Kapitel 27 ~ * silent poison *

41 2 1
                                        

Dieser Duft. Es duftete nach Kirschen und Lilien. Angenehm frisch und blumig. Das war Angels Geruch, der mich wieder weckte. Wenn Engel nach irgendwas dufteten, war ich mir sicher, würden sie genauso riechen. Das Gemüt warm wie der Sommer. Friedlich und frisch, wie eine Wiese unter Kirschblüten. Ich hatte die Erinnerung der vergangenen Nacht in den Gedanken. Zweifelte immer wieder an der Richtigkeit ihrer Anwesenheit. Jetzt war sie in Gefahr geraten und ich musste warten bis sich die Lage beruhigte.
Sie telefonierte grade, nahm meine Anrufe entgegen und notierte alles in meinem Blackberry. Ich hörte es an den kurzen, monotonen Tastentönen.
»Noch hier?«, bemerkte ich verwundert.
»Ist nicht einfach an Ihnen und Ihren Gorillas vorbeizukommen...« Stimmt, ich hatte vergessen sie zurückzupfeifen. Sie standen vor der Tür.
»Wieso bist du wieder so förmlich?«
»Weil Sie Mister König, sich aufführen wie ein... Es steht mir nicht zu das zu sagen.« Mister König? Ich grinste und streckte mich in meinem Bett. »So hat mich noch keine Frau angesprochen, die eine Nacht mit mir verbracht hat... Gib es irgendetwas Wichtiges?«
»Steht alles in Ihrem Telefon. Schauen Sie doch einfach nach«, meinte sie etwas spitz.
»Sehr witzig. Wenn du damit fragen wolltest, ob ich schon wieder sehen kann,... nein. Immer noch alles dunkel.« Leise murmelte sie vor sich hin.
»Da ist nicht viel, was dringend währe. Du sollst dich bei Shief melden. Ich nehme an er koordiniert deine Sicherheitsteams, wenn High im Einsatz ist?« 
»Deine Annahme ist richtig. Hat er etwas für mich?«
»Ja er hat etwas für dich. Sie sind dem Verdächtigen, diesem Monkey, die ganze Nacht gefolgt. Den Rest will er persönlich klären. Im Moment halten sie ihn fest und wollen wissen, was als nächstes zu tun ist. High fragte ob du gedenkst, dich selbst mit ihm zu befassen. Das Team wartet auf deine Anweisungen.«
»Er soll ihn festhalten, ich kümmere mich selbst darum. Dem Kerl werde ich den Arsch aufreißen. Niemand jagt mich in die Luft und kann glauben, ich würde ihm den Luxus einer Knastzelle verschaffen. Was gibt es sonst?«, fragte ich mürrisch und wollte nicht unbedingt weiter darauf eingehen.
»Ansonsten gibt es drei Einladungen zum Essen, die habe ich auf Mittwoch gelegt. Alle anderen Meetings und Termine finden ebenfalls nächste Woche statt. Wir müssten die Locations durchgehen und das Menü für die Party besprechen, das kann aber warten«
»Nein. Entscheide du. Ich bin gespannt, wie du solche Probleme alleine löst. Vorausgesetzt du willst nach der ganzen Sache gestern bleiben.« Wie so oft in der letzten Zeit, wirkte es als ob sie mit ihrer Antwort zögerte. 

