfen für Tropfen in der Kehle und hinterließ eine angenehme Frische durch das Minzblatt. Der Geruch war erfrischend. Der Rausch nach dem Sex verflog. Die Freude hielt nicht lange an. Am Boden des Glases, war kein Sinn zu finden aber Stille. »Gott bin ich durch... High, fahrt schon mal den Wagen vor«, murmelte ich. Wäre da nicht mein Stolz, wäre ich vermutlich schon längst an den Ort zurückgekehrt, wo ich einst herkam. Allein der Gedanke daran, raffte mich täglich auf aber jetzt, wieder dieser Staub. »Verdammtes Teufelszeug.« Ich wollte nach ganz oben und was verändern. Fast hatte ich es geschafft. Dann war da noch der nie endende Kampf gegen die Musikindustrie - wo Künstler nicht mehr entdeckt, sondern geformt wurden. Die Sache mit der Musik war ein Hobby, dass ich aus Spaß betrieb. Ich betrieb den Spaß sehr erfolgreich und rentabel aber das war nur eine Finanzspritze auf dem Weg zu meinem Ziel, die Gesellschaft zu stürzen und ihre Dämonen auszulöschen. Das laugte mich aus. Mittlerweile wurde jede halbwegs ansprechende Kaufhausschönheit mit etwas Stimme so lange verändert, bis sie der Masse gefiel. Talent gab es natürlich bloß auf der Platte. Ihre Stimmen bis zur Unkenntlichkeit verändert. Was gut war, bestimmten die Medien, nicht mehr das eigene Gehör. Und dann kam noch der Kampf gegen die Gesellschaft und meinen Vater dazu, die jeden Tag darauf warteten, dass ich einen Fehler machte. Eine Gesellschaft die größtenteils, aus Vätern und Söhnen des Russischen Militärs bestand. Mittlerweile hatten sie in den letzten 20 Jahren auch ziemlich gefährliche Frauen ausgebildet. Die Elite der Elite. Eine private Versicherung der Regierung. Vor vielen Jahren war ich dem Drecksloch entflohen. Doch wenn man der Sohn des Teufels war, verließ die Hölle einen nie gänzlich. Diesem Gedanken nachgehend, sank mein Blick tiefer und tiefer in das Glas, schwebte zu dem Stück Metall, das gegen das Kristall klirrte. Das Metall, das meine Herkunft verriet und mich nicht vergessen ließ, weshalb ich aus Russland geflohen war. Das Klirren durchdrang meine Sinne. Es war völlige Stille in den Club eingekehrt. Angenehm nach dem übersteuerten Lärm.
Meine Aufmerksamkeit wurde mit der plötzlichen Ruhe, durch reges Treiben vor der Bühne zurückgewonnen. Ich schob die Hundemarke zurück unter mein Hemd und schaute mich um. Leben kehrte auch zurück in die gelangweilte Menschenmenge. Scheinbar wechselten sie den Künstler. »Süße Versuchung... Schokolade wird den Scheiß hier auch nicht mehr retten. Die Puppe muss schon einiges zu bieten haben...«, brummte ich. Neugier beschlich mich, durch die erwartungsvollen Gesichter der Gäste, sodass ich wenigstens einen Blick werfen wollte. Eine gute Entscheidung, war es auf jeden Fall. Jetzt konnte es ja nur noch bergauf gehen.
Sekunden später, flashten mich unglaublich fesselnde Beats aber es war noch niemand zu sehen. Die Boxen vibrierten in einer angenehm erweckenden Stärke, wie ich es bis dato noch nie erlebt hatte. Ich erwischte mich, wie ich ungeduldig auf etwas wartete. Der Sound war einem Sturm gleich. Bässe und Drums, ergaben ein Gewitter. Da war eine leise Stimme die erst sprach und dann leise sang. Geisterhaft hell und klar. Mystischer starker, Pop-Rock Sound. Mit anderen Worten wundervoll. Die Stimme hatte lange kein Gesicht bekommen. »Was für ein Start-up. Unfassbar.« Harmonisch vermischten sich der Sound einer weiblichen Stimme und die Unwetter Samples. In den Übergängen waren sie wie Wasser ineinander geflossen und faszinierten mit frischer Eleganz. Ein Vorgeschmack dessen was mich erwarten sollte. Es war ein akustischer Orgasmus. Ich hatte ja keine Ahnung, wie süß und verlockend die nächsten Minuten werden sollten. »Ladys and Gentleman, unser musikalisches Highlight der Woche. Genießen Sie diesen mystischen Moment mit...«, kündigte der Clubbesitzer den nächsten Künstler an. Der Name war durch die Musik und das Gerede unter dem Publikum nicht mehr zu verstehen. Eine geheimnisvolle Ruhe kehrte bald wieder ein und versetzte alle Gäste in Neugier. Das passierte hier nicht oft.