#54 - Das Leben ist manchmal schwer

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Ich sah ihm hinterher und erwischte mich dabei, wie ich ein wenig traurig wurde, aber schnell wandte ich mich wieder meinen Freundinnen zu, die gerade ihre Performance beendeten. Ich klatschte und freute mich. Sie waren echt gut, mit ihnen kann die Show nur gut werden!

Langsam wurde es auch spät und ich überlegte, nach Hause zu gehen. Ich hatte ja sowieso nichts zu tun hier, aber ich dachte mir, komm, nur noch eine Performance. Und diese Entscheidung bereute ich im nächsten Moment schon, als ich Emilio Hand in Hand mit Violetta auf die Bühne gehen sah.

Ich bekam einen Kloß im Hals, während „Podemos" zu spielen begann und Emilio mit einem Lächeln auf dem Gesicht gemeinsam mit Vilu sang und tanzte. Der Tanz, dachte ich. Der Tanz, den wir hätten zusammen tanzen sollen. Es wäre der perfekte Moment gewesen.

Mit jeder Sekunde wurde es schlimmer, aber ich konnte nicht gehen. Irgendetwas hielt mich zurück. Wie gebannt starrte ich die beiden an und hasste mich dafür, dass ausgerechnet jetzt meine Stimme weg sein musste. Emilio sah so glücklich aus. Vielleicht sollte ich mich eher dafür hassen, dass ich in ihn verliebt bin. Alles wäre einfach gewesen, wenn ich es nicht wäre. Dann würde ich jetzt auch nicht so leiden müssen.

Als er schließlich die Bühne verließ, ohne mich eines Blickes zu würdigen, stand ich abrupt auf und suchte meinen Weg raus. Ich konnte mir so etwas nicht mit ansehen, wahrscheinlich würde ich gar nicht erst zur Show kommen, um mir weiteren Schmerz zu ersparen. Ich spürte, wie mir Tränen in die Augen schossen, als ich das Gebäude verließ und mir die kalte Luft ins Gesicht blies. Wie kann er mich in irgendeiner Weise mögen und gleichzeitig so verliebt auf Vilu schauen? Das geht nicht! Ich atmete ein paar Mal tief ein und ging nach Hause.

In den nächsten beiden Tagen blieb ich sofort zu Hause und verbrachte die meiste Zeit in meinem Bett, in der Hoffnung, vor Samstag doch noch gesund zu werden. Freitagmorgen stellte ich fest, dass wahrscheinlich nichts daraus wird. Wenn ich reden wollte, kam nur ein Krächzen heraus, also hielt ich weiterhin die Klappe und lief mit der Tafel durch das Haus. Ich überlegte, ob ich heute zum letzten Probentag vielleicht doch bei den Anderen vorbeischauen wollte, aber ich entschied mich dagegen. Ich passte dort mit meiner Krankheit jetzt überhaupt nicht hinein und würde für die Anderen nur ein Hindernis darstellen.

Zur Abwechslung schaute ich aber mal wieder auf YMT vorbei, weil ich dort seit Wochen nicht mehr online war. Ich erwartete nichts neues, aber als ich mich angemeldet hatte, erlebte ich mein blaues Wunder: „Du hast 34 neue Freundschaftsanfragen" stand auf dem Bildschirm und mein Mund klappte auf. Wie war das möglich...? Mich kannte doch kaum einer! Ich klickte die Meldung an und stellte fest, dass ich von all diesen Leuten noch nie etwas gehört habe, aber manche kannte ich vom Sehen her. Ich akzeptierte einfach alle und konnte danach nur noch an eins denken: Emilio war wieder nicht dabei. Er war immer noch nicht in meiner Freundesliste.

Ich überlegte, ob ich vielleicht diejenige sein soll, die ihm eine Anfrage schickt. Ich ging auf sein Profil und mein Herz setzte aus, als ich sein Profilbild sah. Wieso musste er auch so gut aussehen, verdammt noch mal? Ich stand auf und ging durch mein Zimmer. Sollte ich es tun, oder nicht? Ich fuhr mit dem Mauszeiger über das Feld „Freundschaftsanfrage senden", aber ich klickte nicht. Warum eigentlich nicht? Warum war ich so feige? Es geht nur um eine bescheuerte Freundschaftsanfrage im Internet. Nachdem ich eine Stunde später immer noch nichts getan hatte, setzte ich mich an den Stuhl und dachte mir „Ach, komm, scheiß drauf!" und ohne weiter darüber nachzudenken, klickte ich mit der rechten Maustaste auf den Button.

Als kurz danach das Fenster mit der Nachricht „Freundschaftsanfrage versendet!" erschien, sprang ich auf und hüpfte durch das Zimmer. Ich konnte nicht glauben, dass ich dies tatsächlich getan habe! Ich hoffe, dass er sie annehmen wird! Ich grinste wie ein Honigkuchenpferd und aktualisierte die Seite ständig wie die Blöde, obwohl ich ganz genau wusste, dass Emilio jetzt eigentlich bei der Probe ist.

Irgendwann ließ ich es bleiben, aber wurde total nervös. Was ist, wenn er sie gar nicht akzeptieren wird? Was ist, wenn er mich darauf anspricht? Ich schüttelte den Kopf und versuchte, nicht darüber nachzudenken. Es kommt, was kommen muss. Ich legte mich ins Bett und schlief mit dem Gedanken ein, dass morgen der große Tag ist... Nur nicht für mich.

Ich hoffe euch gefällt das Kapitel wieder! :D Wenn ja, könnt ihr mir gerne einen Kommentar oder Vote dalassen, es würde mich freuen ♥

Fun Fact: Das mit der Freundschaftsanfrage ist MIR selbst genauso passiert :D :D (Aber ich bin in den Typen zum Glück nicht mehr verliebt lol)

Breaking Free - Das hässliche Entlein ♡ ViolettaWo Geschichten leben. Entdecke jetzt