»Dimitri im Rest dieser Stadt ist die Hölle los. Von Jahr zu Jahr kämpft sich diese Terrorzelle die in den Nachrichten erwähnt wird, mehr in diesen Teil der Welt vor. Ich habe auch gesehen, was sie in Europa und Brasilien angerichtet haben. Die Menschen leben weiter wie bisher, dennoch haben sie Angst. Nana hat viel über diese Lage nachgedacht und jeden Artikel, jede Schlagzeile in den Nachrichten verfolgt. Sie hat mich nie einbezogen aber ich habe alles mitbekommen. Kurz vor ihrem Tod, war sie immer sehr besorgt um mich und hat mir bewusst gemacht, dass das was in den anderen Ländern, was in Brasilien und Mexiko passiert ist, jeden Tag auch zu uns kommen kann. Sie hat immer vermutet das mein Großvater mehr wusste, als er zugab. Wir sind damals von unserem Zuhause geflüchtet, sie und mein Vater haben es nie erwähnt aber seit ich dich kenne, denke ich immer öfter darüber nach ob es Zufall war, dass wir bei Nacht und Nebel hier her kamen.« Ich war etwas überrumpelt von dem was sie mir grade offenbarte.
»Deine Großmutter hat gewusst was vor sich geht?« 
»Ich bin mir ziemlich sicher.« 
»Wie ist sie gestorben?« Angel zuckte mit den Schultern. 
»Ich weiß es nicht, meine Eltern sagten, sie wäre am Morgen einfach nicht wieder aufgewacht. Als es passierte kam ich grade aus Paris zurück.« Vielleicht war der Tod ihrer Großmutter kein Zufall. Ich verdrängte diesen Gedanken schnellst möglich. Denn ich konnte es mir nicht erlauben, in irgendwelchen Geschichten herumzufischen. Dazu wusste ich zu wenig über sie.  »Die Polizei wird bereits korrumpiert, dass ist doch der Grund weshalb du dich im Krankenhaus so verhalten hast und ihnen nicht traust. Jeder hier in dieser verdammten Stadt hat was zu verbergen. Je mehr Geld fließt, umso gefährlicher. Die Bauämter verschleiern in ihren Berichten, die ganzen Brände, die durch die Nachrichten von den Brandbombenanschläge beschattet werden. Doch die Menschen die lebend von dort fliehen mussten, kennen die Wahrheit. Eine große Anzahl davon lebt unten nun Obdachlos in der Nähe vom Lords. Ich gebe dort nur Tanzunterricht aber man bekommt einiges mit. Die Männer die du umgebracht hast, wenn du es nicht getan hättest, dann währen sie noch immer hinter uns her. Hinter mir. Als ich dort war, habe ich mitbekommen wie sie geredet haben. Außer mir waren noch 5 andere Menschen da unten. Im Raum neben mir, waren zwei sehr junge Mädchen. Ihr Vater tauchte auf und obwohl er getan hat, was die wollten - haben die die Kinder und ihn einfach umgebracht.« Ich schnaufte überrascht und dachte sie würde Scherzen.
»Das hast du mir gar nicht erzählt. Da waren keine Leichen...« Ihre Stimme klang nun sehr belegt und schwermütig. Sie setzte sich aufs Bett, ich hörte es am leisen Quietschen. 
»Sie haben die Mädchen vor meinen Augen... sie haben sie umgebracht. Erst die jüngste. Ich konnte nichts tun. Der Vater hat sich danach mit der Waffe selbst umgebracht. Ich verlor das Bewusstsein mehrmals und einmal, da bemerkte ich zwei weitere Männer. Einer ein Russe, der andere Franzose. Ich glaube er war blond. Beide trugen Geschäftsanzüge. Ein europäisches Model. Diese Männer waren nicht wie du. Ihre Augen waren leer und kalt. Die Art wie sie töten, war reißerisch und ohne Motiv. Irgendwann waren die Leichen weg. Die hatten sowas wie Spaß an dem Ganzen. Dasselbe währe mit mir passiert. Sie hätten es wie Selbstmord aussehen lassen und mich vor meiner Schule oder so abgelegt. Jeder hätte es geglaubt. Jeder Mensch in meinem Alter hat irgendein Problem. Als du kamst, warst du erleichtert und ich sehe es auch jetzt. Was auch immer die Gründe sind, spielt keine Rolle. Das alles hat mich so erschüttert aber es hat mir auch die Augen geöffnet. Niemand weiß das diese Familie tot ist. Diese statt ist auch ohne dich sehr gefährlich und ich habe das Gefühl, dass ich auf der besseren Seite stehe, wenn ich bei dir bleibe.« 

»Für meinen Geschmack begreifst du viel zu schnell. Wenn du nichts weiter hast, kannst du gehen. Du bist vorerst sicher.«
»Okay... Also, eine Anfrage zum Essen habe ich offen gelassen. Jessica, würde dich gern zum Abendessen heute einladen. Soll ich ihr zusagen? Sie stand zwar nicht auf der Liste aber...«
»Jessica? Keine schlechte Idee. Ja, sag ihr zu. Stell mir bitte Badewasser an und hol meine Anzüge aus der Reinigung.«
»Wird erledigt.«
»Ach Angel, du wirst mich zu dem Essen begleiten. Ich brauche dich im Hintergrund. Du wirst mit High zu Abend essen und meine Augen ersetzen. Er soll uns Wanzen beschaffen. Dann muss ich dich nicht die ganze Zeit direkt neben mir ertragen. Jessica kann ich nicht einweihen, sie plappert zu viel.« Obwohl ich es nicht sehen konnte, wusste ich, dass sie fragend die Stirn runzelte.
»Von mir aus. Ganz in meinem Interesse. Ich kann den Abstand nur begrüßen. Dann sag ich ihm gleich Bescheid.« Am liebsten hätte ich richtig gestichelt aber ich versuchte mich zu zügeln.
»Zieh dir was Hübsches an. Er mag dich«, provozierte ich sie relativ sanft für meine Verhältnisse.
»Zweifelst du plötzlich an meinen Manieren? High ist ein Gentleman, ich würde ihn niemals in Verlegenheit bringen. Zu ihm würde ich wahrscheinlich nicht nein sagen. Ihm wurde beigebracht, wie man eine Frau behandelt...«, drückte sie sich sehr gewählt und bedacht aus. Fast sanftmütig. Nur zum Schluss erkannte ich den neckischen Unterton in ihrer Stimme. Mir gefiel die Antwort nicht. Mir gefiel die Antwort ganz und gar nicht. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ehe ich etwas erwidern konnte, verließ sie das Zimmer und schloss die Tür hinter sich.

 Ehe ich etwas erwidern konnte, verließ sie das Zimmer und schloss die Tür hinter sich

Hoppla! Dieses Bild entspricht nicht unseren inhaltlichen Richtlinien. Um mit dem Veröffentlichen fortfahren zu können, entferne es bitte oder lade ein anderes Bild hoch.



Loyalty - heart virus (Teil 1)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt